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DRGs auf dem Prüfstand

Kliniken können Daten für sachgerechte Kalkulation liefern

Die DDG bringt sich mit Kos­tendaten und Anträgen in den Bewertungsprozess der Klinikfallpauschalen ein. Wie läuft die Zusammenarbeit der beteiligten Einrichtungen im DRG-Projekt ab?

Dr. Siegel: 17 Krankenhäuser schicken denselben Datensatz, den sie auch Ende Mai ans Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) liefern, ans DRG-Projekt. Eine Kostenbenchmark wird berechnet und den Häusern zur Verfügung gestellt, damit sie Abweichungen in ihren Daten identifizieren und im Folgejahr korrigieren können.

Aus den realen Fällen und den öffentlich verfügbaren Daten von InEK und DIMDI wird eine medizinökonomische Datenbank aufgebaut. Hiermit werden Fallkonstellationen nachgerechnet, die Mitgliedern der DDG oder Controller der Häuser als nicht sachgerecht finanziert empfinden. Das heißt: Wir prüfen die Abbildung der Diabetologie in der DRG-Kalkulation. Wenn wir in den Projektdaten eine signifikante Unterfinanzierung entdecken, stellen wir beim InEK einen Antrag auf Neueingruppierung. Das InEK rechnet diese Vorschläge mit den Daten aller Kalkulationshäuser nach. Bestätigt sich die Unterfinanzierung, setzt es Vorschläge um.

Wenn ein Kostenunterschied klinisch zu erwarten ist, sich aber nicht in den Daten widerspiegelt, prüft die DRG-Gruppe der DDG, ob nicht eine bessere Abbildung im Prozedurenkatalog möglich ist. In dem Fall stellt die DDG einen Antrag beim DIMDI, das für die Klassifikationserweiterung bei Diagnosen und Prozeduren verantwortlich ist. Man arbeitet mit einem Jahr Versatz. Das heißt: Die Anträge im Frühjahr 2017 wirken sich auf 2018 aus.

Warum ist es wichtig, dass sich hier eine Fach­gesellschaft einklinkt?

Dr. Siegel: Die DRG-Kalkulation des InEK basiert allein auf der Datenlage. Diese wiederum hängt von der korrekten Kodierung und Kostenzuweisung ab. Korrekt kodiert wird aber nur, wenn die Fachgesellschaft publiziert, wie dies geht, und wenn sie dort neue Kodierungsmöglichkeiten schafft, wo sich der Behandlungsprozess verändert hat.

Die Kostenzuordnung erfolgt durch das Finanzcontrolling. Dort fehlt oft das Know-how der Fachabteilung. Kümmert sich diese nicht um eine korrekte Abbildung der Leistungen, ist die Kalkulationsbasis schlecht.

Das DDG-Projekt macht transparent, wie kodiert, Kosten alloziiert und was verbessert werden kann. Ohne solche Hinweise der Fachgesellschaften ist auch das InEK nur eingeschränkt in der Lage, neue Entwicklungen im Behandlungsprozess in der Vergütung richtig darzustellen.

Reicht die Zahl der am DRG-Projekt beteiligten Krankenhäuser aus?

Dr. Siegel: Im Angang bieten die Daten der beteiligten 17 Krankenhäuser gute Anhaltspunkte fürs Vorschlagsverfahren. Wenn es allerdings darum geht, die Kostenkalkulation zu beeinflussen, müssen möglichst viele der 250 kalkulierenden Häuser erreicht werden. Eine Ausweitung ist dann unbedingt notwendig.

Woran hakt es – am Aufwand oder am Datenschutz?

Dr. Siegel: Der Datenschutz ist gesetzlich verankert. Durch die Verwendung des InEK-Datensatzes, der eine Anonymisierung vorschreibt, nutzen wir die gesetzlichen Standards.  Die Ressourcen im Controlling eines Krankenhauses sind begrenzt. Auch hat dessen Geschäftsführer nicht wirklich einen Vorteil, da bei Veränderungen eventuell nur von einem Fach aufs andere umverteilt wird. Der zeitliche Aufwand ist ungefähr ein halber Tag.

Zahlt sich das DRG-Projekt  für eine teilnehmende Klinik aus?

Dr. Siegel: Die Erlössteigerungen für die Fachabteilungen wirken sich bereits deutlich aus – sowohl für 2016 als auch 2017. Zum Beispiel wurde die Behandlung von Diabetespatienten mit Koma aufgewertet – um 456,85 Euro pro Fall. Bezogen auf alle Fälle mit Koma als Hauptdiagnose in den DRGs K60D und K60E entspricht das einem Plus von 770 000 Euro. Damit können Stellen in der Diabetologie erhalten werden.

Wo kommt das Geld für die DRG-Aufwertungen her?

Dr. Siegel: Wir haben ein gedeckeltes Budget. Daher ist eine Aufwertung immer eine Umverteilung. Zu betonen ist allerdings, dass so eine sachgerechte Zuteilung der Mittel erfolgt.

Was soll im DRG-Projekt als Nächstes erreicht werden?

Dr. Siegel: Hier geht es insbesondere um Strategisches, wie etwa die Gewinnung zusätzlicher Kliniken als Teilnehmer, eine Bestandsaufnahme, aber auch um spezifische Problemthemen, beispielsweise den Komplexcode bei Erwachsenen mit der Nebendiagnose Diabetes und die Bezahlung der Konsile.

 

Wer ist inspiring-health?

Partner der DDG beim DRG-Projekt ist das Münchner Unternehmen inspiring-health GmbH (vorher: Dr. Wilke GmbH). Das Expertenteam unterstützt unter anderem Fachgesellschaften bei der Einführung innovativer Produkte wie neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden, bei Operationen- und Prozedurenschlüsseln sowie bei DRG-Anfragen. Es ermittelt auch Vergütungsoptionen für DRGs.



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