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Längere Liegezeiten und höhere Kosten bei Patienten mit Diabetes

Risikoprofil bei unfallchirurgisch-orthopädischen Eingriffen

In einer retrospektiven Studie analysierten Dr. Stefan Pscherer und seine Kollegen vom BG Trauma Center an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen die Daten von insgesamt 17 185 Patienten, die zwischen 2012 und 2015 in der Einrichtung versorgt wurden.

Dabei erfassten sie die Komorbiditäten und die Liegedauer von Patienten mit Diabetes im Vergleich zu jenen ohne. Zwischen den einzelnen Dia­betestypen wurde nicht differenziert. Die resultierenden Kosten ermittelten die Autoren anhand der patientenbezogenen Fallpauschalen aus dem Mittelwert der berechneten Tagessätze.

Der Anteil von Menschen mit Diabetes an der Gesamtzahl der in dem Trauma- und Endoprothetikzen­trum behandelten Patienten lag in der septischen Unfallchirurgie bei 18,86 %, in der Endoprothetik bei 16,52 %  und in der Traumatologie bei 6,85 %. Dabei waren 53 % der Patienten Männer, 47 % Frauen.

Deutlich mehr Komorbiditäten bei Diabetespatienten

Von den Patienten mit Diabetes hatten deutlich mehr Komorbiditäten, die den postoperativen Heilungsverlauf verschlechtern können, als diejenigen ohne Diabetes: So war der Anteil mit Adipositas mehr als dreimal so hoch. Auch von Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, Herzinfarkt, peripherer arterieller Verschlusskrankheit, chronischen Nierenerkrankungen und Hyperlipidämie waren Diabetespatienten zwischen 2,5- und 4,4-mal häufiger betroffen als andere.

Entsprechend fiel die durchschnittliche Liegedauer von Diabetespatienten in allen Fachabteilungen signifikant höher aus als bei Nicht-Diabetikern: Je nach Fachabteilung verzeichneten die Autoren einen Unterschied von 1–2,6 Tagen (13,52 vs. 12,54 Tage in der Endoprothetik, 18,62 vs. 16,31 Tage in der septischen Unfallchirurgie und 9,82 vs. 7,07 Tage in der Traumatologie).

Aufgrund der verlängerten Liegedauer erhöhten sich, bezogen auf die einzelnen Behandlungsfälle, auch die Behandlungskosten: Die zusätzlichen Behandlungskosten lagen in der Endoprothetik bei durchschnittlich 542,92 Euro pro Diabetespatient, in der septischen Unfallchirurgie bereits bei 1097,25 Euro und in der Traumatologie sogar bei 1471,25 Euro.

Begleiterkrankungen verantwortlich für Zusatzkosten

In der Summe hatten Diabetespatienten während des vierjährigen Studienzeitraums in der untersuchten Klinik knapp 2 Mio. Euro zusätzliche Behandlungskosten verursacht. Dabei gingen die Extrakosten vorwiegend auf das Konto der Begleit- und Folgeerkrankungen.

Um den Kostenanstieg in Zukunft auszubremsen, plädieren die Autoren dafür, die pathophysiologischen Vorgänge bei Traumapatienten mit Diabetes besser zu erforschen und Komorbiditäten besser zu berücksichtigen. Dabei setzen sie v.a. auf interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Diabetologen für ein besseres Blutzuckermanagement im perioperativen Setting.

Pscherer S et al. Z Orthop Unfall 2017; 155: 72-76

Sturzneigung und Frakturen bei Diabetes

Nach Auffassung der Studienautoren wird die diabetische Osteopathie oft unterschätzt. Dabei haben Diabetespatienten – auch beeinflusst durch Alter und Körpergewicht – häufig eine schlechtere Knochenqualität als gesunde Menschen. Dadurch sind sie besonders anfällig für Frakturen.

Darüber hinaus sind Menschen mit Diabetes in der Regel anfälliger für Infektionen, deshalb heilen Knochenbrüche meist nur sehr langsam und nicht vollständig. Gleichzeitig erhöhen diabetesbedingte Folgeerkrankungen wie periphere Polyneuropathie sowie mikro- und makrovaskuläre Durchblutungsstörungen die Sturzneigung.

Die Autoren empfehlen daher im Sinne der Prävention, schon frühzeitig und damit möglichst im Vorfeld eines elektiven Eingriffs das Risikoprofil für eine diabetische Osteopathie zu bestimmen und auch den Ernährungsstatus des Patienten zu erheben.

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