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Vereint dem Übergewicht der 4- bis 12-Jährigen entgegenwirken

Mit einem ganzheitlichen Konzept will Leipzig die Kindergesundheit fördern

Leipzig-Grünau – einst die größte Plattenbausiedlung der DDR – gilt als sozialer Brennpunkt der sächsischen Großstadt, was sich auch in der Gesundheit der Heranwachsenden widerspiegelt. Daten der Schulaufnahmeuntersuchungen sowie von Kinder- und Jugendärzten ergaben einen deutlich höheren Anteil an übergewichtigen Kindern (12,1 % gegenüber 4,1 % in gut situierten Wohnvierteln) sowie eine auffällige Grobmotorik (17,9 % gegenüber 10,1 %).

Adipositas soll schon im frühen Alter entgegengewirkt werden

Um das zu ändern, haben das städtische Gesundheitsamt, die Kinderklinik der Universität Leipzig, die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur sowie die AOK gemeinsam ein auf fünf Jahre (2015–2019) angelegtes Projekt initiiert, das zu einer nachhaltigen Verbesserung der Kindergesundheit führen soll. Zielgruppe sind Heranwachsende zwischen vier und zwölf Jahren. Die Kosten von 850 000 Euro werden hauptsächlich von der AOK PLUS sowie anteilig von der IKK Classic und der Knappschaft getragen.

"Im Gegensatz zur Verhaltensprävention zielt der Ansatz unseres Projekts darauf ab, Lebensbedingungen so zu gestalten, dass sie der Entwicklung der Adipositas in den frühen Lebensaltern entgegenwirken oder diese gänzlich verhindern", erläutert Professor Dr. Wieland Kieß von der Kinderklinik des Universitätsklinikums Leipzig.

Im Stadtteil Grünau wurden daher zum Beispiel Schulwege unter Beteiligung der Kinder und Jugendlichen so umgestaltet, dass es jetzt möglich ist, gefahrlos zu Fuß zu gehen oder Fahrrad zu fahren.

Eltern werden an gemeinsame Familienmahlzeiten erinnert

Auch im Wohnumfeld wurden Veränderungen vorgenommen, die zu mehr körperlicher Bewegung und spielerischer Betätigung anregen sollen. Darüber hinaus veranstaltet das Projekt zweimal im Jahr mit Unterstützung von Ernährungswissenschaftlerinnen Aktionstage zur gesunden Ernährung, die sich direkt an die Vorschulkinder richten.

Die Eltern wiederum werden über Plakataushänge im öffentlichen Raum beispielsweise darüber informiert, wie wichtig gemeinsame Familienmahlzeiten sind, und sie erhalten Spielanregungen.

"Das Stadtteilprojekt will Verhältnisprävention unter Einbeziehung aller Bewohner eines städtischen Siedlungsraums leisten", so Prof. Kieß. Dies geschieht z.B. durch die Möglichkeit, an einem Gesundheitsnetzwerk mitzuwirken, das unter anderem Fußballturniere und Familiengesundheitstage organisiert.

"Partner des Netzwerks sind Fachkräfte aus den Bildungs- und Freizeiteinrichtungen, den medizinischen Versorgungsdiensten, dem Forschungsprojekt "Grünau bewegt sich", dem Quartiersmanagement und der Stadtverwaltung sowie Bürgerinnen und Bürger, die sich für Kindergesundheit engagieren", so die Projektkoordinatorin Ruth Gausche.

Mit an Bord sind auch niedergelassene Kinderärzte

Auch niedergelassene Kinderärzte beteiligen sich an dem Projekt, indem sie kontinuierlich Daten über die Körpergrößen- und Gewichtsentwicklung, BMI und Blutdruck ihrer Patienten sammeln und Familien beraten, deren Kinder eine auffällige Gewichtszunahme zeigen.

Eine systematische und umfassende Dokumentation und wissenschaftliche Auswertung soll die Übertragbarkeit des Projekts auf andere Kommunen gewährleisten.
 


Ein Stadtteil wird mobilisiert

"Grünau bewegt sich" ist ein Gemeinschaftsprojekt der Stadt Leipzig, der Universität und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin, der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur sowie der AOK PLUS. Ziel ist es, gemeinsam mit Bürgern und niedergelassenen Ärzten die Entwicklung von Übergewicht u.a. durch sportliche Aktivitäten bei Kindern und Jugendlichen zu bremsen oder zu verhindern. Laufen wird das Projekt über fünf Jahre (2015–2019). Die Kosten belaufen sich auf 850 000 Euro. Die Evaluierung soll eine Übertragbarkeit auf andere bundesdeutsche Städte überprüfen.

 

www.gruenau-bewegt-sich.de

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