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Erst das eigene Diabetesteam in Schwung bringen

Neues Konzept "Praxis in Bewegung" setzt auf Mitarbeiter als Motivator

Obwohl die Bewegungsberatung Teil der Leitlinien zur Behandlung des Typ-2-Diabetes ist, erschöpft sie sich in vielen Diabetes­praxen oft in kurzen und vor allem sehr vagen Ratschlägen. "Das Hauptproblem ist die Langfristigkeit: Wie bringt man einen kontinuierlichen Prozess in Gang, damit Menschen mit Diabetes sich im Alltag mehr bewegen?", fragte Dr. Peter Borchert von der AG Diabetes und Sport der DDG.

Grundvoraussetzung hierfür ist eine stetige Ansprache: Alle Patienten sollten bei jedem Quartalsbesuch auf die Bewegungsziele angesprochen werden – und im Idealfall einen individuellen Tipp bekommen.

Dies funktioniert umso besser, wenn das Praxisteam an einem Strang zieht und wirklich versteht, warum Bewegung wichtig ist, resümierte der Experte. Außerdem sollten die Mitarbeiter möglichst auch eigene Erfahrungen mit verschiedenen Sportarten gemacht haben und über die konkreten Angebote und Anbieter von Sport und Bewegung im lokalen Umfeld Bescheid wissen, rät Dr. Borchert. Nur dann können sie auch konkrete Empfehlungen geben.

Diabetespraxen können das Programm buchen

"Es hat eine ganz andere Qualität, wenn Sie einem Patienten einen Zettel mit einer Telefonnummer und einem Ansprechpartner in die Hand drücken, anstelle ihm nur pauschal zu raten, sich mal irgendwo zum Nordic Walking anzumelden."

Damit nicht in jeder Praxis in puncto Bewegungsberatung das Rad neu erfunden werden muss, hat der Trainer und Sportberater mit seinem Team das Konzept "Praxis in Bewegung" mitentwickelt, das Dia­betespraxen buchen können. Es enthält einen Erlebnistag für das Praxisteam, bei dem beispielsweise Nordic Walking oder Gerätetraining im Team ausprobiert und besprochen wird. Auch Vorträge zur Trainingsgestaltung sind Bestandteil des Programms.

Auf den eintägigen Erlebnistag folgt eine vierwöchige Umsetzungsphase, in der Erfahrungen gesammelt und evaluiert werden. "Wichtig ist, dass die Praxis eine Bewegungsbeauftragte benennt, bei der alle Informationen rund um die Bewegungsmotivation zusammenlaufen." Diese werden dann in den Praxisablauf integriert – hierzu enthält ein Werkzeugkasten Material wie eine Bewegungslandkarte, die in der Praxis aufgehängt wird und in der die einzelnen Bewegungsangebote mit einem Pin markiert werden.

Gesprächsanreize für den Patienten schaffen

Erhält jedes Teammitglied einen Schrittzähler, kann "Bewegung in der Praxis" beispielsweise mithilfe einer Tafel kommuniziert werden, die in der Praxis aufgehängt wird und auf der alle Mitarbeiter eintragen, wie viele Schritte sie in der jeweiligen Woche gegangen sind. "Selbst wenn es bei dem einen oder anderen einmal nicht so viele Schritte waren, motiviert das die Patienten – 'gell, so viele Schritte haben Sie auch nicht geschafft, das kenne ich!' Und schon kann man ein Gespräch über Bewegung beginnen!", sagte Dr. Borchert.

Aus Gegnern können Botschafter werden

Was den potenziellen Erfolg der Maßnahme angeht, bleibt er realistisch: Man werde längst nicht alle Patienten mit diesem Ansatz zu mehr Bewegung motivieren können. Auch nicht alle Mitarbeiter sind automatisch begeistert über einen Bewegungs-Workshop – schließlich ist der Praxisalltag auch so schon bestimmend genug, und nicht jeder stürzt sich selbst gleichermaßen begeistert auf neue Bewegungsangebote. "Doch manchmal wird aus dem größten Bewegungsgegner am Ende der beste Bewegungsbotschafter."

Weitere Informationen unter
www.diabetes-sport.de/projekte/praxis-in-bewegung.html

 

Werkzeugkasten "Praxis in Bewegung"

Hintergrundmaterial, Planungshilfen und Vorlagen erleichtern die Umsetzung:

  • Handzettel für Patienten
  • Listen mit konkreten Bewegungs­ange­boten in der näheren Umgebung
  • Bewegungslandkarte, die in der Praxis aufgehängt wird und in der die einzelnen Bewegungsangebote mit einem Pin markiert werden

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