Berlin, März 2010 – Das Blutzucker senkende Medikament Avandia (Rosiglitazon) für Typ-2-Diabetiker ist erneut in der Diskussion. Anlass ist eine Untersuchung des US-Senats. Darin wird überprüft, ob das Präparat mit Todesfällen in den USA in Verbindung stehen könnte. Nach erster Überprüfung der Datenlage sieht die zuständige US-Behörde, die Food and Drug Administration (FDA), derzeit keinen Anlass, die Zulassung zu beschränken oder aufzuheben. Eine endgültige Entscheidung wird sie im Juli 2010 vorlegen.
Rosiglitzon gehört zur Wirkstoffgruppe der Glitazone und wird auch in Deutschland an Typ-2-Diabetiker verschrieben. Unerwünschte Nebenwirkungen von Rosiglitazon und weiterer Medikamente aus der Wirkstoffgruppe der Glitazone werden in Fachkreisen schon seit Jahren diskutiert. Zu den Nebenwirkungen zählen beispielsweise Wassereinlagerungen im Gewebe, Herzschwäche und vermehrte Knochenbrüche bei Frauen.
Empfohlen werden Glitazone in Deutschland deshalb vor allem dann, wenn das individuelle Risiko für die genannten Nebenwirkungen gering ist und die Vorteile für Stoffwechsel und Gefäße überwiegen. Glitazone gehören zu den Blutzucker senkenden Substanzen, die nicht zu Unterzuckerungen führen. Häufige Unterzuckerungen werden ebenfalls mit einem erhöhten Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko in Verbindung gebracht und sind für die Betroffenen immer einschneidende Ereignisse.
Im November 2008 hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) festgestellt, dass Glitazone für definierte Patientengruppen einen belegbaren Nutzen haben können. Im gleichen Gutachten hat es auch die seit längerem bekannten Nebenwirkungen dokumentiert. In den USA ist die Diskussion noch nicht abgeschlossen: Die FDA plant im Juli 2010 ihren Abschlussbericht nach Auswertung der RECORD-Studie. Diese untersuchte Nutzen und Nebenwirkungen von Avandia und wurde auf der Jahrestagung der American Diabetes Association 2009 vorgestellt. „Aus den vorgestellten Ergebnissen ergab sich kein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte“, betont Professor Dr. med. Horst-Harald Klein, Vorsitzender des Ausschusses Pharmakotherapie bei Diabetes der DDG. „Uns liegen derzeit keine neueren Daten vor, so dass darüber hinaus gehende Einschätzungen vermutlich vor der Auswertung durch die FDA im Juli 2010 nicht möglich sind.“
Ärzte müssen deshalb gemeinsam mit den Patienten entscheiden, ob der Einsatz der Präparate sinnvoll ist. Entscheidend hierbei ist das Nutzen-Risiko-Profil jedes Patienten. Auch andere Therapieoptionen haben – wie alle wirksamen Medikamente – ebenfalls Nebenwirkungen.
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