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Delegieren – real und praxisnah!

Auch nicht examinierte Pflegekräfte können Blutzucker messen

Weil es für Pflegeeinrichtungen angesichts des massiven Mangels an Pflegefachkräften zunehmend problematischer ist, qualifizierte Mitarbeiter zu finden, sollen examinierte Pflegekräfte die Blutzuckermessung an nicht examinierte Pflegekräfte delegieren können. Vorausgesetzt, die nicht examinierten Kräfte werden entsprechend geschult.

Eine diesbezügliche Handlungsrichtlinie wurde vom Arbeitskreis Diabetes Pflege Management der AG Geriatrie und Pflege DDG erarbeitet. Die Experten stützten sich dabei auf die Ergebnisse eines vor­angegangenen interdisziplinären Projektes von Mitarbeitern der Pflege, Ärzten und Diabetesberaterinnen.

Dieses hatte gezeigt, dass 80 % der Blutzuckerbestimmungen in den stationären Pflegeeinrichtungen von Pflegefachkräften durchgeführt werden, diese Leistung aber bei Beachtung entsprechender ordnungsrechtlicher Regelungen und Qualitätsstandards auch von nicht examiniertem Pflegepersonal erbracht werden kann.

Richtlinie gibt konkrete Handlungsschritte vor

Für eine qualitätsgesicherte Delegation der Messung hat die AG konkrete Handlungsschritte definiert. So muss gesichert sein, dass die anleitende Pflegefachkraft über die medizinisch-fachliche Kompetenz im Diabetes-Pflege-Management, aber auch über die Kompetenz zur Wissensvermittlung an die nicht examinierte Pflegekraft verfügt.

Die AG gibt für die Einweisung eine konkrete Struktur vor. Dazu gehört – in der Regel theoretisch vermittelt und praktisch erprobt –, das Wissen zu Blutzuckerzielwerten, zur richtigen Kapillarblutentnahme, zur Funktionsweise der Messgeräte, zur Dokumentation und Bewertung der Ergebnisse sowie zu Informationspflichten an die verantwortliche Pflegefachkraft weiterzugeben. Thematisiert wird auch das Handeln in Notfallsituationen.

Die gesamte Einweisung ist durch die Pflegefachkraft zu protokollieren. Ein Wissenstest und das Ausführen von mindestens zehn Blutzuckerbestimmungen bei Bewohnern durch die nicht examinierte Pflegekraft stehen am Ende des Informationsprozesses.

Hinzu kommt eine Nachkontrolle nach der Einweisung, nach 14 Tagen, sechs Wochen und dann quartalsweise durch die Pflegefachkraft. Bei einer fehlerfrei sicheren Ausführung nach der Aufsichtsphase darf die delegierte Leistung schließlich ohne Aufsicht erbracht werden. Die Gesamtverantwortung bleibt bei der Pflegedienstleitung.

Delegation ist rechtlich gut vertretbar

Um juristisch auf sicherem Boden zu stehen, wurden Experten des Pflegeanbieterverbandes bpa und des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung sowie Dr. Markus Plantholz von der Hamburger Kanzlei Dornheim an der Entwicklung der Richtlinie beteiligt. In einer Expertise bezeichnet die Berliner Kanzlei Diercks & Bohle die Delegation zudem als "gut vertretbar".

 

Weitere Infos

Handlungsrichtlinie zur Delegation der Blutzuckerbestimmung bei Menschen mit Diabetes von examinierten Pflegefachkräften an nicht examinierte Pflegekräfte in stationären Pflegeeinrichtungen;

Ansprechpartnerin: Katja Hodeck, Leiterin des AK DPM, k.hodeck@iigm.de

bit.ly/2vdT3AH

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