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Süßes Influencer-Marketing stoppen!

foodwatch: Politik sichert Absatzmärkte statt Gesundheitsschutz

Auf dem Cover des neuen "Coca-Cola-Report" ist der "Marlboro-Mann" abgebildet. Denn foodwatch zieht Pa­rallelen vom Getränkehersteller zur Tabak-Lobby: Der Weltmarktführer für Zuckergetränke nehme mit millionenschweren Marketingkampagnen im Internet und im Fernsehen bewusst Kinder und Jugendliche als Zielgruppe ins Visier, so foodwatch Deutschland.

Gleichzeitig versuche der Konzern durch gezielte Lobbyarbeit wirksame Regulierungen wie Werbeverbote oder Sondersteuern zu torpedieren. Versucht werde, mit gekauften Wissenschaftlern Zweifel an der Schädlichkeit von zuckerhaltigen Getränken zu säen.

Deutschland liegt beim Zuckerkonsum ganz vorne

Oliver Huizinga, Leiter Recherche und Kampagnen bei foodwatch Deutschland, sagte, dass Deutschland bei Zuckergetränken mit 84 Litern pro Kopf und Jahr zu den Ländern mit dem höchsten Konsum zählt. 14- bis 17-Jährige seien mit 500 ml pro Tag Hochverzehrer. Die amerikanische Herzgesellschaft empfehle maximal 240 ml.

Zur Pressekonferenz hatte foodwatch verschiedene Getränke des Herstellers mit der jeweils zugesetzten Zuckermenge in Würfelzuckerform platziert. 18,5 Stück Zucker entsprechen dem von der WHO angegebenen täglichen Maximalzuckerverbrauch pro Erwachsenem von 50 g. Das heißt, mit einer Dose Energydrink (18,5 Stück Zucker) ist diese Menge bereits erreicht. 45,5 Stück Zucker enthält gar eine große Flasche Sprite.

Konzerne mitverantwortlich für ernährungsbedingte Erkrankungen

Für Huizinga ist Coca-Cola mitverantwortlich für die Epidemie ernährungsbedingter Erkrankungen weltweit. Wissenschaftliche Studien hätten die Zusammenhänge zwischen unausgewogener Ernährungsweise, Fettleibigkeit und Typ-2-Dia­betes bewiesen.

In Deutschland sind mehr als 6,7 Mio. Menschen an Dia­betes Typ 2 erkrankt. "Daraus entsteht nicht nur millionenfach physisches und psychisches Leid bei den Betroffenen, sondern auch ein erheblicher volkswirtschaftlicher Schaden", so Huizinga. Die gesamtgesellschaftlichen (direkte und indirekte) Kosten bezifferte er bei Adipositas auf 63 Mrd. Euro und bei Diabetes auf 35 Mrd. Euro.

"Zuckergebrauch ist die neue Zigarette und somit eines der größten Risiken für unsere Gesundheit", mahnte foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker. Es handele sich nicht um ein Luxusproblem, äußerte er mit Hinweis auf Folgeerkrankungen.

"Niemand hat Interesse, Zucker oder Coca-Cola zu verbieten, aber Fanta, Cola usw. sind keine Durstlöscher", stellte er klar. Hier sei eine dringende Imagekorrektur nötig. Kritik übte Rücker auch an "Selbstverpflichtungen der Industrie, die das Papier nicht wert sind", sowie Bewegungs-Kampagnen und irreführende Nährwertkennzeichnungen.

Ob Ministerin Klöckner diesen Konflikt ausgleichen kann?

foodwatch fordert von Coca-Cola ein Ende des Kinder-Marketings und des Influencer-Marketings auf Youtube und Instagram. Die Regierung müsse Hersteller stark überzuckerter Getränke zudem verpflichten, eine Abgabe zu zahlen – wie in Großbritannien, Frankreich, Irland, Belgien oder Mexiko.

Unterstützung kommt durch die Deutsche Adipositas-Gesellschaft, die Deutsche Dia­betes Gesellschaft und diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe.

Die Experten unisono: "Zu den Aufgaben unserer neuen Ernährungsministerin Frau Klöckner gehört nicht nur die Sicherung der Absatzmärkte der Ernährungswirtschaft, sondern auch der gesundheitliche Verbraucherschutz. Wir sind gespannt, ob es Frau Klöckner gelingt, diesen Interessenskonflikt so auszugleichen, dass die Ernährungswirtschaft zukünftig weniger Teil des Problems ist, sondern Teil der Lösung wird – und so zum Schutz der Gesundheit unserer Kinder beitragen kann."

foodwatch-Pressekonferenz

Zur foodwatch-Kampagne: bit.ly/2GU4Qwd

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