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Ruhig gefüttert

Schreikinder werden häufiger dick. Was können Eltern dagegen tun?

Kleinkinder, die viel schreien, ängstlich sind und gesetzte Grenzen schwer akzeptieren können, werden häufiger als ruhigere Altersgenossen schon in der frühen Kindheit übergewichtig. Wie Dr. Emily Hohmann und Dr. Jennifer S. Savage, Pennsylvania State University, ausführten, trägt dazu bei, dass diese Kinder häufiger als andere süße Nahrungsmittel und Getränke erhalten und häufiger Nahrung als Trost bei Kummer bekommen.

"Responsive care" steuert gegen

Die randomisierte, kontrollierte INSIGHT-Studie (Intervention Nurses Start Infants Growing on Health Trajectories) analysierte diese Zusammenhänge an 279 Paaren von Müttern mit ersten termingerecht geborenen Kindern näher.

Untersucht wurde auch der Einfluss eines zuwendenden Verhaltens der Eltern (responsive care) auf die Gewichtsentwicklung der Kinder im Vergleich zu einer Kontrollgruppe.

Mit den Inhalten von responsive care (RC) wurde die RC-Gruppe vor Beginn der Studie vertraut gemacht. Dazu gehörten das Erkennen von Hunger- und Sättigungssignalen, die Warnung, Nahrung als Belohnung, zur Beruhigung oder zur Verhaltenskontrolle einzusetzen, Empfehlungen zur Ernährungsmenge oder Schlafroutine.

Den ersten Kontrolltermin nach einem Jahr nahmen 250 Mutter-Kind-Paare wahr. Dabei bewegten sich 5,5 % der Kinder in der RC-Gruppe mit ihrem BMI auf oder oberhalb der 95. Perzentile verglichen mit 12,7 % in der Kontrollgruppe (p = 0,05). Auch der Konsum nicht altersgerechter hochkalorischer Getränke und fester Nahrungsmittel wurde erfasst.

Nach Angabe der Mütter hatten 11,3 % der Kinder in der letzten Woche zuckerhaltige Getränke, 50 % hatten 100 %igen Fruchtsaft, 66,7 % süße Lebensmittel wie Kuchen, Kekse oder Eis und 50 % frittierte Lebensmittel bekommen.

Ein negatives Temperament des Kindes steigerte den Konsum zuckerhaltiger Getränke signifikant um 74 % (p = 0,006). Distress-Reaktionen auf gesetzte Grenzen waren mit einem um 93 % erhöhten Konsum zuckerhaltiger Getränke verbunden (p = 0,03).

Auch 100 %ige Fruchtsäfte erhielten Kinder mit negativem Temperament oder Distress-Reaktionen häufiger. Zwischen RC- und Kontrollgruppe gab es aber keinen signifikanten Unterschied.

Weniger Pommes, Lutscher und Co. als Ruhigsteller

Anders war dies bei hochkalorischen festen Nahrungsmitteln. Kinder mit ausgeprägtem negativem Temperament bzw. starker Distress-Reaktion in der RC-Gruppe konsumierten süße oder frittierte Nahrungsmittel seltener als solche Kinder in der Kontrollgruppe.  

Am Follow-up nach zwei Jahren nahmen 243 Mutter-Kind-Paare teil (87 %). Die Vorteile in der Gewichtsentwicklung in der RC-Gruppe waren auch bei den zweijährigen Kindern noch deutlich mit einem BMI von 0,8  vs. 8,3 % der Kinder oberhalb der 95. Perzentile.

Das Risiko, mit dem BMI zwischen dem 1. und dem 2. Geburtstag einen Wert ? 95. Perzentile zu erreichen oder zu behalten, lag in der Kontrollgruppe signifikant höher (p = 0 0,02).

Obesity Week 2016

 

Drohende Gefahr

In den USA wird eines von drei Kindern vor dem 5. Geburtstag übergewichtig, insgesamt wiegen 17 % der Kinder und Jugendlichen zwischen 2 und 19 Jahren zuviel.



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