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Auch Wahlverwandtschaften beeinflussen das Diabetesrisiko

Übergewichtige Lebenspartnerin steigert Gefahr für den Mann

Als die wichtigsten Faktoren für die Manifestation eines Typ-2-Diabetes gelten Übergewicht und eine genetische Prädisposition. "Doch auch das soziale Umfeld hat großen Einfluss darauf, ob Menschen einen Diabetes entwickeln oder nicht. Immerhin verbringen sie mit ihrem Lebenspartner bzw. ihrer Lebenspartnerin meist deutlich mehr Zeit als mit erstgradigen Verwandten", sagte Dr. Adam Hulman, Aarhus Universität.

Diabetes: potenzielle Ansteckungsgefahr

Könnten Übergewicht und Typ-2-Diabetes des Lebenspartners oder der Lebenspartnerin also quasi ansteckend wirken? Diese Hypothese scheint nicht ganz aus der Luft gegriffen, wie Dr. Hulman mit Blick auf eine britische Langzeitstudie (English Longitudinal Study of Ageing, ELSA) berichtete.

In dieser Studie wurden zwischen 1998 und 2015 die Daten einer repräsentativen Kohorte aus 3151 Männern und 3050 Frauen erstmals daraufhin untersucht, wie sich diabetesrelevante Gesundheitsparameter von Lebenspartnern und Lebenspartnerinnen auf das eigene Diabetesrisiko auswirken.

Eine ungleiche Verteilung des Risikos

Die überraschende Erkenntnis: Für Männer stellt offenbar allein die Tatsache, dass sie mit einer adipösen Partnerin zusammenleben, ein zusätzliches Diabetesrisiko dar. Umgekehrt spielt es für Frauen in Bezug auf ihr Risiko für Typ-2-Diabetes keine signifikante Rolle, ob ihr Lebenspartner zu viele Pfunde mit sich herumträgt. Ihr eigenes Diabetesrisiko steigt dadurch nicht zusätzlich an.

"Diese ungleiche Verteilung des Risikos mag damit zusammenhängen, dass in Partnerschaften nach wie vor in erster Linie die Frauen für Lebensmittelauswahl und -zubereitung zuständig sind", mutmaßte Dr. Hulman. Im Klartext: Der Mann isst, was auf den Tisch kommt – und wenn seine Frau ungünstige Ernährungsentscheidungen trifft, dann zieht er eben mit und erhöht damit sein eigenes Risiko für Adipositas und Typ-2-Diabetes.

Dr. Hulman schloss aus den Ergebnissen der ELSA-Studie, dass man bei der Einschätzung des individuellen Diabetesrisikos nicht nur den Patienten selbst, sondern auch sein soziales Umfeld betrachten sollte.

Gezielt nach dem Lebenspartner fragen

"Das bedeutet nicht, dass jeder Adipöse zwingend gescreent werden sollte. Doch man sollte viel häufiger nachfragen, ob der Lebenspartner bzw. die Lebenspartnerin adipös und von Typ-2-Diabetes betroffen ist – und diese Faktoren bei der individuellen Risikoabschätzung berücksichtigen."

53rd Annual Meeting EASD 2017

Was wurde erfasst?

Erfasst wurden Diabetesstatus, Body-Mass-Index (BMI) und Bauchumfang der Probanden sowie ihrer Lebenspartnerinnen und Lebenspartner. Wie lange die Paare bereits miteinander lebten und wie lange der oder die jeweils andere unter Umständen bereits Typ-2-Diabetes hatte, wurde allerdings nicht dokumentiert.

Die Männer waren bei Studienbeginn im Durchschnitt 60 Jahre, die Frauen 59 Jahre alt. Der BMI lag bei den Männern im Mittel bei 27,2 und bei den Frauen bei 26,8 kg/m². Der Bauchumfang betrug bei den Männern durchschnittlich 99 und bei den Frauen 86 Zentimeter.Zum Studienende wurde dokumentiert, wie viele der Probanden zwischenzeitlich an Typ-2-Diabetes erkrankt waren.

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