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Diabetologie 2025

Task Force definiert zehn strategische Handlungsfelder

Mit der praktischen Umsetzung dieser Strategien, die die DDG im Konsens mit anderen Akteuren definiert hat, sollen sich Prävention, Früherkennung und die Versorgung der Erkrankten bis zum Jahr 2025 nachhaltig verbessern.

Die Themen reichen von Versorgungsstrukturen über Forschung, Zertifizierung und Weiterbildung bis hin zur Digitalisierung. Auch ein "Facharzt für Diabetologie" wird thematisiert.

Handlungsfelder dienen als Kompass für eigene Aktivitäten

Die 22 Autoren wollen bezüglich der Handlungsfelder auch die Politik zum Handeln drängen. Zugleich dient das Papier, wie im Vorwort zu lesen ist, "den verschiedensten Akteuren innerhalb der Diabetologie als Kompass für die Weiterentwicklung der eigenen Aktivitäten".

Zugleich wird das Strategiepapier, das in Auszügen im Folgenden vorgestellt wird, als Ergänzung zum bereits vorhandenen Basispapier für einen Nationalen Diabetesplan in Deutschland gesehen.

1. Versorgungsstrukturen und Zertifizierungen

Diabetes beeinflusst alle Organsysteme. Eine interdisziplinäre, interprofessionelle und sektorenübergreifende Versorgung ist unverzichtbar.
Forderungen:

  • Hausarzt, Schwerpunktpraxis und Klinik  müssen in lokalen und überregionalen Netzwerken zusammenarbeiten, bei klar definierten Behandlungswegen.
  • Digitalisierung und Telemedizin sind stärker zu nutzen.
  • Gute Qualität muss sich in der Honorierung der Leistung widerspiegeln (DRG und EBM).

2. Patienteninformation

Die Patientenschulung soll verbessert werden. Die Patientenperspektive ist bei Schulungen und Informationen stärker zu berücksichtigen.
Forderungen u.a.:

  • Beratungs- und Schulungsberufe müssen bundesweit gemeinsam innovative, modulare und therapiebegleitende Schulungs- und Betreuungskonzepte entwickeln.
  • Angebote müssen am medizinischen Fortschritt orientiert und rasch verfügbar sein.
  • Bündelung der Patientenaktivitäten in einer Bundes-"Diabetes-Selbsthilfeorganisation".

3. Digitalisierung

Auch in der Diabetologie hat die Digitalisierung Einzug gehalten, doch Konzepte zur optimalen Nutzung für den Patienten fehlen in der Regel.
Forderungen:

  • Entwicklung verbindlicher Standards für die Digitalisierung in Klinik und Praxis.
  • Auch bei E-Health ist auf Evidenz zu achten.
  • Fachgesellschaften sollen Kommissionen bilden, die den Datenschutz sichern helfen.
  • Digitalisierung darf nicht zu einer Zwei-Klassen-Medizin führen.
  • Fortbildung zur Digitalisierung.

4. Versorgungsforschung und Register

Studien zur medizinischen Versorgungsrealität fehlen vielfach. Diabetes-Registerstudien und systematische Datensammlungen könnten diese Versorgungslücke schließen. Daten dafür gibt es.
Forderungen:

  • DMP-Daten zu Diabetes Typ 1 und Typ 2 in bundesweitem Register vereinen.
  • Dezentrale Diabetes-Register vernetzen, um Aussagen zu Prävalenz, Versorgung, Krankheitslast, Komplikationen zu erhalten.
  • Kooperation von Universität und Praxis
  • Themenregister fördern (z.B. diab. Fuß).

5. Nachwuchsförderung und -gewinnung

Der Bedarf bezüglich Diabetes gut ausgebildeter Therapeuten – Ärzten, Pfleger, Psychologen – wächst mit dem Versorgungsbedarf.
Forderungen:

  • Diabetologie standardmäßig im Medizinstudium als 15. Querschnittsfach verankern.
  • Bundesländer und Bund müssen dafür sorgen, dass die Zahl der Lehrstühle für Dia­betologie und Stoffwechsel in der Inneren und der Allgemeinmedizin steigt.
  • Nachwuchs braucht klare Perspektiven: "Facharzt für Diabetologie" etablieren. 

6. Weiterbildung

Immer mehr Bildungsträger drängen auf den Markt der Weiterbildung. Die Folge ist ein "Qualifikationswirrwarr".
Forderungen:

  • Weiterbildungsangebote der DDG stärken und Refinanzierung durch Kostenträger sichern; Implementierung in die Weiterbildungsangebote der Kammern.
  • Professionelle Weiterentwicklung von Curricula und Prüfungsordnungen.
  • Qualität der Weiterbildung wird durch DDG-Experten evaluiert und zertifiziert.

7. Interdisziplinäre Diabetologie

Diabetes betrifft nahezu sämtliche Organsysteme. Diabetologen könnten deshalb in der Versorgung eine zentrale Rolle einnehmen.
Forderungen:

  • Der Gesetzgeber schafft die Rahmenbedingungen für eine flächendeckende, interdisziplinär strukturierte diabetologische Versorgung – ambulant und stationär.
  • Etablierung von "Diabetes-Boards" analog zu den bestehenden »Tumor-Boards« in der Onkologie. Evaluierung der DDG-Struktur-Zertifikate mithilfe von IQTIG und G-BA.

8. Facharzt für Diabetologie

Eine einheitliche Weiterbildung für die Diabtelogie fehlt, auch eine Zusatzqualifikation mit Teilgebietsstandard.
Forderungen:

  • Der "Facharzt für Diabetologie" muss als eigenständige Zusatzweiterbildung auf Teilgebietsniveau etabliert werden. Zu verankern ist dies in der Musterweiterbildungsordnung der BÄK. Landesärztekammern übernehmen diese Regelungen einheitlich. Die Teilgebietsbezeichnung kann über die Fächer Innere Medizin, Allgemeinmedizin und Pädiatrie erworben werden.

9. Grundlagenforschung

Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung kommen noch nicht schnell genug in der Praxis an.
Forderungen:

  • Die Interaktion zwischen Forschern und klinischen Anwendern ist zu verbessern.
  • Der Bund soll erfolgreiche Forschungsstrukturen erhalten und ausbauen.
  • Forschungsstrukturen sind zu begutachten. Sie müssen eine hohe Transparenz und Flexibilität vorweisen.
  • Für wiss. Nachwuchs sind gute Rahmen- und Karrierebedingungen zu schaffen.

10. Primärprävention und Früherkennung

Die Erkrankung an Diabetes Typ 2 ist zum großen Teil durch den Lebensstil bedingt. Den Risikofaktoren ist entgegenzuwirken.
Forderungen:

  • Täglich mindestens eine Stunde Sport in Kita und Schule.
  • Zucker-/Fett-/Salzsteuer für adipogene Lebensmittel. Klare Nährwertkennzeichnung.
  • Verbindliche Qualitätsstandards für Kita- und Schulverpflegung.
  • Verbot von an Kinder gerichteter Werbung.
  • Risiko-Patienten identifizieren (Screening).

 

 

Gemeinsames Ziel vieler Beteiligter

Das Strategiepapier wurde von der Deutschen Diabetes Gesellschaft erarbeitet in Zusammenarbeit mit diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe, dem Bundesverband der Niedergelassenen Diabetologen (BVND), dem Bundesverband der Diabetologen in den Kliniken (BVDK), dem Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe (VDBD), der Patientenorganisation Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M) und dem Wissenschaftlichen Institut der niedergelassenen Diabetologen (winDiab). Das Papier stellt eine wichtige Ergänzung zum Basispapier für einen Nationalen Diabetes-Plan dar.



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