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Süßes Risiko am Steuer

S2e-Leitlinie soll Orientierungshilfe zum Thema Diabetes und Straßenverkehr werden

Die neue S2e-Leitlinie zu Dia­betes und Autofahren wird eine absolute Neuerung sein, denn während in anderen Ländern dieses wichtige Thema bereits angegangen und Leitlinien/Positionspapiere veröffentlicht wurden (z.B. Kanada, USA), gibt es für Deutschland bzw. Europa bisher noch nichts Vergleichbares.

2015 wurde das Leitlinienvorhaben von der DDG bei der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften angemeldet.

Entwurf ist in Abstimmung – Rückmeldungen positiv

Der von der Leitliniengruppe erarbeitete Entwurf liegt den beteiligten Partnern zur Abstimmung vor. Wie Rechtsanwalt Oliver Ebert, Vorsitzender des Ausschusses Soziales der DDG und – neben Professor Dr. Reinhard W. Holl und Dr. Barbara Bohn – Mitkoordinator bei der Leitlinienentwicklung, der diabetes zeitung berichtete, sind die bisherigen Rückmeldungen positiv. Es bestehe gute Hoffnung, dass die Richtlinie 2018 veröffentlicht werden könne.

Ziele der Leitlinie sind:

  • Die Diskriminierung von Menschen mit Diabetes zu reduzieren, berufliche und gesellschaftliche Teilhabe zu fördern
  • Die Sicherheit im Straßenverkehr zu erhöhen
  • Die Kompetenz der Beratungs- und Schulungsteams zu fördern
  • Eine wissenschaftlich fundierte Grundlage für Begutachtungen zu schaffen
  • Die Beachtung sozialer Auswirkungen der Diabeteserkrankung bei allen Personen, die beruflich oder privat mit Diabetes konfrontiert sind, zu fördern

Thematisiert werden u.a. die Erkrankung Diabetes mellitus, Beeinträchtigungen der Fahrtauglichkeit, Rechtsgrundlagen zum Thema, Risiken des Fahrens, Unfallhäufigkeiten.

Ein Kapitel widmet sich den Anforderungen an die Patienteninformation, in der Schulung und auch bei der Aufklärung durch den Arzt bzw. durch das Diabetesteam.

Konkrete Empfehlungen bezüglich Hypoglykämien

Sehr ausführlich wird auf die gesundheitlichen Anforderungen für das Fahrzeugführen eingegangen. "Insbesondere schwere Unterzuckerungen, aber auch extrem hohe Blutzuckerwerte mit Konzentrationsstörungen oder temporären Veränderungen der Sehfähigkeit können im Einzelfall die Fahrtauglichkeit beeinflussen", erklärt Oliver Ebert.

Zu Hypoglykämien z.B. gibt es deshalb auch je nach Schweregrad konkrete Empfehlungen. Der Leitlinienentwurf zeigt zudem, welche Diabetes-Schulungs- und Behandlungsprogramme (BVA/DDG) Hypoglykämien beim Autofahren thematisieren.

Menschen mit Diabetes lassen erhöhte Sorgfalt walten

Angefügt sind diverse Anlagen für die Praxis, etwa der Aufklärungsbogen "Empfehlungen für Kraftfahrer mit Diabetes unter Behandlung mit SH und/oder Insulin".

Laut Ebert ist in Deutschland jeder zehnte Führerscheininhaber von Diabetes betroffen, ca. drei Millionen dieser Menschen werden mit Medikamenten oder mit Insulin behandelt. Erkenntnisse für ein deutlich erhöhtes Risiko gebe es allerdings nicht, im Gegenteil: "Tatsächlich könnte aufgrund einer erhöhten Sorgfalt und Vorsicht dieser Patienten möglicherweise sogar ein geringeres Unfallrisiko bestehen."

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