Artikelübersicht

Pizza, Fertiggerichte und Kochunlust

Wie aussagekräftig ist der Ernährungsreport 2017 des BMEL?

Koch-Shows, Trenddiäten und Massen von Menschen, die Fotos von ihrem Essen in sozialen Medien teilen – man sollte meinen, die Deutschen kennen sich aus mit Nahrungszubereitung und ausgewogener Ernährung. Doch der Schein trügt, wie der jüngst vorgestellte Ernährungsreport des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) zeigt, für den im November vergangenen Jahres 1000 Bundesbürger zu ihren Koch- und Essgewohnheiten befragt wurden.

Demnach ist 55 % der Befragten eine schnelle und einfache Zubereitung besonders wichtig – ein Plus von 10 %-Punkten gegenüber dem Vorjahr. Insbesondere junge Erwachsene zwischen 19 und 29 Jahren drücken aufs Tempo: 72 % von ihnen wollen nicht viel Zeit fürs Kochen investieren. Nur noch 39 % der Befragten gaben an, täglich selbst zu kochen (minus 2 %-Punkte), 11 % der Befragten kochen überhaupt nicht (minus 1 %-Punkt). Die Frage, ob sie "gern mal eine Tiefkühlpizza" essen, bejahten 41 % (plus 9 %-Punkte).

Keine Antworten auf die wirklichen Probleme

Fleischgerichte stehen mit 53 % besonders hoch im Kurs, gefolgt von Nudeln (38 %), Gemüsegerichten (20 %) und Fisch (16 %). Eine große Mehrheit (87 %) gab außerdem an, sich eine bessere Tierhaltung zu wünschen.

Angesichts der schwindenden eigenen Fähigkeiten am Herd glauben Eltern offenbar kaum noch, dass sie ihren Kindern selbst das Kochen beibringen können: 89 % der Befragten wünschen sich daher die Einführung eines Schulfachs "Ernährung", das ebenso viel Bedeutung wie die klassischen Hauptfächer Deutsch und Mathematik haben soll. Für den Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft Christian Schmidt ist der politische Auftrag klar: Ernährungsbildung in Kitas und Schulen mithilfe diverser eilends gegründeter neuer Institute – ein Bundeszentrum für Ernährung, ein Institut für Kinderernährung und ein Nationales Qualitätszentrum für Kita- und Schulessen – sowie die Einführung eines staatlichen Tierwohl-Labels.

Der DDG gehen diese Schlussfolgerungen des BMEL jedoch nicht weit genug. "Es ist leider enttäuschend, was das Ministerium unter diesem vielversprechenden Titel vorlegt. Der BMEL-Ernährungsreport 2017 dient vor allem dazu, die Lieblingsthemen des Ernährungsministers Schmidt in den Vordergrund zu rücken, etwa das Tierwohlsiegel oder das Unterrichtsfach Ernährung", kritisierte DDG-Geschäftsführer Dr. Dietrich Garlichs. Die wirklichen Probleme unserer heutigen Ernährung, der zu hohe Konsum industriell gefertigter, energiedichter Fertigprodukte und Snacks, würden hingegen nicht behandelt – obwohl dies unstrittig mitverantwortlich für die Übergewichtswelle und damit die Anzahl an Diabeteserkrankungen in Deutschland sei.

Auch wenn aus dem Ernährungsbericht klar hervorgeht, dass die Verbraucher Produktinformationen wichtig finden, fehlt darin jeglicher Hinweis auf das Thema einer klaren Lebensmittelkennzeichnung, etwa nach dem Ampelsystem auf der Verpackung, wie sie von den meisten Experten gefordert wird.

Ernährungsminister Schmidt hingegen kündigt lediglich eine "Reformulierungsstrategie" an, mit der er die Höchstgehalte von Salz, Zucker und Fett in Lebensmitteln reduzieren will.

Deutliche Kritik an der Methodik

Zum anderen kritisiert die Fachgesellschaft die Methodik der Befragung, die dem Ernährungsreport zugrunde liegt:

"Es gibt keine Informationen zur Umfragemethode, die Darstellung der Ergebnisse erfolgt wenig differenziert. Was bedeutet es denn, wenn die Befragten angeben „Ich esse gern mal eine Tiefkühlpizza“? Wie oft ist „gern mal“? Heißt das täglich oder eher wöchentlich? Dieses Ergebnis hat wenig Aussagekraft und wird vom Report auch nicht eingeordnet", kritisierte Dr. Garlichs weiter. "Die Befragung ist methodisch so unsauber, dass man selbst die bedenklich anmutenden Veränderungen im Vergleich zu der Erhebung von 2015 eigentlich nicht diskutieren kann."

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Kommentar schreiben

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.