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Niedriges HbA1c im Saarland, hohe Hypo-Rate in Mecklenburg-Vorpommern

Aktuelle Analyse der DIVE- und DPV-Registerdaten zeigt starke regionale Therapieunterschiede auf

Um Unterschiede im Hinblick auf kardiovaskuläre Risikofaktoren, Komorbiditäten, Therapiestrategien und Behandlungsergebnisse getrennt nach den deutschen Bundesländern zu untersuchen, wurden die DIVE- und DPV-Registerdaten der Jahre 2014 bis 2016 untersucht. Das entspricht den Daten von 127 838 erwachsenen Patienten mit Typ-2-Dia­betes.

Dabei wurde im Saarland das niedrigste mittlere HbA1c (6,70 %; 6,63–6,78 %) und in Sachsen-Anhalt das höchste mittlere HbA1c (8,25 %; 8,17–8,32 %) dokumentiert. Die höchste Rate an hypoglykämischen Ereignissen konnte in Mecklenburg-Vorpommern (4,7 %; 3,9–5,7 %), die niedrigste in Thüringen (0,9 %; 0,2–3,4 %) festgestellt werden. In allen Bundesländern waren mehr als 80 % der Patienten übergewichtig.

Viele Faktoren könnten Variabilität verursachen

Eine antidiabetische Behandlung mit Metformin und Sulfonylharnstoff kam bei 36,4–53,3 % der Patienten zum Einsatz. Eine Therapie mit DPP4-Hemmern, SGLT2-Inhibitoren und GLP1-Analoga wurde häufiger in Mecklenburg-Vorpommern (40,0 %; 37,8–42,1 %) und seltener in Rheinland-Pfalz (13,6 %; 13,0–14,2 %) gewählt.

Insulin alleine oder in Kombination wurde häufiger in Mecklenburg Vorpommern (78,2 %; 76,4–80,0 %) und seltener in Thüringen verwendet (26,0 %; 20,1–32,9 %). Nicht-pharmakologische Maßnahmen alleine wurden für 6,2–36,1 % der Patienten berichtet.

Ursächlich könnten auf individueller Ebene bei der Behandlungsplanung und den Therapieerfolgen das Diabetesprofil des einzelnen Patienten, der genetische Hintergrund sowie die Compliance zu therapeutischen Interventionen eine Rolle spielen. Hinzu kommen Unterschiede in der Bevölkerung der einzelnen Bundesländer.

Regionale Unterschiede sollen minimiert werden

Bekannt ist, dass der Versicherungsstatus, die Erstattungspolitik und große Unterschiede bei den Gesundheitsausgaben für Diabetes in den verschiedenen Regionen (in Analogie zu Europa) zu den regionalen Variationen der Ergebnisse beitragen.

In den Bundesländern ist die Therapie des Diabetes mellitus Typ 2 sehr heterogen. Folglich variieren auch die Ergebnisse bzw. Erfolge. Diese Auswertung zeigt die Notwendigkeit einer Diskussion, wie das Diabetesmanagement in den einzelnen Bundesländern in Deutschland verbessert werden kann, um regionale Unterschiede zu minimieren.

Prof. Dr. Peter Bramlage und Prof. Dr. Reinhard Holl

www.dive-register.de
www.d-p-v.eu

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