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Füllige Kinder: Risikofaktor für Typ-1-Diabetes

Übergewichtige Mädchen sind besonders gefährdet

Welche Rolle spielt das Gewicht bzw. Adipositas in Bezug auf das Risiko für Typ-1-Diabetes? Hierzu gibt es widersprüchliche Studiendaten – wobei in den meisten Studien der BMI nur an einem einzigen Zeitpunkt vor der Diabetesdiagnose erfasst wurde. Zudem wurde der Einfluss von Geschlecht und Alter bisher kaum untersucht.

Welchen Effekt hat ein anhaltend erhöhter BMI?

US-Wissenschaftler analysierten deshalb die Daten von 1117 Kindern und Jugendlichen der TrialNet Pathway to Prevention(PTP)-Kohorte (AK-positive Angehörige von Patienten mit Typ-1-Diabetes). Bei der ersten BMI-Ermittlung waren die Teilnehmer zwischen zwei und 18 Jahre alt, bis zum 20. Lebensjahr erfolgten mindestens zwei BMI-Messungen. Bei jedem Kontrolltermin unterzogen sich die Probanden einem oralen Glukosetoleranztest und einer HbA1c-Messung.

Ein langfristig akkumulierter BMI über der 85. alters- und geschlechtsadjustierten Perzentile diente als Basis für die Berechnung des "kumulativen Exzess-BMI"(ceBMI)-Indexes. Die Forscher ermittelten geschlechts- und altersspezifische ceBMI-Schwellenwerte für das höchste Typ-1-Diabetes-Risiko.

Bei einem Fünftel der Kinder manifestierte sich ein Diabetes

20 % der untersuchten Kinder entwickelten einen Diabetes. Bei der ersten BMI-Messung waren 14 % der Teilnehmer übergewichtig (BMI ? 85. bis < 95. Perzentile) und 11 % adipös (? 95. Perzentile). Der ceBMI variierte zwischen -10 und +15,1 kg/m2. Fast 25 % der Kinder und Jugendlichen hatten ceBMI-Werte ? 0 kg/m2, was einem anhaltenden Exzess-BMI entspricht (oberhalb der Schwellenwerte für Übergewicht/Adipositas der Centers for Disease Control and Prevention).

Ein höherer ceBMI war mit einem signifikant erhöhten Risiko für Typ-1-Diabetes assoziiert. Jede Erhöhung des ceBMI um 1 kg/m2 ging mit einer Zunahme des relativen Risikos für Typ-1-Diabetes um 6,3 % einher. Kinder und Jugendliche, die dauerhaft übergewichtig oder adipös waren (ceBMI ? 0), hatten ein um 63 % erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Typ-1-Diabetes, adjustiert für Alter, Geschlecht und Anzahl der Antikörper.

Insgesamt zeigten Jungen einen deutlich höheren ceBMI-Diabetesrisiko-Schwellenwert, der die Progredienz zu einem Typ-1-Diabetes beeinflusste, als Mädchen. Dies weist darauf hin, dass sich ein erhöhter BMI bei Mädchen stärker auf das Diabetesrisiko auswirkt als bei Jungen.

Der Erkrankungsbeginn lässt sich hinauszögern

Die Daten weisen darauf hin, dass Lebensstilmodifikationen in einer Risikopopulation den Krankheitsbeginn hinauszögern können, und sie sprechen für alters- und geschlechtsspezifische ceBMI-Schwellenwerte zur Implementierung solcher Maßnahmen.

Ferrara CT et al. Diabetes Care 2017; online first

Höheres Risiko für Jüngere

Das Alter zu Beginn der Studie (erste BMI-Messung) war ein signifikanter unabhängiger Risikofaktor für die Entwicklung eines Typ-1-Diabetes. Der ceBMI-Schwellenwert für das Diabetesrisiko war bei Kindern unter zwölf Jahren unabhängig vom Geschlecht niedriger (-1,4 kg/m2) als bei älteren Kindern (+4,6 kg/m2). Bei jüngeren Kindern wird demnach bereits bei niedrigeren dauerhaften Exzess-BMI-Werten ein erhöhtes Risiko für Typ-1-Diabetes beobachtet.

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