Aktuelle Stellungnahmen

13.07.2016

Herstellung der Glukoselösung für einen oralen Glukosebelastungstest: Stellungnahme der AG Diabetes & Technologie der DDG (AGDT), der AG Diabetes & Schwangerschaft (AGDS) und der Kommission Labordiagnostik in der Diabetologie der DDG und DGKL

Herstellung der Glukoselösung für einen oralen Glukosebelastungstest:

Stellungnahme der AG Diabetes & Technologie der DDG (AGDT), der AG Diabetes & Schwangerschaft (AGDS) und der Kommission Labordiagnostik in der Diabetologie der DDG und DGKL

Heinke Adamczewski, Christoph Neumann, Lutz Heinemann im Namen der AGDT und der AGDS
Version Nr. 1.5 11.7.2016

Präambel
Diese Stellungnahme basiert auf einer gemeinsamen Aktivität von Mitgliedern der AGDT und der AGDS der DDG unter Mitwirkung von Prof. Dr. T. Koschinsky und Prof. Dr. R. Landgraf. Sie hat ein zustimmendes Votum des Vorstandes der DDG und der beiden AGs bekommen.

Hintergrund
Seit März 2012 ist das Screening auf Gestationsdiabetes (GDM) verpflichtend bei der Betreuung jeder Schwangeren in die Mutterschaftsrichtlinien aufgenommen worden. Bei diesem zweistufigen Verfahren wird im ersten Schritt ein Screening-Test in der Schwangerschaftswoche 24.-28. durchgeführt. Die schwangeren Frauen trinken eine Lösung mit 50 g Glukose zu einem beliebigen Zeitpunkt und die venöse Blutglukosekonzentration wird eine Stunde danach gemessen. Im Fall eines pathologischen Ergebnisses (>140 mg(dl) wird anschließend unter standardisierten Bedingungen und nüchtern ein erneuter oraler Glukosebelastungstest (oGTT) mit 75 g Glukose als diagnostischer Test durchgeführt. Dabei wird weder in den GDM-Leitlinien der DDG noch in den Mutterschaftsrichtlinien etwas zu der Herstellung der bei den oGTTs verwendeten Glukoselösung ausgesagt. Häufig wird dafür eine Fertiglösung verwendet, einige Praxen stellen die Glukoselösung selber her.

Für die oGTTs wird in Deutschland nur eine einzige kommerzielle Fertiglösung (Accu-Chek® Dextrose O.G-T./Roche Pharma) angeboten: 300 ml Saft in einer Flasche mit einem Mono- und Oligosaccharid-Gemisch (Glukose-Sirup [Ph. Eur.]), das nach enzymatischer Spaltung einer Menge von 75 g wasserfreier Glukose entspricht. Der aus Geschmacksgründen zugesetzte Johannisbeermuttersaft enthält 3,5-4,3 mmol (136-169 mg) Kalium und Spuren von 0,01-0,06 Vol.-% Alkohol. An Nebenwirkungen können nach dem Trinken dieser Fertiglösung außer reaktiven Hypoglykämien (während des Tests oder meist später) gelegentlich Magendruck, Übelkeit oder Erbrechen auftreten. Die Kosten für eine Flasche dieser Lösung betragen 5,53 €. Anfang 2016 gab es temporäre Lieferprobleme für diese Fertiglösung von Seiten des Herstellers, die wohl nur in Deutschland vertrieben wird.