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Publikationen alle als Open Access?

Vorstoß der Europäischen Forschungsgemeinschaft für frei zugängliche Studien

In den letzten Jahren hat es eine wahre Explosion bei der Anzahl von "wissenschaftlichen" Zeitschriften sowie bei der Menge von Kongressen gegeben – eben auch beim Thema Diabetes. Ich bekomme jeden Tag Angebote, Manuskripte in Zeitschriften zu publizieren, von denen ich noch nie gehört habe, bzw. bei Kongressen in Städten zu reden, deren Name mir nichts sagt.

Dies kann nur dadurch getrieben sein, dass sowohl das Publizieren von Artikeln wie auch Kongresse eine Art "Business" darstellen. Wissenschaft ist also auch aus ökonomischen Aspekten heraus interessant.

Warum für wissenschaftliche Erkenntnisse zahlen?

Möchte man aus einer Fachzeitschrift einen bestimmten Artikel lesen, dann klickt man auf der entsprechenden Homepage auf diesen. Üblicherweise landet man dann auf einer Seite, die sagt: Für das Runterladen dieses Artikels als PDF-Datei müssen 50 Dollar bezahlt werden. Dies ist eine der Haupteinnahmequellen für solche Fachzeitschriften.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass der Gedanke aufkommt: Einen Moment mal! Die eigentliche Arbeit für die Durchführung der Studie und das Zusammenschreiben des Manuskriptes haben doch die Wissenschaftler gemacht, die als Autoren auf der Publikation stehen. Diese wurden entweder in irgendeiner Form vom Staat bezahlt oder von Firmen.

Warum stehen die wissenschaftlichen Erkenntnisse dann nicht der Allgemeinheit kostenfrei zur Verfügung, d.h., warum sind sie nicht im Rahmen von Open Access runterladbar?

Bisher werden solche Manuskripte erst nach einiger Zeit (sechs oder zwölf Monate) oder gar nicht in dieser Form verfügbar oder die Autoren zahlen einige Tausend Euro extra, um ihre Publikation direkt in dieser Form öffentlich verfügbar zu machen.

Eine "Publication Fee" könnte die Konsequenz sein

Nun haben die Verlage allerdings auch einen gewissen Aufwand mit der Handhabung der Manuskripte (dem Review-Prozess) und der Veröffentlichung von akzeptierten Artikeln. Wie hoch dieser Aufwand wirklich ist und was die wahren Kosten sind, ist für Außenstehende kaum zu beziffern.

Wenn also nun die Europäische Forschungsgemeinschaft verlangt, dass alle Manuskripte, in denen Ergebnisse präsentiert werden, an denen die EU in finanzieller Hinsicht beteiligt war, ab dem Jahr 2020 als Open Access publiziert werden, dann ist dies zum einen nachvollziehbar, kippt aber andererseits das Businessmodell der Verlage und damit die bisherigen Publikationswege.Werden die Verlage als Konsequenz nun eine "Publication Fee" verlangen, d.h., die Autoren müssen für die Publikation bezahlen?

Aktuell ist es nicht klar, wie sich die Publikationswelt weiterentwickelt, die sich sowieso schon in schwierigem Gewässer befindet.

Kommentare (1)

  • Grueni

    Grueni am 02.01.2019

    Naja, die Review peers werden ja normalerweise auch nicht bezahlt und die Vorstellung das selbst die Universität die die Forschung finanziert hat für das paper Zahlen soll finde ich schon hanebüchen... andererseits würde ein Wegfall des Peer Review Prozesses natürlich auch die Qualität der Publikationen verschlechtern und u.U. der Wegfall der Gebühren das Volumen der Publikationen erhöhen.
    Ich frage mich warum es private Verlage sein müssen die hier die Kohle scheffeln, sollen sich doch die Universitäten zusammentun und diese Aktivitäten übernehmen. Uni Verband gründet Verlag(e), Verfahren bleibt wie bisher, Gewinne fließen zurück in die Forschung.
    Außerdem fragt man sich warum die Peer reviewer bzw. deren Arbeitgeber nicht wenigstens anständig vergütet werden...

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