Die am 29.01.2000 während des 13. Halleschen Symposiums für Herz/Kreislauf Medizin gegründe-te Diabetesgesellschaft Sachsen-Anhalt (DGSA) e.V. hat mittlerweile 137 aktive Mitglieder. Die DGSA ist nach wie vor eine eigenständige Gesellschaft in Sachsen-Anhalt, die in enger Koope-ration mit der DDG tätig ist. Oberstes Ziel der DGSA ist die weitere Verbesserung der Qualität der Versorgung der an Diabetes mellitus erkrankten Patienten.
Am 29.11.2003 fand die nun mittlerweile 4. wissenschaftliche Jahrestagung der DGSA in Magde-burg statt. Diese Jahrestagung war dem Thema „Diabetes im Lebenszyklus“ gewidmet und beschäf-tigte sich mit der Erkennung und den differentialdiagnostischen Gesichtspunkten des MODY-Diabetes, besprach Besonderheiten in der Insulintherapie des Typ-1 Diabetes im Kindes- und Ju-gendalter, analysierte die Typ-2 Epidemie bei Kindern und Jugendlichen, umriss die Problematik Diabetes und Essstörung und befasste sich mit dem Thema „Diabetes im höherem Lebensalter“. Im Anschluss an die wissenschaftliche Jahrestagung fand dann die alljährliche Mitgliederversamm-lung der DGSA statt, bei der satzungsgemäß ein neuer Vorstand gewählt wurde.
Auch das Jahr 2003 war durch viele Aktivitäten auf unterschiedlichen regionalen Ebenen geprägt. Folgende Themenschwerpunkte bestimmten die Jahrestätigkeit 2003:
- DMP Typ-2 Diabetes mellitus Auf Grund der Einführung des Disease Management Programms Typ-2 Diabetes hatten die Kran-kenkassen in Sachsen-Anhalt noch im Jahr 2002 alle bestehenden Verträge betreffs Typ-2 Diabetes gekündigt, um möglichst zeitnah DMP-Verträge für die chronisch kranken Typ-2 Diabetiker ab-schließen zu können. Das Interesse des Vorstandes der KV lag in der Weiterführung der guten Ver-sorgung der Diabetiker in Sachsen-Anhalt und am weiteren Ausbau der Zusammenarbeit zwischen den Hausärzten und Fachärzten sowie den 40 diabetologischen Schwerpunktpraxen. Der Vertrag mit der AOK und IKK Sachsen-Anhalt wurde bereits vom Bundesversicherungsamt (BVA) zum 09.04.2003 akkreditiert. Die BKK, die Bundesknappschaft und die Ersatzkassen haben ihre DMP-Verträge zur Akkreditierung beim BVA eingereicht bzw. zur Einreichung vorbereitet und erwarten ebenfalls einen positiven Bescheid. Da Sachsen-Anhalt als erstes Bundesland einen DMP-Vertrag Typ-2 Diabetes erfolgreich verhandelt und umgesetzt hat, gab und gibt es zahlreiche Probleme, die die Umsetzung der DMP in den Praxisalltag erschweren. Eine Vereinfachung ist insbesondere bei der Dokumentation und der Datenübermittlung notwendig. Vor allem ist eine praktikable Lösung des Unterschriften-Verfahrens erforderlich. Des Weiteren fordern wir Ärzte die Realisierung einer beleglosen Dokumentation. Der Inhalt der DMP-Dokumentation ist durch die Rechtsverordnung festgesetzt und somit in einem aufwendigen Verfahren durch Änderung der Rechtsverordnung neu zu definieren. Vertreter von Hausärzten und diabetologischen SPP erarbeiteten kritische und praktikable Veränderungsvorschläge bezüglich der weiteren Dokumentation, die dem zuständigen Koordinierungsausschuss sowie den politischen Vertretern mit dem Ziel, eine entsprechende Änderung der Rechtsverordnung zu errei-chen, zugearbeitet wurden. Um das DMP Typ-2 Diabetes praktikabel zu gestalten, fordern wir den Abbau der derzeitigen bürokratischen Hindernisse.
Leider haben bisher immer noch nicht alle Krankenkassen ihre Pflicht der Ausgabe der DMP-Versichertenkarten vollständig umgesetzt. Die neuen Versichertenkarten sind dringend notwendig. Sie dienen uns Hausärzten und weiterbehandelnden Ärzten, insbesondere den diabetologischen SPP als Beleg dafür, dass die Patienten RSA-wirksam in das DMP eingeschrieben sind. Die KV’en wirken weiterhin auf die Krankenkassen ein, die Versichertenkarten zügig und unproblematisch auszutauschen.
Bis zum 13.11.2003 erklärten insgesamt 1019 Ärzten ihre Teilnahme am DMP, darunter alle diabe-tologischen Schwerpunktpraxen. Bisher konnte die Datenstelle in Leipzig, die Inter-Forum Data-Service GmbH, ca. 47.000 Teilnahmeerklärungen, ca. 50.000 Erstdokumentationen sowie ca. 19.000 Folgedokumentationen seit Beginn der Programme registrieren. Mit Stand 07.11.2003 sind ca. 42.500 Versicherte aller teilnehmenden Krankenkassen aufgrund vollständiger und plausibler Teil-nahmeerklärung und Erstdokumentation im DMP eingeschrieben.
Trotz allem sehen wir eine Gefährdung für die derzeitige strukturierte Diabetikerversorgung. Trotz hoher Einschreiberaten und hoher initialer Motivation der am DMP beteiligten Ärzte zeichnet sich auch eine hohe Resignationsrate ab. Ursache dafür sind die vorhersehbaren und vorhergesehenen Probleme, wie
- fehlende strenge Orientierung an die Evidenzbasierten Leitlinien der Fachgesellschaften,
- zu umfangreiche und widersprüchliche Dokumentation bei fehlenden fachlichen Prüfkriterien (ausschließlich formale Plausibilitätsprüfung, häufig im Widerspruch zum medizini-schen Sachverstand),
- verfehlte Logistik der Gesamtdurchführung des DMP,
- fehlendes Evaluierungskonzept,
- fehlende Hinterfragung und Transparenz des finanziellen Transfers mit einer entsprechenden Konsequenz für alle Beteiligten,
- unzulässige Belastung des Arzt/Patienten Verhältnisses,
- Umlenkung von Zeit und Geld aus der unmittelbaren Patientenbetreuung in die Verwaltung ohne sicherbare und sichtbare Qualitätskriterien,
- Beginn der Zerstörung der innerärztlichen Solidarität durch Einstieg in Einzelverträge mit Realisierung eines Einkaufsmodells der Kassen und Auflösung der bisherigen Versorgungs-strukturen.
Da die Umsetzung des DMP in allen Bundesländern gleiche oder ähnliche Probleme aufwirft, war eine Positionierung auf regionaler Ebene unbedingt notwendig. In Altenburg wurde eine „Initiativ-gruppe Mitteldeutschland“ gegründet, in der Vertreter aus Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt gemeinsam die aktuelle Situation des DMP Typ-2 Diabetes diskutierten, eine Analyse der jetzigen Ist-Situation erstellten und gemeinsam eine Fragebogenaktion (auf Grundlage eines Fragebogens der Bundesärztekammer) starteten, um per Rückfrage bei den Hausärzten zu erkunden, welche Proble-me und Hürden bei der täglichen praktischen Umsetzung der DMP gesehen werden. - Internetauftritt
Zur Mitgliedersammlung der DGSA am 3.12. konnten wir eine eigene Webseite präsentieren, die unter www.diabetiker-sachsen-anhalt.de aufgerufen werden kann. Damit wird das im Jahr 2002 er-schienene regionale Mitteilungsblatt abgelöst. Diese Seite ist allen Interessierten zugänglich, über einen internen Bereich dient sie auch dem Austausch interner Informationen und ist mittels Links mit anderen Informationsträgern (z.B. der DDG) verknüpft. - Teilnahme von Vertretern der DGSA an den turnusmäßigen Treffen der Regionalgesellschaften am 29./30.11.2002 in Berlin, am 25.04.2003 in Frankfurt und am 28./29.11.2003 in Berlin.
- Folgende Projekte wurden durch die DGSA unterstützt:
- Jahrestreffen der Klinikärzte aus Sachsen-Anhalt in Hohenmölsen am 7./8.11.2003
- Vorsorgekuren für Kinder – hier ein spezielles Computerprojekt
- Hospitation von Klinikärzten – hier speziell Hypoglykämie-Wahrnehmungs-Training
- Regionalgruppe des DDB in Sachsen-Anhalt, zu der mittlerweile 26 Selbsthilfegruppen zäh-en - Ausbildung von Diabetesassistentinnen (20.01. - 31.01.03 und 24.03. - 04.04.03)
- Prüfung von Klinikärzten zum Diabetologen DDG
- Durchführung verschiedener Veranstaltungen
| 25.01.2003 | 9. Magdeburger Symposium für Endokrinologie und Stoffwechsel |
| 02.04.2003 12. | Qualitätszirkel für Ärzte in Hohenmölsen „Der Diabetes als kardiovaskuläre Risikoerkrankung in Praxis und Klinik“ |
| 09.04.2003 | Qualitätszirkel für Praxispersonal in Hohenmölsen |
| 12.04.2003 | 5. Diabetikertag in Hohenmölsen „Gefäßerkrankungen bei Diabetes mellitus, US-Doppler für Schwestern“ |
| 12.05.2003 | Gründung und erstes Treffen der Kinder-Selbsthilfegruppe |
| 24.05.2003 | Diabetikertag Sachsen-Anhalt in Halberstadt |
| 14.06.2003 | Pflichtfortbildung für Diabetesassistentinnen DDG |
| 28.06.2003 | Diabetesforum in Quedlinburg |
| Juli 2003 | Diabetesfreizeit mit Typ-1 Diabeteskindern in Darlingerode |
| Juli 2003 | Vorsorgekur für Kinder und Jugendliche in Hohenmölsen |
| 03.09.2003 | 13. Hohenmölsener Qualitätszirkel für Ärzte und Schwestern |
| 29.09.2003 | 2. Treffen der Kinder-Selbsthilfegruppe |
| 24./25.10.03 | Herbstsymposium Arbeitskreis diabetologisch tätiger Klinikärzte S-A |
| 14.11.2003 | Veranstaltungen zum Weltdiabetestag an verschieden Orten |
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15.11.2003 |
Diabetikertag im KH Staßfurt – Schwerpunkt diabetisches Fußsyndrom |
8. Ingangsetzung eines Prozesses der Umgestaltung der Diabeteskommission Sachsen-Anhalt von einer praktisch bedeutungslosen Kommission zu einer echten Fachkommission, die besetzt mit kompetenten Vertretern aus Praxis und Klinik maßgeblich die Diabetikerversorgung in Sachsen-Anhalt mitbestimmt.
(gez. Dr. Silvia Hildebrandt)
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