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Mehr Aktion wagen

Was der Gesundheitsbereich von der Umweltbewegung lernen kann

Im Gesundheitsbereich mehren sich die Klagen, dass von den Lösungen, die Wissenschaft und Forschung entwickeln, viele nicht umgesetzt werden – etwa bei der Prävention von Übergewicht. Man wünscht sich, "stärker in die politischen Prozesse anderer Politikbereiche einbezogen zu werden", heißt es z.B. im Diskussionspapier zum Kongress "Armut und Gesundheit" 2018. Dass Akteure selbst aktiv werden, ist eher selten. Man scheut sich, "Druck" auszuüben.

Gegen die Widerstände von Interessensgegnern

Doch in einer Demokratie ist die Präsentation von Lösungen immer nur der erste Schritt. Damit sie umgesetzt werden, auch gegen Widerstände von Interessensgegnern, muss man für sie werben und streiten.

Der Gesundheitsbereich kann deshalb viel von der Umweltbewegung und ihrem Kampf gegen den Klimawandel lernen. Auch hier reichten wissenschaftliche Ergebnisse nicht, um die Politik zum Handeln zu bewegen. Es brauchte das Engagement vieler Gruppen – auch von Wissenschaftlern.

Dabei hat die Umweltbewegung bestimmte Strategien genutzt, um Aufmerksamkeit zu wecken und gesellschaftliche Mehrheiten zu schaffen:

  • Problem sichtbar machen: Eine Karte, die zeigt, welche Landstriche bei einem Anstieg des Meeresspiegels überflutet werden, sagt mehr als tausend Daten.
  • Verursacher benennen: Konzerne, die fossile Brennstoffe fördern und verkaufen, wurden benannt und öffentlich kritisiert.
  • Verantwortung der Politik: Entscheidungsträger wurden direkt, auch namentlich angesprochen, etwa auf Transparenten.
  • Zeitfenster nutzen: Die Umweltbewegung war besonders bei UN-Konferenzen oder Koalitionsverhandlungen präsent.
  • Klare Forderungen: Es wurden konkrete Handlungen eingefordert, etwa ein Ausstieg aus der Kohleverstromung.
  • Verbündete suchen: Hollywood-Stars machten den Klimawandel zu ihrem Thema.
  • Wissen verbreiten: Szenarien zeigten, dass der Umstieg auf erneuerbare Energien ohne Engpässe in der Stromversorgung möglich ist.
  • Langer Atem: Von der Erkenntnis, dass sich das Klima erwärmt, bis zu konkreten Schritten der Politik hat es Jahrzehnte gedauert.

Diese Strategien funktionieren auch für den Gesundheitsbereich – das zeigen andere Länder, in denen wissenschaftliche Akteure deutlich aktiver sind als in Deutschland.

Postive Beispiele aus dem Ausland

So hat die britische Kampagne "Action on Sugar" dazu beigetragen, die Abgabe auf Softdrinks durchzusetzen. In Kolumbien machen Forscher mit TV-Spots mobil gegen Werbung für ungesunde Produkte für Kinder. Und der Tabakkonzern Philip Morris sah sich bei einer Hauptversammlung 2013 mit Demonstranten konfrontiert, die klagten: "Wir haben genug Tote gesehen."

Auch hierzulande haben Akteure wie die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten DANK diese Strategien genutzt und in kurzer Zeit Erfolge erreicht. So griffen fast alle großen Medien das Thema Zuckerkonsum auf; es wird sogar im aktuellen Koalitionsvertrag erwähnt. Es braucht jedoch mehr Akteure, die das Wort ergreifen – und nicht warten, bis sie einbezogen werden.

www.actiononsugar.org

www.vitalstrategies.org

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