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Höchstens 50 Gramm pro Tag

Fachgesellschaften sprechen Empfehlung zur Zuckerzufuhr in Deutschland aus

Gesellschaftlich seien zur Reduktion des Zuckerkonsums Verhaltens- und Verhältnisprävention zu kombinieren. Die drei Fachgesellschaften schließen sich der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation aus dem Jahr 2015 an. Diese rät zu einem maximalen Verzehr freier Zucker von weniger als 10 % der Gesamtenergiezufuhr. Bei einer geschätzten Gesamtenergiezufuhr von 2000 kcal pro Tag entspreche das 50 g freien Zuckern (1 g Zucker = 4 kcal), heißt es in einem Konsensuspapier vom Dezember 2018.

Freie Zucker umfassen Mono- und Disaccharide, die Hersteller oder Verbraucher Lebensmitteln zusetzen, sowie in Honig, Sirupen, Fruchtsaftkonzentraten und Fruchtsäften natürlich vorkommende Zucker. Mono- und Disaccharide, die natürlicherweise in intaktem Obst und Gemüse sowie Milch und Milchprodukten vorkommen, werden nicht berücksichtigt.

Höchste Zufuhr freier Zucker ist bei jungen Menschen zu finden

Laut Nationaler Verzehrsstudie II liegt der Anteil freier Zucker an der Gesamtenergiezufuhr bei 15- bis 24-Jährigen im Schnitt zwischen 16 und 18,5 Energieprozent. Bei Kindern sind die Anteile ähnlich. Im Bevölkerungsdurchschnitt (15–80 Jahre) sind es 13 bzw. rund 14 Energieprozent (Männer bzw. Frauen). Eine hohe und häufige Zuckerzufuhr ist jedoch mit Übergewicht bzw. Adipositas, diversen ernährungsmitbedingten Folgeerkrankungen sowie dem Entstehen von Zahnkaries assoziiert.

In Deutschland sind Süßwaren mit 36 % die Hauptquelle für die Zufuhr freier Zucker. Fruchtsäfte und Nektare steuern einen Anteil von 26 % sowie Limonaden 12 % bei. Wer eine Portion (200 ml) eines solchen Getränks zu sich nimmt, schluckt 20 bis 34 g freie Zucker.

"Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 32 Litern pro Jahr gehört Deutschland im europaweiten Vergleich zu den Spitzenreitern im Konsum von Fruchtsäften und -nektaren", heißt es im Konsensuspapier. Inklusive aller sonstigen Erfrischungsgetränke wurden 2017 so viel Süßgetränke wie Wasser aus Flaschen getrunken, nämlich jeweils 148 Liter pro Kopf.

Lieber mehr Wasser oder ungesüßte Tees trinken

Aufgrund des hohen Pro-Kopf-Verbrauchs zuckerhaltiger Getränke, der hohen nationalen Prävalenz für Übergewicht und Adipositas sowie der damit verbundenen Krankheitslast, sprechen sich DAG, DDG und DGE für 50 g freie Zucker pro Tag als "maximale Obergrenze" (basierend auf einem durchschnittlichen Bedarf) aus. "Der Konsum zuckergesüßter Getränke sollte vermieden werden und durch Wasser oder ungesüßte Tees ersetzt werden."

Kinder sollten nicht an eine hohe Zuckerzufuhr gewöhnt werden. Die Reformulierung zuckergesüßter Getränke sei einfach umsetzbar und vielversprechend. Eine Abgabe auf zuckergesüßte Getränke von 20 % könne helfen, vor allem bei Personen mit hohem Konsum – jüngere Altersgruppen, Männer und Menschen mit geringem Einkommen – die Gesamtenergiezufuhr zu reduzieren und die Übergewichts- bzw. Adipositasprävalenz merklich zu verringern.

Ergänzend bieten sich Maßnahmen an wie ein Abgabeverbot von zuckergesüßten Getränken in Schulen, das geschickte Platzieren gesundheitsfördernder Lebensmittel in Kantinen oder eine vereinfachte Produktkennzeichnung.

Konsensuspapier von DAG, DDG, DGE:
bit.ly/Konsens_Zucker

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