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Mit gutem Beispiel voran

In Chile warnt ein intelligentes Kennzeichnungssystem Verbraucher direkt vor ungesunden Lebensmitteln

Rund 60 Prozent der Chilenen sind übergewichtig, jeder vierte ist sogar adipös. Bei den Kindern unter sechs Jahren ist gut ein Zehntel fettleibig. Die chilenische Regierung hat nun die Notbremse gezogen: Jedes verarbeitete Nahrungsmittel, das die festgelegten Grenzwerte von Kilokalorien, Natrium (Salz, Additive), Zucker (Honig, Zucker, Sirup) bzw. gesättigten Fettsäuren überschreitet, wird mit einem gesetzlich vorgeschriebenen Warnsignal versehen. Die Grenzwerte zählen zu den strengsten weltweit.

Auch in Sachen Lebensmittelwerbung greift Chile zu drastischen Änderungen: Die betroffenen Nahrungsmittel dürfen in keiner Weise für Kinder unter 14 Jahren beworben werden: Tabu ist alles, was die Aufmerksamkeit von Kindern weckt: Comic-Helden, Cartoons, Kinderstars, integriertes Spielzeug oder Sticker, Kindermusik und Tiere.

Kinder werden unter besonderen Schutz gestellt

So wurde unter anderem kurzerhand der Verkauf von Überraschungseiern und des sogenannten "Happy Meals" von McDonald’s gestoppt.

Genauso wenig dürfen entsprechende Nahrungsmittel auf Webseiten oder während Fernsehsendungen beworben werden, die für diese Altersgruppe ausgelegt sind. Generell gilt ein Verbot der Werbung dieser Produkte im Fernsehen zwischen 6:00 Uhr morgens und 22:00 Uhr abends. Auch der Verkauf dieser Produkte in Schulen und in Kinderhorten ist strengstens untersagt. Bei Zuwiderhandlungen drohen finanzielle Strafen und die Konfiszierung der Ware.

"Das ist ein intelligentes System", kommentiert Dr. Dietrich Garlichs, Geschäftsführer der DDG. "Damit wird auch das Problem einer Lebensmittelampel umgangen, die bei Unterschreiten bestimmter Höchstmengen grünes Licht gibt, obwohl das Lebensmittel gar nicht besonders gesund sein muss."

Einer Umfrage des chilenischen Marktforschungsinstituts Insitu (www.insituchile.cl) im August dieses Jahres zufolge hat das neue Kennzeichnungssystem bereits Wirkung. 41 % der rund 400 erwachsenen Befragten gaben an, dass sie ihre Ernährungsgewohnheiten geändert hätten. Fast die Hälfte von ihnen hat den Konsum der gekennzeichneten Produkte reduziert, 14 % haben die Produkte sogar ganz von ihrem Speiseplan verbannt.

Und mit welchen Strategien stellt sich das südamerikanische Land der Fettleibigkeit noch entgegen?

  • Öffentliche Interventionen über soziale Verbände und Organisationen
  • Multidisziplinäre und individuelle Primärversorgung
  • Medienkampagnen
  • Stillkampagnen und öffentliche Unterstützung stillender Mütter
  • Offizielle Ernährungsempfehlungen

Bereits im Jahr 2014 hat die chilenische Regierung ein Gesetz verabschiedet, das Getränke je nach Zuckergehalt pro Milliliter extra versteuert. Auch hier hatte die Regierung guten Grund: Die Chilenen lagen in puncto Konsum zuckerhaltiger Getränke weltweit mit Abstand auf Platz 1.

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