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Ein geordneter Arztwechsel

AOK Niedersachsen will Behandlungsbrüche bei kranken Teenagern vermeiden

Partner der Krankenkasse sind die Forschungs- und Lehreinheit Medizinische Psychologie der Medizinischen Hochschule Hannover in Kooperation mit dem Kompetenznetz Patientenschulung e.V., das die Inhalte der Onlineschulung entwickelt, sowie das Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung aus Hannover, das für die Evaluation des Angebots zuständig ist. Ärzte können ihre Projektteilnahme gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen erklären.

Patienten können sich von ihrem Arzt einschreiben lassen

Fast 40 % der Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind chronisch gesundheitlich eingeschränkt, heißt es in der Projektbeschreibung. "Werden sie zu alt für den Kinder- und Jugendarzt, fallen sie häufig aus der strukturierten medizinischen Versorgung heraus. Die Folgen können Therapieabbrüche sein, da beispielsweise notwendige Medikamente nicht mehr verschrieben oder eingenommen werden." Hier setze das Projekt AOKTrio an.

Patienten können sich bei ihrem Pädiater oder Hausarzt einschreiben lassen, sofern dieser am Projekt teilnimmt. Voraussetzung für die Teilnahme an dem im Oktober gestarteten und vom Innovationsfonds geförderten Programm ist eine Diagnose folgender Erkrankungen:

  • Diabetes mellitus Typ 1
  • Chronisch entzündliche Darmerkrankungen
  • Epilepsie
  • Rheumatologische Erkrankungen
  • ADHS/ADS
  • Autismus
  • Asthma

Das Projekt wird für drei Jahre und neun Monate mit 2,3 Mio. Euro gefördert. "Im Frühjahr 2022 wird anhand der Evaluationsergebnisse entschieden, ob das Programm in die Regelversorgung übernommen wird", so die AOK. Ziel ist es, die Gesundheitskompetenz der Jugendlichen zu stärken und den eigenverantwortlichen Umgang mit der Erkrankung zu förden.

Auch die Sicherung der Behandlungskontinuität steht im Mittelpunkt. Behandlungs- und Medikationsbrüche bei Arztwechseln vom Jugend- zum Erwachsenenalter sollen vermieden werden, ebenso Notfallsituationen und stationäre Aufenthalte. Wichtig ist hierfür eine gute Vernetzung der beteiligten Ärzte.

Online-Schulung und strukturierte Abläufe

Um das zu erreichen, wird dem Patienten eine Online-Schulung angeboten, in der u.a. zu Arztwechseln und zum Umgang mit der Erkrankung im Alltag, auf Reisen sowie beim Berufsstart informiert wird.

Weitere Bausteine zur strukturierten Überleitung in die Erwachsenenmedizin sieht der Selektivvertrag zwischen AOK und KV vor:

  • Transitionsgespräch und Epikrise beim abgebenden Pädiater
  • Transitionsgespräch beim aufnehmenden Facharzt
  • Fallkonferenz mit den beteiligten Ärzten und dem Jugendlichen (optional)
  • Unterstützung des Jugendlichen bei der Terminvereinbarung beim Facharzt, wenn erforderlich

Ansprechpartner

AOK Niedersachsen, Alina Röttger

Tel. 0511 870110954

Alina.Roettger@nds.aok.de

Übersicht über laufende Transitionsprojekte in Deutschland

Regionale Transitionsprogramme werden in Deutschland an verschiedenen Standorten angeboten. Strukturierte, übergreifende Angebote sind dagegen eher selten. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit sind nachfolgend einige dieser Projekte aufgeführt.

Das Berliner Transitionsprogramm (BTP) war das erste strukturierte Transitionsprogramm (seit 2009). Es wird bei diversen Krankheitsbildern in Krankenhäusern, Ambulanzen und Sozialpädiatrischen Zentren eingesetzt. Das BTP wird durch die Krankenkassen finanziert. Zentrales Element ist das Fallmanagement.

An den Herzzentren für Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern (EMAH) in Berlin und München werden Patienten unabhängig vom Alter von Kinder- und Erwachsenenkardiologen betreut. In anderen EMAH-Zentren sind gemeinsame Sprechstunden etabliert.

Eine Transitionssprechstunde für Patienten mit cystischer Fibrose ist am Christiane-Herzog-Zentrum an der Charité Berlin eingerichtet. Dort werden CF-Patienten multidisziplinär unter einem Dach betreut.

"Endlich Erwachsen" ist ein Schulungsprogramm zur Vorbereitung der Transition für nierenkranke und -transplantierte Jugendliche. Es wird vom Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation gefördert.

Das krankheitsübergreifende modulare Schulungsprogramm („ModuS“) für chronisch kranke Kinder und Jugendliche umfasst auch ein Schulungsmodul für Eltern zum Thema "Kinder erwachsen werden lassen". Der Einsatz erfolgt multizentrisch. Die Evaluation wurde vom Bundesgesundheitsministerium gefördert. Ein Workshop ergänzt das Schulungsprogramm.

Auch das Schulungsprogramm der AGPD "Diabetes bei Jugendlichen" thematisiert das Erwachsenwerden und beleuchtet im Kapitel "Diabetes heute und später" diesen Altersabschnitt, ist jedoch kein spezifisches Transitionsprogramm.

Ein telemedizinisches Projekt zur strukturierten Transitionsbegleitung ist "TransFIT" für Heranwachsende zwischen 12 und 24 Jahren mit einer chronischen Erkrankung. Auch hier steht das Fallmanagement im Fokus.

Das modulare Projekt "Trans:it" wurde 2018 an der Universitätsklinik Tübingen etabliert. Es kommt bei verschiedenen chronischen Erkrankungen, u.a. beim Diabetes, zum Einsatz und nutzt als Einzelmodule eine Epikrise, interdisziplinäre Fallbesprechungen, Einzelschulungen sowie ein Transitionsgespräch. Eine Finanzierung durch die Krankenkasse wird derzeit verhandelt.

Seit 2012 gibt es die Deutsche Gesellschaft für Transitionsmedizin. Mehrere Berufsgruppen engagieren sich hier für die Verbesserung und Koordination von Transitionsaktivitäten.

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