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Verhaltene Freude

Neue Entgeltordnung nutzt Diabetesberatern nur zum Teil

Durchbruch geschafft! Das meldete die Dienstleistungsgewerkschaft nach Abschluss der im Mai 2014 begonnenen und sich letztendlich zäh hinziehenden Verhandlungen mit der Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände zur Eingruppierung der Gesundheitsberufe. Die Verhandler auf ver.di-Seite zeigten sich im Wesentlichen mit dem Ergebnis zufrieden.

Seit zehn Jahren keine Bewährungsaufstiege

Matthias Dippel, Mitglied der Bundestarifkommission, erinnert daran, dass "viele Beschäftigte in medizinisch-technischen und therapeutischen Berufen seit zehn Jahren keine Bewährungsaufstiege mehr hatten und in der Einstiegseingruppierung hängen blieben".

Sylvia Bühler, Mitglied im ver.di-Bundesvorstand, ergänzt: "Längst nicht alles, was uns wichtig war, konnten wir mit den Arbeitgebern vereinbaren." Aber es sei ja kein Naturgesetz, die Eingruppierung jahrzehntelang nicht wieder anzupacken.

Basis für einen deutlichen Gehaltssprung

Ein Erfolg: Für eine Reihe von Berufen erfolgt die Eingruppierung jetzt automatisch in die neue Entgeltgruppe 9b, die für Beschäftigte mit anerkannter Hochschulbildung gilt. Dies betrifft auch Beschäftigte "mit Fortbildung zur Ernährungsberaterin oder zum Ernährungsberater oder mit vergleichbarer Fortbildung (z.B. Diabetesberaterin/Diabetesberater) und entsprechender Tätigkeit".

Der Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e.V. (VDBD) appellierte seit Langem an die Politik, die Arbeit nicht-ärztlicher Gesundheitsfachkräfte wie DiabetesberaterInnen und -assistentInnen "finanziell aufzuwerten" und damit mehr wertzuschätzen.

"Spiegelt sich diese Forderung im jetzigen Tarifabschluss wider?" Diese Frage stellten wir Kathrin Boehm. Sie ist Dia­betesberaterin DDG und Weiterbildungsbeauftragte Diabetesberater DDG und sie sieht zudem bei ihrer Arbeit im Diabeteszentrum Bad Mergentheim, wie sich die Schulung und Begleitung von Menschen mit Diabetes durch Diabetesberater positiv auf den Erkrankungsverlauf auswirken.

Orientierungshilfe für Arztpraxen und MVZ

Boehm zeigt verhaltene Freude über den Verhandlungserfolg. "Positiv ist auf alle Fälle, dass erstmals unser Beruf im Tarifvertrag verankert ist, das heißt er wird wahrgenommen." Und auch die Einstufung bei einem Beruf mit Hochschulabschluss findet sie gut.

Sie gibt jedoch zu bedenken, dass der Vertrag nur bis zum 28. Februar 2018 gilt und es sich um einen Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst handelt, somit also nur ein Teil der mehr als 3000 vorwiegend weiblichen Diabetesberater direkt profitiert.

Boehm hofft jedoch, dass der Tarifvertrag auch von privaten Arbeitgebern, zum Beispiel Arztpraxen oder Medizinischen Versorgungszentren, als Orientierung für die Höhe von Gehältern genutzt wird. "Jeder Diabetesberater kann aber auch in der Liste nachschauen, um dann mit konkreten Vorstellungen in Gehaltsverhandlungen zu gehen."

Die neue Entgeltordnung: bit.ly/2A2v7pj

Die Ergebnisse im Überblick

  • Für die Pflege wird eine neue Tabelle "P" eingeführt. Sie löst die bisherige Kr-Anwendungstabelle ab. In den Entgeltgruppen P 7 (bislang Kr. 7a) und P 8 (Kr. 8a) wird die Stufe 1 gestrichen, damit steigen die BerufsanfängerInnen höher ein. Für die Entgeltgruppen P 9 bis P 14 (bislang Kr. 9a bis Kr. 11a) gibt es künftig eine Stufe 6, d.h. mehr Geld für die Beschäftigten mit langer Berufserfahrung.
  • Völlig neue Tätigkeitsmerkmale gibt es für die Leitungskräfte. Die bislang ausschließlich von Unterstellungsverhältnissen abhängigen Merkmale gibt es zukünftig nicht mehr. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di wird dazu intensiv qualifizieren, damit das neue System richtig angewendet wird.
  • Für Lehrkräfte für die Gesundheitsberufe mit wissenschaftlicher Hochschulbildung konnte ver.di die Entgeltgruppe 13 durchsetzen.

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