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Insulininjektionen oder Insulinpumpe?

Daten der DPV-Initiative geben Aufschluss

Immer mehr Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene verwenden heute eine Insulinpumpe. Einige Studien weisen darauf hin, dass sich der HbA1c-Wert nach Wechsel von Injektionen auf die Pumpentherapie verbessert.

Zu akuten Komplikationen wie schwere Hypoglykämie und diabetische Ketoazidose fehlen dagegen Auswertungen aus großen Patientengruppen.Wiederholt wurde befürchtet, dass während einer Pumpentherapie vermehrt Ketoazidosen auftreten könnten, da bei einer Unterbrechung der Insulinzufuhr kein lang wirkendes Basalinsulin im Körper vorhanden ist.

Diesbezüglich haben Forscher an neun Standorten nun eine Studie zur Diabetestherapie in Deutschland, Österreich und Luxemburg (DPV-Intiative) durchgeführt. Um Unterschiede der Patienten zwischen den beiden Behandlungsformen, wie sie in Beobachtungsstudien auftreten, auszugleichen, wurde ein neuer methodischer Ansatz gewählt: Das Matching der Patienten erfolgte über den Propensity-Score.

Insgesamt Daten von mehr als 30 000 Patienten ausgewertet

30 579 Patienten wurden in die Studie eingeschlossen. Verglichen werden konnten 9814 Typ-1-Diabetes-Patienten mit Insulinpumpe mit 9814 Patienten mit einer Injektiostherapie. Durch das Matching erfolgte der Ausgleich von Alter, Geschlecht, Diabetesdauer und Migrationshintergrund.

Im Mittel waren die Patienten 14,6 Jahre alt, die Obergrenze betrug 20 Jahre. Alle hatten Typ-1-Diabetes seit mindestens einem Jahr.

Insulinpumpentherapie mit deutlichem Benefit

In der Gruppe mit Insulinpumpentherapie war die Häufigkeit schwerer Hypoglykämien signifikant niedriger (9,55 vs. 13,97 pro 100 Patientenjahre), ebenso die Häufigkeit von Unterzuckerungen mit Bewusstlosigkeit (2,30 vs. 2,96 pro 100 Patientenjahre). Auch ketoazidotische Entgleisungen traten unter Pumpentherapie signifikant seltener auf (3,64 vs. 4,26 pro 100 Patientenjahre).

Der mittlere HbA1c-Wert war mit 8,04 % in der Pumpengruppe signifikant besser als in der Gruppe mit Insulin-Injektionen (8,22 %). Patienten mit Insulinpumpe benötigten weniger Insulin pro kg Körpergewicht und Tag (0,84 vs. 0,98 Einheiten; p < 0,001) und kontrollierten ihren Blutzucker mit 6,6 Messungen pro Tag häufiger als die Patienten mit Injektionstherapie (5,9 Messungen).

Der BMI unterschied sich nicht zwischen beiden Gruppen – Pumpenpatienten nehmen also nicht vermehrt an Gewicht zu!

Weniger Hypoglykämien und ketoazidotische Entgleisungen

Diese Untersuchung an 350 Dia­beteszentren in Deutschland, Österreich und Luxemburg zeigt signifikante Vorteile der Insulinpumpentherapie bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Insbesondere schwere Unterzuckerungen, die eine Fremdhilfe erforderlich machen oder zur Bewusstlosigkeit führen, aber auch ketoazidotische Stoffwechselentgleisungen treten bei Pumpentherapie seltener auf. Patienten mit Insulinpumpe benötigen weniger Insulin, gleichzeitig ist der HbA1c-Wert niedriger und es kommt zu keiner vermehrten Gewichtszunahme.

Wichtige Hinweise für die Wahl der Therapie

Für Familien eines Kindes mit Dia­betes, für Jugendliche und junge Erwachsene gibt diese Studie wichtige Hinweise bei der Wahl der Diabetes­therapie, ebenso für Diabetes­teams und Kostenträger.

Die Studienpatienten stammen aus Deutschland und Österreich. Nahezu alle Diabeteszentren für diese Altersgruppe wurden eingeschlossen, sodass die Ergebnisse für unsere Versorgungssituation als repräsentativ betrachtet werden können.

Prof. Dr. Beate Karges, Dr. Joachim Rosenbauer, Prof. Dr. Reinhard Holl

Karges B. et al. JAMA 2017; 318:1358-1366; doi:10.1001/jama.2017.13994

Diabetes-Patienten-Verlaufsdokumentation (DPV)

Ziel der DPV-Initiative ist es, die Behandlungsergebnisse für Menschen mit Diabetes in der Routinetherapie durch standardisierte Dokumentation, objektiven Vergleich von Qualitätsindikationen und durch multizentrische Therapieforschung zu verbessern. Aktuell beteiligen sich über 400 Behandlungseinrichtungen kostenfrei an der vom DZD unterstützten Initiative, vorwiegend aus Deutschland und Österreich, sowie jeweils ein Zentrum aus Luxemburg und der Schweiz. Die Daten des anonymisierten DPV-Registers werden für die Therapieforschung zu praxisrelevanten Fragen eingesetzt.

www.d-p-v.eu

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