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"Bitte machen Sie Ernst mit der Prävention!"

Breites Bündnis fordert Regierung zum Handeln auf

Unterstützt wird das vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), von der DDG und der Verbraucherorganisation foodwatch initiierte Schreiben von zahlreichen medizinischen Fachgesellschaften sowie von der Techniker Krankenkasse und dem AOK-Bundesverband. "Wir haben keine Geduld mehr", kommentierte BVKJ-Präsident Dr. Thomas Fischbach die Forderung an die Politiker.

Anhand von Zahlen machen die Autoren des offenen Briefs die Entwicklung zu einer inzwischen "globalen Adipositas-Epidemie" deutlich. Im Vergleich zu den 1980er- und 1990er-Jahren habe in Deutschland der Anteil übergewichtiger Kinder um 50 % zugenommen, der Anteil adipöser Kinder habe sich sogar verdoppelt.

"Eine unausgewogene Ernährung, die häufig bereits im Kindesalter erlernt wird, ist einer der Gründe für diese besorgniserregende Entwicklung", heißt es im Brief.

Maßnahmen in anderen Ländern zeigen Wirkung

Die Autoren verweisen darauf, dass weltweit Länder und Gemeinden Sonderabgaben oder -steuern für gesüßte Getränke eingeführt oder deren Einführung angekündigt haben. Dies zeige Wirkung, Hersteller minderten den Zuckergehalt und auch der Konsum der betroffenen Produkte gehe zurück.

Die Ärzte und ihre Unterstützer fordern deshalb von der Bundesregierung konkret:

  • eine verständliche Lebensmittelkennzeichnung in Form einer Nährwert-Ampel
  • Beschränkungen der an Kinder gerichteten Lebensmittelwerbung
  • verbindliche Standards für die Schul- und Kitaverpflegung sowie
  • steuerliche Anreize für die Lebensmittelindustrie, gesündere Rezepturen zu entwickeln

"Diese Maßnahmen erfordern keine große Bürokratie, aber wir hätten die Chance, die Adipositas-Welle aufzuhalten und umzukehren", ist Dr. Dietrich Garlichs, Beauftragter des Vorstands der DDG, überzeugt. "Den Tsunami der Lebensstilerkrankungen kann man nicht mit kosmetischen Maßnahmen stoppen."

Nicht nur auf Freiwilligkeit der Industrie setzen

Die Bundesregierung hat bereits eine "nationale Strategie für die Reformulierung von Lebensmitteln" angekündigt. Vom Effekt zeigen sich die Autoren allerdings nicht überzeugt, da bei der Umsetzung letztlich auf Freiwilligkeit der Industrie gesetzt wird.

Zudem lehnt die neue Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner (CDU), wie schon ihr Amtsvorgänger Christian Schmidt (CSU) Steueränderungen und die Nährwert-Ampel ab.

Der nachdrückliche Appell der Ärzte und Unterstützer an die Regierung und die Minister bleibt damit: "Bitte machen Sie Ernst mit der Prävention von Adipositas, Typ-2-Diabetes und anderen chronischen Krankheiten!"

Pressekonferenz von DDG, BVKJ und foodwatch

Auszug aus dem Brief an das Kabinett und die Parteichefs:

"Bitte ziehen Sie Sonderabgaben/-steuern für gesüßte Getränke und Beschränkungen der an Kinder gerichteten Werbung für Lebensmittel mit einem unausgewogenen Nährstoffprofil in Betracht. Dabei sollten die Einnahmen einer Sonderabgabe oder -steuer für gesüßte Getränke eins zu eins der Förderung gesunder Ernährung beziehungsweise der Prävention chronischer Krankheiten zugutekommen – beispielsweise in Form von Steuersenkungen für ausgewogene Lebensmittel."

bit.ly/2uYhQeD

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