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"Transparenz nach innen und außen ist uns sehr wichtig"

Fachgesellschaft macht mögliche Interessenkonflikte ihrer Gremienvertreter publik

Erklärungen zu Interessenkonflikten von Vorstandsmitgliedern und Gremienvorsitzenden der DDG findet man schon seit 2017 auf der Homepage ddg.info. Bildet der überarbeitete Verhaltenskodex dafür die Grundlage oder geht er darüber hinaus?

Dr. Ralph Ziegler: Die Erklärung zu Interessenkonflikten in einer ersten Version gibt es in der Tat bereits seit 2017 auf der Homepage der DDG. Die Grundlage dafür war und ist der Verhaltenskodex. Dieser musste allerdings in doch länger dauernden Abstimmungen, auch mit anderen Dokumenten, zum Beispiel Satzung und Geschäftsordnung für die Gremien, finalisiert werden. Dies ist nun geschehen und es wird eine neue, gering angepasste Version der Erklärung geben.

Wer muss worüber wie Auskunft geben? Wie oft und für welchen Zeitraum?

Barbara Bitzer: Verpflichtend ist die Abgabe einer Erklärung zu möglichen Interessenkonflikten zunächst für den Vorstand der DDG sowie die Vorsitzenden der verschiedenen Gremien der DDG und deren Stellvertreter. Ab 2020 wird dies für alle Funktionsträger, also auch für die Mitglieder der Gremien, verpflichtend. Diese Auskünfte müssen bis zum 1. Juli eines jeden Jahres erteilt werden. Hierzu erfolgt seitens der Geschäftsstelle der DDG im Vorfeld eine Aufforderung. Der Auskunftszeitraum bezieht sich auf die drei vorangegangenen Kalenderjahre.

Angegeben werden müssen:

  • Berater- oder Gutachtertätigkeit oder bezahlte Mitarbeit in einem wissenschaftlichen Beirat
  • Honorare für Vortrags- und Schulungstätigkeiten oder bezahlte Autoren- oder Co-Autorenschaften
  • Reisekosten- oder Kongresskostenunterstützung

Die Summe aus diesen Tätigkeiten wird als Jahresbetrag in den Staffeln bis 2500 Euro, 2500 bis 10 000 Euro und über 10 000 Euro ausgewiesen.

Andere Formen der Zuwendungen sind nur mit Ja oder Nein zu beantworten. Bei einer positiven Antwort muss die Angabe des Zuwenders beziehungsweise im Freitext eine nähere Spezifizierung erfolgen. Hierzu gehören beispielsweise Auskünfte zu Drittmitteln für Forschungsvorhaben, zur Finanzierung von Mitarbeitern, zu Spenden oder sonstigen Zuwendungen an die Einrichtung, aber auch Eigentümerrechte an Arzneimitteln und Medizinprodukten – etwa Patente, Urheberrechte, Verkaufslizenzen – sowie Angaben zu den Arbeitgebern der letzten drei Jahre oder Mandatsträgerschaften in anderen Berufs- oder Fachverbänden. Dies alles wird im Verhaltenskodex der DDG detailliert beschrieben.

Wer prüft die Angaben? Was wird veröffentlicht, was bleibt in den vier Wänden der DDG?

Bitzer: Die Angaben werden zunächst von einer Mitarbeiterin in der Geschäftsstelle auf Vollständigkeit und Stimmigkeit geprüft und anschließend von der Kommission Interessenkonflikte der DDG gesichtet. Bei Auffälligkeiten steht der Kommission das Recht der Nachfrage zu. Die Angaben der Funktionsträger – ohne Nennung der Beträge – können über die Webseite öffentlich eingesehen werden. Diese Transparenz nach innen und außen ist uns sehr wichtig. Die vollständigen Angaben liegen in der Geschäftsstelle unter Verschluss und können nur von der verantwortlichen Mitarbeiterin und den Kommissionsmitgliedern eingesehen werden.

Folgen Konzept und Verfahren dem Vorbild einer anderen Organisation? Oder ist es bei den Fachgesellschaften ein Novum?

Dr. Ziegler: Dieses Verfahren ist angelehnt an die Anforderungen der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. Von anderen großen Fachgesellschaften sind uns solche detaillierten Vorgaben für die Funktionsmitglieder nicht bekannt.

Welche Ziele und Erwartungen verbinden Sie mit diesen Pflichten zur Selbstauskunft und Offenlegung – intern wie extern?

Dr. Ziegler: Die DDG unterstützt Kooperationen mit der pharmazeutischen, medizintechnischen und informationstechnischen Industrie und muss auch selbst solche unterhalten. Das dient der Entwicklung und Evaluation neuer diagnostischer und therapeutischer Verfahren zum Wohl der Patienten sowie der Information ihrer Mitglieder über Innovationen und den Stand der Forschung. Dies soll mit größtmöglicher Transparenz, aber auch unter Wahrung der berechtigten Interessen des betroffenen Mitglieds für die Veröffentlichung von konfliktbegründenden Geschäftsbeziehungen geschehen.

Das Offenlegen von Interessenkonflikten soll innerhalb der Gremien und der gesamten DDG sowie für die Öffentlichkeit und andere Institutionen Transparenz herstellen. Sollten bei Entscheidungen in den Gremien Zweifel an der Unabhängigkeit der Funktionsträger aufkommen, können diese nach einem strukturierten Verfahren bearbeitet werden.

Was passiert genau, wenn Verstöße gegen den Verhaltenskodex festgestellt werden?

Bitzer:  Nach Prüfung durch die Kommission Interessenkonflikte der DDG und den Vorstand der DDG erhält der Betroffene die Möglichkeit zur Stellungnahme. Sollte sich ein Verstoß bestätigen, erfolgt ein strukturierter Prozess, beginnend mit einer Abmahnung und der Aufforderung, die Vertragsbeziehung beziehungsweise den Verstoß zu beenden, unter Umständen einer Aberkennung der Funktion bis hin zu einem Ausschluss aus der Fachgesellschaft.

Mit welchen Reaktionen von außen, etwa Medien, Politik und Industrie, rechnen Sie aufgrund der Transparenzmaßnahmen?

Bitzer: Wir gehen davon aus, dass dieses proaktive Vorgehen der DDG in Sachen Transparenz bei Medien, Politik und Industrie viel Beachtung finden und sehr positiv bewertet werden wird. Wir hoffen, dass dies auch andere Organisationen animieren wird, nachzuziehen.

Umreißt der Verhaltenskodex das gesamte Arbeitsfeld der Kommission Interessenkonflikte?

Dr. Ziegler: Die Kommission Inter­essenkonflikte wird auch weitere wichtige Themen bearbeiten, beispielsweise Positionspapiere zum Antikorruptionsgesetz oder die Definition von Kriterien für Kooperationen und Schirmherrschaften der DDG oder zur Nutzung des Namens und des Logos der DDG. Eine Hauptaufgabe wird die Weiterentwicklung des Verhaltenskodex sein, da wir stets den wachsenden Anforderungen Rechnung tragen wollen.

 


Angaben zu Inter­essenkonflikten von Funktionsträgern der DDG sowie zum aktuellen Verhaltenskodex finden Sie hier online: www.ddg.info -> Über uns -> Erklärung zu Interessenkonflikten

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