Artikelübersicht

Viel hilft viel!

Kardiovaskuläres Outcome bessert sich deutlich bei > 10 % Gewichtsverlust

Bei all den substanziellen Verbesserungen im Stoffwechselprofil – Diät und Training hatten Glukose- und Fettstoffwechsel, Blutdruck und Insulinsensitivität verbessert, um nur einige zu nennen – erscheint es paradox, dass sich am kardiovaskulären Risiko so gar nichts getan hatte. Tatsächlich trat der primäre Endpunkt, die Kombination aus Herztod, nicht tödlichem Myokardinfarkt oder Schlaganfall und Hospitalisierung wegen Angina Pectoris, in der Interventionsgruppe ebenso häufig auf wie in der Kontrollgruppe (1,83 respektive 1,92 Ereignisse pro 100 Patientenjahre).

Die Look AHEAD-Gruppe hat sich die Daten jetzt noch einmal vorgenommen und sie danach analysiert, wie erfolgreich die Intervention beim einzelnen Teilnehmer im ersten Studienjahr gewesen war. Denn wie immer bei Lebensstilmaßnahmen waren die individuellen Ergebnisse sehr unterschiedlich. Für die Gewichtsanalyse blieben 4834 Teilnehmer übrig, nachdem diejenigen ausgeschlossen worden waren, von denen keine Gewichtsmessung vorlag oder die vor der ersten Visite bereits ein CV-Ereignis hatten.

Das kardiovaskuläre Risiko sank um über 20 %

Tatsächlich zeigte sich, dass Probanden, die mehr als 10 % des Ausgangsgewichts abgenommen hatten, sehr wohl profitierten: Ihr kardiovaskuläres Risiko sank signifikant um 21 % (p = 0,034) verglichen mit denen, deren Gewicht stabil geblieben oder gestiegen war.

Dabei machte es keinen Unterschied, ob der Gewichtsverlust aufgrund der Intervention zustande gekommen war oder der Patient zur Kontrollgruppe gehörte. Allerdings hatten die Teilnehmer der Interventionsgruppe naturgemäß bessere Chancen, so viel abzuspecken: Neun von zehn "Stark-Abnehmern" gehörten in diese Gruppe.

Die Ergebnisse in puncto Fitness waren weniger klar

So eindeutig fiel das Ergebnis in puncto Fitness nicht aus. Zwar zeigte sich ein Trend, dass diejenigen mit dem größten Zugewinn an Fitness anschließend kardiovaskulär weniger gefährdet waren. Signifikanz erreichten die Werte jedoch nicht.

Eine Lebensstilintervention zur kardiovaskulären Risikosenkung erfüllt ihren Zweck also doch, wenn sie zu einem substanziellen Gewichtsverlust führt, folgern die Autoren. Look AHEAD zeigt aber auch das Problem dabei: Es haben schlicht zu wenige Teilnehmer eine so starke Gewichtsabnahme erreicht, um das Risiko über die Gesamtpopulation zu senken.

Aus den Ergebnissen lässt sich auch nicht ableiten, dass eine Gewichtsabnahme um mindestens 10 % notwendiger Baustein präventiver Strategien werden sollte, so die Look AHEAD-Gruppe. Zumal ein deutlicher Gewichtsverlust auch negative Folgen verursachen kann, etwa Einbußen bei der Knochenstabilität.

Bessere Instrumente für die Gewichtskontrolle entwickeln

Um die günstigen Effekte der Gewichtsabnahme zu nutzen, sollten die Instrumente verfeinert werden, um Patienten zu identifizieren, die besonders von Lebensstilinterven­tionen profitieren. Außerdem bleibt es zweifellos sinnvoll, bessere Instrumente für die Gewichtskontrolle zu entwickeln.

The Look AHEAD Research Group. Lancet Diabetes Endocrinology 2016; 4: 913-921

 

Look AHEAD: Die Kerndaten

Für Look AHEAD waren vor rund 15 Jahren 5145 Erwachsene mit Typ-2-Diabetes und einem BMI über 25 kg/m2 (über 27 kg/m2, falls unter Insulintherapie) in zwei Gruppen randomisiert worden. Eine Hälfte befolgte intensive Lebensstilmaßnahmen mit Reduktion der Energiezufuhr auf maximal 1800 kcal/Tag und des Fettanteils auf höchstens 30 % sowie 175 min körperlicher Aktivität pro Woche plus Verhaltenstraining. Die Kontrollgruppe erhielt die übliche Diabetesberatung und -schulung. Die Studie wurde vorzeitig nach 9,6 Jahren beendet, weil sich abzeichnete, dass sie erfolglos bleiben würde. Die Interventionsgruppe schnitt zwar bei Gewichts- und Fitnessentwicklung deutlich besser ab, ebenso bei einer Reihe anderer gesundheitlicher Risikofaktoren sowie der Lebensqualität. Beim primären Endpunkt, der Rate kardiovaskulärer Komplikationen, gab es jedoch keinen Unterschied zwischen den Gruppen, wobei anzumerken ist, dass die Rate in der Kontrollgruppe nicht einmal halb so hoch ausfiel wie erwartet (0,7 % statt 3,1 % pro Jahr).

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Kommentar schreiben

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.