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Nasenspray statt Spritze

Einfache, sichere und schnelle Applikation von Glukagon bei Hypoglykämie

Menschen mit Typ-1-Diabetes, die im Falle einer schweren Hypoglykämie auf Fremdhilfe angewiesen sind, müssen sich derzeit darauf verlassen, dass entweder schnell ein Notarzt gerufen wird oder dass ein beherzter Helfer sich zutraut, mit einem Hypokit für die intramuskuläre Injektion von Glukagon selbst einzugreifen.

Viele fehlerträchtige Einzelschritte

Sofern ein solches Hypokit tatsächlich in Reichweite ist, schreckt es Anwender oft ab durch die vielen erforderlichen Einzelschritte, bis das rettende Hormon tatsächlich in die Blutbahn gelangt. "Viel zu kompliziert und zudem fehlerträchtig", lautete das Urteil von Professor Dr. Jennifer Sherr, Pädiaterin an der Yale School of Medicine, "es gibt daher dringenden Bedarf für ein besseres Glukagon-Produkt."

Wirksamkeit und Sicherheit in Studien getestet

Daher werden Hoffnungen auf nasal verabreichtes Glukagon gesetzt. Noch ist ein solches Medikament nicht zugelassen. Es zeigt jedoch Vorteile gegenüber dem klassischen Hypokit: Es muss nicht gekühlt gelagert werden, kommt ohne Injektionsnadel aus, ist ohne Anmischen sofort einsatzbereit. Es lässt sich als Einmaldosis leicht mitführen und erfordert kein aktives Inhalieren oder tiefes Einatmen.

Prof. Sherr präsentierte die Ergebnisse von Pivot-Studien mit denen die Wirksamkeit und Sicherheit von nasalem Glukagon bei Typ-1-Diabetes nachgewiesen werden sollte. In der Erwachsenen-Studie wurden die Probanden per Insulingabe in eine Hypoglykämie mit einem Blutzuckerwert von unter 60 mg/dl versetzt.

Als erfolgreich galt die Glukagon-Intervention dann, wenn der Blutzuckerwert binnen 30 Minuten nach Verabreichung auf über 70 mg/dl angestiegen war. Bei Kindern wurde eine künstliche Hypoglykämie mit unter 80 mg/dl herbeigeführt; hier sollte die Gabe von Glukagon den Glukosewert binnen 20 Minuten um mindestens 25 mg/dl anheben.

Auch ungeschulte Helfer können das Medikament verabreichen

In der Studie stellte sich heraus, dass das nasal verabreichte Glukagon sehr schnell absorbiert wurde und den Glukosewert ähnlich schnell ansteigen ließ wie intramuskulär injiziertes Glukagon. Eine verschnupfte Nase oder die Anwendung von Schnupfenspray beeinträchtigte die Wirkung des nasalen Notfallmedikaments nicht.

Die typischen Komplikationen einer Glukagongabe wie Übelkeit und Erbrechen traten ähnlich häufig wie bei der Injektion auf. Die Dosis von 3 mg nasalem Glukagon erwies sich als geeignet für alle Altersgruppen. In Simulationsstudien gelang es Ersthelfern bei der nasalen Variante zudem deutlich häufiger, die Notfalldosis erfolgreich zu verabreichen (94 %), während bei der intramuskulären Injektion in beinahe der Hälfte der Fälle aufgrund von Anwendungsfehlern gar keine Dosis verabreicht wurde.

Als weiteren Vorteil des Glukagon-Nasensprays nannte Prof. Sherr die einfache Handhabung: So brauchten geschulte Betreuungspersonen nur 16 Sekunden, um das Notfallmedikament nasal zu verabreichen (Hypokit: 1:53 Minuten) und auch ungeschulte Ersthelfer benötigten nur 26 Sekunden (Hypokit: 2:24 Minuten).

11th International Conference on Advanced Technologies & Treatments for Diabetes (ATTD)

Glukagon i.m.: mit acht Schritten in die Blutbahn

Bei einer schweren Hypoglykämie ihres Kindes werden Eltern oder andere Begleitpersonen schnell panisch. In so einer Situation fällt es ihnen schwer, die vielen Schritte, die zur intramuskulären Injektion von Glukagon mithilfe eines Hypokits erforderlich sind, korrekt durchzuführen:

1. Kappe von der Ampulle entfernen

2. Nadelschutz von der Spritze entfernen

3. Gesamten Inhalt der Spritze in die Ampulle injizieren

4. Sanft schütteln, bis das gesamte Pulver sich aufgelöst hat

5. Prüfen, ob die angemischte Glukagonlösung klar und farblos ist

6. Glukagonlösung in die Spritze aufziehen (dabei Blasenbildung vermeiden)

7. Injektionsort mit Alkoholtupfer desinfizieren, sofern verfügbar

8. Injektion im desinfizierten Areal in einem Winkel von 90°

Kommentare (1)

  • Anke Leyser

    Anke Leyser vor 3 Wochen

    Dieses Spray wäre die Lösung, da sich noch immer Lehrer und Schuldirektoren weigern, die rettende Spritze als lebensrettende Sofortmassnahme zu sehen, sondern die Meinung vertreten, sie dürften keine Medikamente verabreichen. Mit dem Spray wäre auch ein Mitschüler in der Lage, den Klassenkameraden zu retten. Die Hemmschwelle ist bei einem Spray einfach viel geringer als bei einer Spritze. Bei 2 Diabetikerkindern hoffe ich, dass es bald zugelassen wird.

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