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Transition – Hilfe beim Übergang zum Erwachsenwerden

Berliner Projekt unterstützt junge Menschen mit chronischen Erkrankungen

Die Probleme sind für die jungen Erwachsenen vielfältig, wie Professor Dr. phil. Dipl.-Psych. Bernhard Kulzer, Bad Mergentheim, im Vorfeld der Diabetes Herbsttagung gegenüber Journalisten deutlich machte. Berufliche Ausbildung, Ortswechsel, der Auszug aus dem Elterhaus, neue Freundschaften, neue Beziehungen – das alles erschwert nicht nur die Therapie, es lässt diese auch nicht mehr so wichtig erscheinen.

Hinzu kommt, dass der seit Jahren betreuende Kinderarzt jetzt nicht mehr zuständig ist und ein erfahrener Hausarzt des Vertrauens erst gesucht und gefunden werden muss.

Junge Erwachsene sind eine besondere Risikogruppe

"Daher sind junge Erwachsene hinsichtlich der Kontinuität der diabetologischen Behandlung, der Ergebnisse der glykämischen Kontrolle, Akutkomplikationen, aber auch Risikofaktoren für die Entwicklung von Folgeerkrankungen eine besondere diabetologische Risikogruppe", so der Vorsitzende der DDG-Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Psychologie.

Hinzu kommen altersgemäße Verhaltensweisen, die ebenfalls ein Risiko darstellen, wie Alkohol- und Drogenkonsum oder Extremsportarten mit hohem Gefährdungspotenzial. Fakt ist jedenfalls: Die neuen Lebenswelten erschweren die Diabetestherapie.

Prof. Kulzer gab an, dass in Deutschland bei jungen Menschen schon ab dem zehnten Lebensjahr in der Regel nicht mehr die von Diabetologen empfohlene obere Grenze des HbA1c von 7,5 % erreicht wird, sondern erst wieder ab dem 26. Lebensjahr. "Je weniger Heimathafen, desto schlechter sind die HbA1c-Werte", so Prof. Kulzer.

Schon ein Jahr vor dem Übergang Begleitung anbieten

Junge Erwachsene hätten somit nicht nur ein deutlich erhöhtes Risiko für schwere Unterzuckerungen und lebensbedrohliche Ketoazidosen, sondern auch für Depressionen. Diese kämen bei Menschen mit Diabetes etwa doppelt so häufig vor wie in der Allgemeinbevölkerung.

In den USA regen die Amerikanische Diabetes-Gesellschaft (ADA) und führende pädiatrische Organisationen in einem Positionspapier an, bereits ein Jahr vor dem Übergang vom Jugend- zum Erwachsenenalter (Transition) die jungen Patienten und ihre Eltern auf die neue Lebensphase vorzubereiten. Empfohlen werden sog. Transitions-Manager, die den Prozess begleiten.

In diesem Sinne agiert auch das "Berliner TranstionsProgramm". Vorstandsvorsitzende Dr. Silvia Müther berichtete darüber, dass derzeit 200 junge Patienten mit verschiedenen chronischen Erkrankungen betreut werden, davon sind 79 junge Menschen mit Diabetes mellitus Typ 1. 130 haben bereits das Programm abgeschlossen.

Im Zentrum des Programms steht die Betreuung durch ausgebildete Case Manager. Sie rufen z.B. die jungen Menschen an, erinnern sie an wichtige Termine, geben aber auch Rat in Lebensfragen, zu Ausbildung, Krankenversicherung oder BAföG. Grundlage ist ein "Fahrplan für die Zeit der Transition", wie Dr. Müther erklärt.

Die Case Manager agieren von Berlin aus, das Programm ist jedoch inzwischen bundesweit geöffnet. Vier Krankenkassen unterstützen die chronisch kranken Patienten generell, zehn weitere treffen Einzelfallentscheidungen.

 

Arztwechsel

Mehr als sechs Millionen Menschen sind in Deutschland an Diabetes mellitus erkrankt. 300 000 von ihnen haben Diabetes Typ 1, darunter 17 500 Kinder im Alter von 0 bis 14 Jahre und ca. 13 000 Jugendliche im Alter bis 19 Jahre. Jährlich müssen sich ca. 1 500 Jugendliche nach dem 18. Geburtstag einen neuen Arzt suchen, denn der Pädiater ist dann nicht mehr zuständig.



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