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DDG-Präsidenten appellieren, den Nutzen für Patienten zu sehen

In einem Brief an Entscheider kritisieren sie die Auswirkungen des AMNOG

DDG-Präsident Professor Dr. Baptist Gallwitz und DDG-Vizepräsident Professor Dr. Dirk Müller-Wieland haben die Sorge, dass demnächst viele Menschen mit Typ-2-Diabetes auf ihre gewohnten Medikamente verzichten müssen, sollten die Preisverhandlungen im Rahmen des Arzneimittelmarktneuordnungsgesetzes (AMNOG) für die Präparate aus der Gruppe der DPP4-Hemmer scheitern und diese dann von den Herstellern vom deutschen Markt genommen werden.

Die Medikamente hätten sich seit zehn Jahren in der Praxis bewährt, betonen sie in ihrem Brief an Bundesgesundheitsminister Gröhe, die Bundestagsabgeordneten im Gesundheitsausschuss, den Vorsitzenden des Gemeinsamen Bundesausschusses, die Krankenkassen, den GKV-Spitzenverband und die Hersteller von Saxagliptin und Sitagliptin.

Patienten profitieren doch von der Fixdosiskombination

Bei der im Dezember 2016 erfolgten Nutzenbewertung im Rahmen des AMNOG wurde nur Sitagliptin als Monopräparat ein geringer Zusatznutzen vom Gemeinsamen Bundesausschuss zugesprochen. Saxaglip-tin und den Fixdosiskombinationen der DPP4-Hemmer mit Metformin wurde kein Zusatznutzen attestiert.

"Die negative Entscheidung zu den Fixdosiskombinationen hat vor allem formale, nicht aber wichtige medizinische Gründe", schreiben die DDG-Präsidenten. "Patienten profitieren jedoch von einer Fixdosiskombination, da sich hierdurch die täglich eingenommene Tablettenzahl verringert, sich daher die Einnahmezuverlässigkeit verbessert und Rezeptgebühren nicht doppelt anfallen."

Rezeptumstellung würde viel teurer werden

Eine Therapieumstellung sei eventuell mit teureren Präparaten und Injektionen verbunden, "denn es wird in der medizinischen Praxis nicht auf die zweckmäßige Vergleichstherapie umgestellt werden". Es bedürfe Patientenschulungen sowie häufigeren Stoffwechselkontrollen in der Umstellungsphase.

Bei einer Umstellung auf Insulin könnten auch die Verkehrstauglichkeit oder die Berufsausübung in der Einstellungsphase eingeschränkt sein. Prof. Gallwitz und Prof. Müller-Wieland kritisieren, dass bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes mellitus die Nutzenbewertung nach AMNOG den internationalen Entwicklungen und den entsprechenden Leitlinien oft nicht gerecht werde.

Bewertungen z.T. "inkonsistent und nicht immer umfassend"

Die Beurteilungen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) seien "zum Teil inkonsistent und nicht immer umfassend", heißt es im Schreiben. Bisher sei nur vier von 18 neuen Diabetes-Präparaten ein Zusatznutzen bescheinigt worden. Sechs Arzneimittel seien in Deutschland nicht mehr auf dem Markt. 

Die DDG-Spitze fordert alle Beteiligten und die Politiker auf, sich dafür einzusetzen, "dass wirksame und sichere Therapiekonzepte weiterhin in Deutschland verfügbar bleiben und es nicht zu Rückschlägen in der Versorgung kommt". Ihr Appell: "Bitte plädieren Sie an die Verhandler (GKV-Spitzenverband und pharmazeutische Unternehmer), bei den vertraulichen Entscheidungsfindungen Augenmaß zu behalten!"

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