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Immer zum Kindergeburtstag

Wie lässt sich die Nachsorge bei Gestationsdiabetes organisieren?

Eine nordrheinische Arbeitsgruppe zur Gestationsdiabetes-Nachsorge, der u.a. Ärzte aus diabetologischen Schwerpunktpraxen und Kliniken sowie Frauen- und Kinderärzte angehören, hat sich Gedanken gemacht, wie die postpartale Nachsorge organisiert werden könnte.

Status quo ist: Das postpartale Dia­betesscreening, bei der eine Frau mit GDM-Diagnose sechs bis zwölf Wochen nach der Entbindung zum oralen Glukosebelastungstest (oGTT) eine Praxis aufsucht und die Stoffwechsellage klären lässt, wird von der Mehrheit (rd. 56 %) nicht wahrgenommen, stellen die diabetologischen Schwerpunktpraxen fest.

Patientin an Screening-Termin per Telefon oder SMS erinnern

Um diese Quote zu reduzieren, rät Dr. Kaltheuner: Bei Frauen mit Ges­tationsdiabetes sollte der Praxis­termin fürs postpartale Screening schon während der Schwangerschaft vereinbart werden. Das biete auch die Möglichkeit der Erinnerung per Brief, Telefon oder SMS.

Sollte beim Screening eine Diabetesdiagnose gestellt werden, wird die Frau in ein DMP eingeschrieben und geschult. Andernfalls erhält sie je nach individuellem Risiko Hinweise auf Präventionsmaßnahmen wie Bewegung und Ernährung.

Für eine langfristige Nachsorge sieht Dr. Kaltheuner vor allem Haus- bzw. Frauenärzte gefragt. Sie sollen im Jahresrhythmus regelhaft Nüchternglukose- und HbA1c-Werte bestimmen, Blutdruck und Gewichtsentwicklung prüfen und ggf. nach der Gesundheit des Kindes schauen. "Der Aufwand gegenüber dem heutigen Usus, ein oGTT durchzuführen, was gar nicht in der Leitlinie festgeschrieben war, kann verlassen werden", sagt Dr. Kaltheuner.

Kindergeburtstag als Erinnerungsstütze

Die jährliche Nachsorge kann mit Präventionsmaßnahmen wie Krebsvorsorge, Check-up 35 oder Impfungen kombiniert werden. Hier biete sich als Termin-Merksatz für die Patientinnen an: Kommen Sie immer nach dem Geburtstag Ihres Kindes!

Diesen Rhythmus von einem, zwei und drei Jahren bieten auch die Kinder-Früherkennungsuntersuchungen U6, U7 und U7a. Hierbei kann der Pädiater die Mutter erinnernd fragen, ob sie die Diabetes-Nachsorge wahrgenommen hat.

Abstimmung zwischen Leistungserbringern verbessern

"Wir versuchen eine möglichst unkomplizierte Form zu finden, wie man das alles miteinander machen kann", berichtet Dr. Kaltheuner aus der Arbeitsgruppe. Diese will auch mehr Zahlen erhalten. Ein Blick in die Abrechnungsdaten der KV Nordrhein ergab, dass bei ungefähr 30 % der Wöchnerinnen im ersten Halbjahr ein oGTT erfolgt. Und innerhalb von 18 Monaten nach der Entbindung werde bei ca. 60 % der Frauen "irgendwie" Glukose gemessen.

Die Nachsorge erfordere mehr Kommunikation und Abstimmung zwischen den lokalen Leistungserbringern. "Wir arbeiten auch an digitalen Lösungen", etwa einer App, sagt Dr. Kaltheuner. Diese könnte neben dem "Reminding" und der Datenauswertung auch dabei helfen, Sprach- und kulturelle Probleme bei der postpartalen Versorgung von Migranten zu beheben.

11. Diabetes Herbsttagung

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