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Der HbA1c-Wert sticht heraus

Registerstudie vergleicht Risikofaktoren für Tod und kardiovaskuläre Ereignisse erstmals untereinander

Für die Kohortenstudie untersuchten die schwedischen Wissenschaftler den Effekt von fünf Risikofaktoren (erhöhtes HbA1c, erhöhtes LDL-Cholesterin, Albuminurie, Rauchen und erhöhter Blutdruck) auf verschiedene mit Typ-2-Diabetes assoziierte Ereignisse (Tod, akuter Myokardinfarkt, Schlaganfall und Hospitalisierung wegen Herzversagen). Bislang wurden in Studien Risikofaktoren meist isoliert betrachtet und deren Effekte lediglich auf vereinzelte Ereignisse untersucht.

In diese Analyse gingen die Daten aus dem schwedischen nationalen Diabetesregister von über 270 000 Patienten mit Typ-2-Diabetes ein, gematcht mit über 1,3 Millionen Kontrollen ohne Diabetes und nach Alter kategorisiert (< 55, 55 bis < 65, 65 bis < 80 und ? 80 Jahre).

Mit jedem Wert außerhalb erhöhte sich das Risiko

Wie die Studie mit einem medianen Follow-up von knapp sechs Jahren ergab, wiesen die Typ-2-Diabetes­patienten, die nicht rauchten und deren HbA1c-Wert, LDL-Cholesterin, Blutdruck und Nierenwerte innerhalb des Zielbereichs lagen, kein erhöhtes Risiko für Tod (Hazard Ratio 1,06; 95%-KI 1,00–1,12), für akuten Myokardinfarkt (HR 0,84; 95%-KI 0,75–0,93) und für Schlaganfall (HR 0,95; 95%-KI 0,84–1,07) im Vergleich zur Normalbevölkerung auf. Lediglich das Risiko für Hospitalisierungen aufgrund von Herzversagen war bei Patienten mit Diabetes erhöht, auch wenn die Zielwerte erreicht waren (HR 1,45; 95%-KI 1,34–1,57).

Mit Blick auf die unterschiedlichen Alterskategorien wurde zudem deutlich, dass insbesondere bei jüngeren Patienten das Risiko auf kardiovaskuläre Ereignisse stieg, je mehr der Variablen außerhalb der empfohlenen Zielwerte lagen. Die Studienautoren kommen zu dem Schluss, dass in dieser Patientengruppe möglicherweise eine aggressivere Behandlungsstrategie angezeigt ist.

Der stärkste Prädiktor für Schlaganfall und Myokardinfarkt

Entgegen der Erwartungen der Wissenschaftler waren die stärksten Prädiktoren für kardiovaskuläre Ereignisse nicht niedrige körperliche Aktivität und Rauchen – Letzteres war lediglich der stärkste Prädiktor für Tod. Interessanterweise stach der HbA1c-Wert heraus: War dieser außerhalb des Zielbereichs, galt er als stärkster Prädiktor für Schlaganfall und akuten Myokardinfarkt.

In der Analyse wurde zudem die Rolle des systolischen Blutdrucks für die geprüften Ereignisse bestätigt: Lag der Wert unterhalb des empfohlenen Zielwerts, ergab sich in der Studie ein niedrigeres Risiko für akuten Myokardinfarkt und  Schlaganfall bei Patienten mit Typ-2-Diabetes.

Rawshani A et al. N Engl J Med 2018; 379: 633-44

 

Ein wichtiger Prädiktor: der HbA1c-Wert

Für welches Risiko sind welche fünf Prädiktoren die entscheidenden?

  • Tod: Rauchen, körperliche Aktivität, Ehestand, HbA1c-Wert und Statin-Behandlung
  • Akuter Myokardinfarkt: HbA1c-Wert, systolischer Blutdruck, LDL-Cholesterin, körperliche Aktivität und Rauchen
  • Schlaganfall: HbA1c-Wert, systolischer Blutdruck, Dauer der Diabeteserkrankung, körperliche Aktivität und Vorhofflimmern
  • Hospitalisierung aufgrund von Herzversagen: Vorhofflimmern, BMI, körperliche Aktivität, glomeruläre Filtrationsrate (GFR) und HbA1c-Wert

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