Artikelübersicht

Flügge werden

Kita & Schule: Worauf Eltern von Kindern mit Typ-1-Diabetes Anspruch haben

Kindertagesstätten und Schulen sind nach Eberts Erfahrung i.d.R. durchaus willens, sich während der Betreuungszeiten um das Dia­betesmanagement der Kinder zu kümmern. Dennoch betonte er: "Sie sind nicht verpflichtet, das Diabetesmanagement zu übernehmen. Lehrer haben auch keine besondere Aufsichtspflicht für Kinder mit speziellen Anforderungen, sie sind auch nicht zur Krankenbehandlung verpflichtet. Deshalb sollten Eltern es wertschätzen, wenn sie trotzdem dazu bereit sind."

Es handelt sich um eine rein freiwillige Leistung

Es gibt Eltern, die von Erziehern oder Lehrkräften erwarten, dass sie sich genauso um den Diabetes ihres Sprösslings kümmern wie sie selbst das zu Hause tun. Einrichtungen, die sich mit Beschwerden oder gar Klagen herumärgern mussten, verweigern mitunter beim nächsten Kind die Mitarbeit, warnte Ebert.

Tatsächlich ist es eine rein freiwillige Leistung, wenn Erzieher und Lehrkräfte bei Kindern mit Diabetes den Blutzucker messen, Insulin spritzen, bei der Programmierung der Insulinpumpe helfen, auf Symptome einer Unterzuckerung achten und im Notfall Traubenzucker geben.

Zudem haben sie keine juristischen Konsequenzen zu befürchten, wenn ihnen dabei ein Fehler unterläuft – denn sie sind im Schadensfall über die gesetzliche Unfallversicherung abgesichert wie bei einem Arbeitsunfall.

Muss professionelle Unterstützung zugezogen werden, sind laut Ebert die unterschiedlichen Zuständigkeiten ein zentrales Problem: "Blutzuckermessen und Insulinspritzen gilt per Definition als Krankenbehandlung, deshalb ist die gesetzliche Krankenversicherung dafür zuständig."

Mit diesen Tätigkeiten wird also ein Pflegedienst beauftragt, sofern das Kind sie noch nicht allein handhaben und Lehrkräfte sie nicht ausführen können oder wollen.

Überblick im Wirrwarr der Zuständigkeiten behalten

Wenn es aber um die Begleitung im Schulalltag geht – also etwa Unterstützung beim Berechnen der Kohlenhydrate beim Essen oder Begleitung beim Schulsport, um Notfälle durch Unterzuckerungen zu vermeiden –, dann gilt das als Integrationsleistung, für die das Integrationsamt zuständig ist.

Es kann auf Antrag eine Schulbegleitung bewilligen. "Eltern müssen also beizeiten an den richtigen Stellen die richtigen Anträge auf Hilfeleistungen stellen", erklärte Ebert.

10. Diabetes Herbsttagung

 

Sonderbudget beantragen

Eltern können auch ein persönliches Budget für Hilfeleistungen beantragen, das sie dann nach eigenem Ermessen für die Betreuung ihrer Wahl verwenden. "Vorteil ist hier, dass das eigene Einkommen auf diese Leistungen nur geringfügig angerechnet wird, obwohl die Leistung vom Sozialamt kommt", riet Ebert. "Allerdings wissen die Behörden das oft nicht und stellen sich erst einmal quer." Dann helfe nur eins: "Nicht lange mit den Behörden streiten, sondern lieber rasch eine Mediation oder letztlich einen Anwalt einschalten."



Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Kommentar schreiben

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.