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Welches Messsystem eignet sich für welchen Patienten?

Neue DDG-Praxisempfehlung zur Glukosemessung und -kontrolle

Es gibt den pubertierenden Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes, die Frau mit Gestationsdiabetes, den Diabetespatienten mit häufigen Unterzuckerungen, den mit Hypowahrnehmungsstörungen und den Älteren mit Typ-2-Dia­betes mit massiver Insulinresistenz – die Liste lässt sich beinahe beliebig fortsetzen.

Nicht immer fällt es den Diabetes­teams leicht, für all diese verschiedenen Patiententypen das passende Messsystem auszuwählen.

Evidenzbasierte Leitlinie würde hinterherhinken

Sandra Schlüter, Diabetologin aus Northeim und stellvertretende Vorsitzende der AG Diabetes & Technologie (AGDT), präsentierte daher die aktuelle Praxisempfehlung der DDG.1 Sie ist nicht evidenzbasiert, sondern fußt auf Experteneinschätzungen. Allerdings berücksichtigt sie dafür auch sämtliche aktuell verfügbaren Messsysteme, während eine evidenzbasierte Leitlinie dem Stand der Technik mindestens fünf Jahre hinterherhinken würde, bis für alle Systeme valide Studien vorliegen.

Blutzuckerselbstmessung: Diese ist bei allen Patienten mit Typ-1- sowie Patienten mit insulinpflichtigem Typ-2-Diabetes indiziert. Bei Typ-1-Diabetes geht die Praxisempfehlung von einem Quartalsbedarf von mind. 800 Teststreifen aus, der bei Kindern sogar noch höher ausfallen kann.

Patienten mit Typ-2-Diabetes und ICT benötigen mind. 500 Teststreifen pro Quartal, Patienten mit Typ-2-Diabetes und CT oder Bedtime-Therapie mindestens 150–250 Teststreifen. Patienten, die ohne Insulin mit Sulfonylharnstoffen behandelt werden, benötigen mind. 50 Teststreifen pro Quartal, dieselbe Menge sollte auch Typ-2-Diabetes­patienten mit oraler antidia­betischer Therapie bei Manifestation, zu Schulungszwecken oder bei Nichterreichen der Therapieziele zustehen.

Insulinpflichtige Schwangere mit Typ-1-, Typ-2- oder Gestationsdia­betes benötigen mind. 700 Teststreifen pro Quartal, Frauen mit Gestationsdiabetes, die ohne Insulin behandelt werden, sollten zwei- bis dreimal pro Woche postprandial ihren Blutzucker messen.

iscCGM-System: Ein System zum intermittierenden Scannen der kontinuierlich gemessenen Glukosewerte sollte der Praxisempfehlung zufolge bei insulinpflichtigen Patienten erwogen werden, die ihre Therapieziele aufgrund instabiler Glukoseverläufe nicht erreichen.

"Es eignet sich auch für Patienten, die Probleme mit Hypoglykämien haben, sofern sie keine Hypoglykämiewahrnehmungsstörung haben", erklärte Schlüter, "allein die Trendpfeile helfen bereits ungemein, ungünstige Verläufe rechtzeitig zu erkennen."

Der Einsatz eines iscCGM-Systems ist aber auch intermittierend, etwa zu Schulungszwecken, bei verschiedenen Patientengruppen denkbar.

rtCGM-Systeme: Gegenüber der Glukosemessung mit einem iscCGM-System punktet das rtCGM mit seiner Alarmfunktion bei Glukosewerten außerhalb des Zielbereichs. rtCGM-Systeme werden von der DDG deshalb für insulinpflichtige Patienten empfohlen, die Hypoglykämien nur unzureichend wahrnehmen.

Sie können aber auch bei Schwangerschaft, sportlich aktiven Patienten, besonderen beruflichen Herausforderungen oder bei Kindern eingesetzt werden, um die Glukoseverläufe eng­­maschig zu kontrollieren.

1.    Heinemann L et al. Diabetologie 2017; 12 (Suppl 2): 242-262
DiaTec 2018

Link zur „Praxisempfehlung der DDG: Glukosemessung und -kontrolle bei Patienten mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes“:
bit.ly/2BchcMU

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