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Schwanger und Typ 1? CGM anbieten!

Kontinuierliches Blutzuckermonitoring senkt Risiken für Neugeborene

Klare Worte von Dr. Denice Feig, University of Toronto, bei der Vorstellung der Ergebnisse der CONCEPTT-Studie: "Wir empfehlen, allen Schwangeren mit Typ-1-Diabetes im ersten Trimester das CGM anzubieten."

Die an 31 Zentren in sechs Ländern durchgeführte Studie1 untersuchte den Einfluss des CGM auf die glykämische Kontrolle und den Geburtsausgang bei 215 im ersten Trimester schwangeren Frauen mit Typ-1-Dia­betes und intensivierter Insulintherapie. Parallel wurde der CGM-Effekt auch bei Frauen geprüft, die noch schwanger werden wollten (n = 110). Alle Frauen wiesen eine suboptimale glykämische Kontrolle mit Pumpen- oder Pen-Therapie auf (HbA1C ? 6,5 %).

Sie erhielten randomisiert entweder ein CGM und wurden angehalten, zusätzlich zur kapillären BZ-Kontrolle den Sensor kontinuierlich bis zum Eintritt der Schwangerschaft bzw. bis zur Geburt zu tragen, oder sie kontrollierten den Blutzucker wie gewohnt nur über das kapillare Blut.

Mehr Zeit im Zielbereich

In beiden Gruppen nahm das HbA1c bis zur Woche 34 ab. "Die Schwangeren waren alle sehr motiviert", betonte Dr. Feig. Bei den 108 Frauen mit CGM sank das HbA1c im Vergleich zum Ausgangswert im Mittel aber noch um -0,19 Prozentpunkte mehr als bei den 107 Frauen mit Standardblutzuckerkontrolle (p = 0,02). Dabei war es egal, ob die Frauen Pumpen oder Pens verwendeten. Die Schwangeren mit CGM waren im Mittel etwa 100 min pro Tag zusätzlich im angestrebten Blutzuckerbereich (3,5–7,8 mmol/l) und 72 min weniger pro Tag darüber.

Schwere Hypoglykämien waren mit 18 und 21 Episoden in beiden Gruppen vergleichbar häufig, die Zeit in Hypoglykämie war mit 3 % bei CGM-Nutzung und 4 % bei Kontrollbedingung ebenfalls nicht signifikant unterschiedlich.

Weniger Komplikationen der Neugeborenen

Die bessere glykämische Kontrolle in der Schwangerschaft resultierte in weniger Komplikationen der Neugeborenen: In der CGM-Gruppe waren 53 % der Kinder zu groß für ihr Gestationsalter (LGA), in der Kon­trollgruppe waren es 69 % (p = 0,02). Eine schwere Hypoglykämie mit Infusionsbedarf wiesen 15 % der Neugeborenen in der CGM- und 28 % der Kinder in der Kontrollgruppe auf (p = 0,025). Eine neonatologische Intensivbetreuung benötigten 27 % der Kinder in der CGM- und 43 % der Kinder in der Vergleichsgruppe (p = 0,016).

Das übersetzte Dr. Feig in beeindruckende Zahlen zur notwendigen Behandlung der Mütter, um eine solche Komplikation beim Neugeborenen zu vermeiden: Die number needed to treat (NNT) zur Vermeidung eines Kinds mit LGA betrug 6, zur Vermeidung eines behandlungsbedürftigen Unterzuckers 8 und zur Vermeidung einer Intensivbehandlung 6. Auch mussten die Kinder im Mittel einen Tag weniger lang im Krankenhaus bleiben, wenn ihre Mutter in der Schwangerschaft ein CGM angewendet hatte.

Ist dadurch eine Kosteneinsparung möglich?

Das könnte eine mögliche Kosteneinsparung bedeuten, meinte Koautorin Professor Dr. Helen Murphy, University of East Anglia. Allerdings hatten die Frauen der CGM-Gruppe häufiger ungeplant einen Arzt aufgesucht – meist wegen des CGM-Systems.

Außerdem wies Professor Dr. Elisabeth Mathiesen, Universität Kopenhagen, darauf hin, dass die BZ-Kontrolle in der Studie im Vergleich zu vielen anderen Daten aus verschiedenen Ländern relativ schlecht war und das verwendete CGM-System für 20 Schwangere so viel kostet wie eine Pflegekraft, die sich um die Schwangeren kümmern könnte.

Im Gegensatz zu den positiven Effekten bei Schwangeren fand sich im Übrigen für Patientinnen mit Typ-1-Diabetes und Kinderwunsch kein Vorteil für das CGM.

1    Feig D et al. Lancet 2017; online first
EASD Annual Meeting 2017

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