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Standardisierte Prozesse und effizientere Versorgung

DDG-Zertifikat "Klinik für Diabetespatienten geeignet" zahlt sich aus

Seit 2013 vergibt die DDG das Zertifikat "Klinik für Diabetes­patienten geeignet" an Krankenhäuser, die festgelegte Vorgaben zur Struktur- und Prozessqualität beim Diabetesmanagement nachweisen können. Eine Arbeitsgruppe unter Leitung des Gesundheitsökonomen Professor Dr. Andreas Schmid an der Universität Bayreuth hat nun im Auftrag der DDG evaluiert,1 welche Effekte sich seit der Zertifizierung aus Sicht der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Versorgungsalltag eingestellt haben.

Die Dokumentation wird übersichtlicher und strukturierter

Hierfür wurden insgesamt 22 Experten in sechs verschiedenen Kliniken mit jeweils zwischen 300 und 1000 Betten befragt. Neben Ärzten waren Mitarbeiter aus dem Bereich der Dia­betesberatung, der Pflege sowie der Verwaltung und dem Controlling involviert. Sie äußerten sich insgesamt sehr zufrieden mit dem DDG-Zertifikat und empfehlen es anderen Kliniken – mit Ausnahme einer Enthaltung – weiter.

Die Evaluation ergab ein facettenreiches Bild subjektiver Eindrücke und Erfahrungen mit dieser Zertifizierung, die bei den meisten Kliniken ein gutes Jahr in Anspruch genommen hat. So berichteten die Befragten zum einen, dass im Zuge der Zertifizierung die Dokumentationspflichten zwar zugenommen hätten, die Dokumentation nun insgesamt aber übersichtlicher und strukturierter sei.

Zum Teil stellten die Krankenhäuser nicht nur Verfahrensanweisungen und Dokumentationsbogen, sondern auch ihre EDV um: So wird bei jedem Patienten direkt bei der Aufnahme ein Blutzucker bestimmt, der zentral in der Patientenakte dokumentiert wird und bei Werten von 200 mg/dl oder mehr automatisch ein diabetologisches Konsil auslöst. In einer anderen Klinik wurde ein zentrales Blutzucker-Monitoring eingeführt, sodass die Werte ortsunabhängig eingesehen werden können.

Schnelle Identifizierung und Einstellung

Zwei Krankenhäuser statteten ihre zuständigen Ärzte, Diabetesberaterinnen und Wundschwestern mit Laptops aus, damit sie die Visiten direkt dokumentieren können. Ansonsten halten sich die Kosten im Rahmen, die Anschaffungen beschränkten sich auf Stimmgabeln, ein erweitertes Insulinsortiment, Verbrauchsmaterial wie Blutzuckermessgeräte und Teststreifen sowie Glukoseampullen, die auf allen Stationen für das Personal zugänglich sind.

Auf jeder Station müssen mindestens zwei Pflegekräfte nach dem zwölfstündigen Curriculum der DDG zu den wichtigsten Diabetes­themen geschult werden, was für die meisten Kliniken eine Herausforderung darstellt.

Ob sich der zeitliche und finanzielle Aufwand direkt in höheren Erlösen niederschlägt, vermochten hingegen nur wenige der Befragten konkret zu beantworten. Allerdings konnten mehrere Kliniken einen Anstieg bei der Zahl neu identifizierter Patienten mit Diabetes und der Zahl der  kodierten Nebendiagnosen beobachten.

Effizientere Versorgung durch Standardisierung

Als Voraussetzung für die korrekte Kodierung wiederum nannten sie die verbesserte Indikationsstellung infolge der gezielten Schulungen. In einer Klinik ging man durch die verbesserte Kodierung von Mehrerlösen von 40 Euro pro Diabetespatienten aus.

Weiterhin gaben die Befragten an, dass die Standardisierung der Prozesse die Versorgung effizienter gemacht habe: So würden unnötige Wege und redundante Messungen vermieden, gleichzeitig helfe eine schnelle Identifizierung und Einstellung von Diabetespatienten, zeitaufwendige und letztlich auch kostspielige Stoffwechselentgleisungen zu verhindern.

Dank einer Sensibilisierung der einzelnen Stationen für die Grunderkrankung Diabetes und ihre Auswirkungen hat sich nach Einschätzung der Befragten die Versorgungssituation in ihren Häusern klar verbessert.

Bessere Zusammenarbeit mit den Diabetesteams

Ein zusätzlicher wesentlicher Erfolg der Zertifizierung ist dem Abschlussbericht aus Bayreuth zufolge die verbesserte interdisziplinäre und berufsgruppenübergreifende Zusammenarbeit mit dem Diabetesteam, das im Zuge der Zertifizierung einen eigenen Zugriff auf die Patienten erhält und in den Behandlungsablauf der Abteilungen eingreifen kann.

Am deutlichsten hat sich nach Einschätzung der Befragten die Zusammenarbeit mit den chirurgischen Abteilungen verändert, in denen die Akzeptanz für das Diabetesteam zuvor vorsichtig als „noch ausbaubar“ beschrieben worden war.

1.    Aberle C, Wassermann R und Schmid A. (2017), Evaluation des Zertifikats „Klinik für Diabetespatienten geeignet (DDG)“, Abschlussbericht zu einem Projekt im Auftrag der Deutschen Diabetes Gesellschaft, Universität Bayreuth.

DDG: Zufrieden mit der positiven Resonanz auf das Zertifikat

"Ziel unseres neuen Zertifikats 'Klinik für Diabetespatienten geeignet (DDG)' ist es, die Grundversorgung von Patienten mit der Nebendiagnose Diabetes in Krankenhäusern zu verbessern", erklärt DDG-Geschäftsführerin Barbara Bitzer. "Diese Patienten sollen sich im Krankenhaus mit ihrem Diabetes sicher aufgehoben fühlen." Die aktuelle Evaluation aus Bayreuth zeige, dass man diesem Ziel bereits ein gutes Stück näher gekommen ist.

In den beteiligten Kliniken wurde das Zertifikat extrem positiv bewertet, zudem waren die Befragten nahezu einstimmig der Auffassung, dass sich mit der Zertifizierung die Versorgungsqualität verbessert hat: So sanken sowohl die Komplikationsraten als auch die Verweildauer. Gleichzeitig stieg die Zahl der Diabetesdiagnosen, weil dank des konsequenten Blutzucker-Screenings bei der Aufnahme mehr unerkannte Diabetesfälle entdeckt wurden.

Möglich sind diese Verbesserungen u. a. durch die transparente Darstellung von Schnittstellen, mehr interdisziplinäre Vernetzung und eine klare Aufgabenverteilung. "Insbesondere Pflegekräfte verfügen in den zertifizierten Kliniken über mehr Wissen und Sicherheit im Umgang mit Diabetespatienten und erleben dadurch einen regelrechten Motivationsschub", berichtet Bitzer. "Wir freuen uns auch, dass die Beteiligten die Zertifizierung als einen laufenden Prozess ansehen und nicht nur eine Rezertifizierung anstreben, sondern häufig auch weitere Pflegekräfte schulen und Prozesse optimieren, auch wenn dies für das Zertifikat nicht unmittelbar gefordert ist."

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