Ketoazidose-Prävention

Bundesweite Ketoazidose-Präventionskampagne der AGPD und des BVKJ

Warum sind Ketoazidose-Präventionskampagnen wichtig?

Ketoazidosen bei Manifestation des Diabetes stellen nach wie vor ein großes Problem in der Therapie von Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes dar. In Deutschland ist die Häufigkeit der diabetischen Ketoazidose (DKA) bei Manifestation in den letzten 15 Jahren konstant bei 20 – 26 % geblieben. In manchen Bundesländern liegt sie sogar noch höher. In einer aktuellen Studie wurde in Sachsen eine DKA-Rate von sogar 35,2% festgestellt. Die Autoren fanden, dass besonders junge Kinder ein signifikant erhöhtes DKA-Risiko bei Manifestation haben und fordern dringend ein nationales Aufklärungsprogramm.

Aufklärungskampagnen über die typischen klinischen Symptome des Typ-1 Diabetes können ein wirkungsvolles Instrument zur Prävention der DKA sein, wie einige Kampagnen in anderen Ländern eindrücklich zeigten. Erfahrungen mit Aufklärungskampagnen in Deutschland besonders im Kindes- und Jugendalter gibt es kaum.

Am Olgahospital in Stuttgart wurde zusammen mit dem Gesundheitsamt die Stuttgarter Ketoazidose Präventionskampagne durchgeführt. Die Aufklärungskampagne über die Diabetes-typischen Symptome (ständiger Durst, häufiges Wasserlassen, stetige Müdigkeit, Gewichtsverlust) erfolgte über 3 Jahre (von 2015 bis 2017) mittels Flyer und Plakaten und zwar im Rahmen der Schuleingangsuntersuchung (ESU), in Stuttgarter Kindertageseinrichtungen, in Stuttgarter Kinder- und JugendärztInnenpraxen, sowie mittels regelmäßiger Öffentlichkeitsarbeit. Im Zeitraum der Kampagne konnte der Anteil der Kinder und Jugendlichen mit einer DKA signifikant um 12 % Punkte absolut reduziert werden    (n = 19 (16,1 %) vs. n = 36 (28 %) und dieser Trend zeigte sich in allen Altersgruppen. Ein weiteres wichtiges Ergebnis ist, dass die Aufklärungskampagne von den teilnehmenden Institutionen und Personen gut angenommen wurde und zu keinem erhöhten Informations- und Abklärungsbedarf führte.

Diese Informationskampagne ist nun Vorbild für eine bundesweite Präventionskampagne, die von der Arbeitsgemeinschaft für Pädiatrische Diabetologie (AGPD) in Zusammenarbeit mit dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) durchgeführt werden wird. Zusätzlich wird die Stuttgarter Präventionskampagne auf ganz Baden-Württemberg ausgedehnt. 

Bundesweite Präventionskampagne der AGPD

Da immer häufiger sehr kleine Kinder an Typ-1 Diabetes erkranken, die besonders gefährdet sind, bei Manifestation eine schwere, lebensbedrohliche Ketoazidose zu bekommen, hatte die Stuttgarter Präventionskampagne ihren Fokus auf Familien mit jungen Kindern (Schuleingangsuntersuchungen), in Kitas und den kinderärztlichen Praxen. Vergleichbar mit den Schuleingangsuntersuchungen sind Vorsorgeuntersuchungen eine gute Gelegenheit, Eltern von kleinen Kindern über die möglichen Symptome der häufigsten Stoffwechselerkrankung im Kindes- und Jugendalter zu informieren. Deshalb soll nun die geplante Kampagne bundesweit während der Vorsorgeuntersuchungen U6 und U7a stattfinden. Die Informationsflyer über die 4 diabetes-spezifischen Symptome eines Typ-1 Diabetes bei Kindern und Jugendlichen sind einfach, aber einprägend mittels Icons gestaltet und passen von ihrer Größe sehr gut in das U-Heft des jeweiligen Kindes. Darüber hinaus wird regelmäßig per Newsletter und auf Tagungen über die Kampagne informiert. Mit häufiger Öffentlichkeitsarbeit soll die Gesamtbevölkerung erreicht werden.

Die Kampagne wird im Januar 2021 starten. Finanziell wird sie unterstützt durch die DDG, AGPD Eigenmittel und das Industrieforum Diabetes.

Die Dauer der Kampagne beträgt zunächst 1 Jahr, kann aber bei Bedarf verlängert werden. Die Auswertung erfolgt über das DPV-Programm von Prof. Holl von der Universität Ulm. Wichtig ist für alle, die Kinder mit neu aufgetretenem Typ-1 Diabetes behandeln, eine sorgfältige Dokumentation der Manifestationen in DPV.

Vorgestellt wurde unsere Kampagne bereits in der Oktober-Ausgabe des „Kinder- und Jugendarzt“.

Praktisches Vorgehen:

Im Januar 2021 erfolgt die Aussendung von 150 Informationsflyern an jeden niedergelassenen Kinder- und Jugendarzt, der BVKJ-Mitglied ist. Zusätzliche Flyer können beim BVKJ Shop bestellt werden: https://www.bvkj-shop.de. Bitte geben Sie den Flyer über die 4 typischen Symptome des Typ-1 Diabetes bei Kindern und Jugendlichen zu jeder U6 und U7a an die Eltern aus. 

Bitte sprechen Sie bei ihren VU kurz mit den Eltern über den Typ-1 Diabetes und wie leicht diese Erkrankung anhand der typischen Symptome erkannt werden kann.

Stellt sich in Ihrer Praxis ein Kind mit den typischen Symptomen eines Typ-1 Diabetes vor, führen Sie bitte sofort eine Blutzuckerbestimmung und/oder eine Urinuntersuchung (Urinzucker?) durch. Ist der Blutzucker eindeutig erhöht (> 200 mg/dl oder 11,1 mmol/l) und/oder der Urinzucker positiv, veranlassen Sie bitte sofort die stationäre Aufnahme in die nächstgelegene Kinderklinik, welche Kindern mit Typ-1 Diabetes versorgen kann.

Eine Blutzuckerbestimmung empfiehlt sich auch bei länger bestehenden, unspezifischen Symptomen bei Kindern und Jugendlichen (z.B. chronischer Infekt, langandauernde Müdigkeit bzw. Schlappheit, plötzliche Nykturie, Gewichtsabnahme, stärkerer Visusverlust, rezidivierende Abszesse, langwierigen Pilzinfektionen im Anogenitalbereich etc.).

 

Weiterführende Informationen

Weitere Informationen zur Arbeit der AG für Pädiatrische Diabetologie sowie aktuelle Projekte finden Sie  unter diesem Link:

https://diabetes-kinder.de/praeventionsprojekte.html