Mitglieder:
H. Finck, Fulda, Vorsitzender
K.D. Becherer (Jurist), Hannover
D. Blechschmidt, Nördlingen
Ch. Kazda, Oberursel
L. Malcherczyk, DDB, Fürth
T. Möhwald, Hannover
K. Rinnert, Erftstadt
A. Schmelzer, Jena
W. Schütt, VDBD, Eckernförde
Im Jahre 2001 wurden folgende Themen im Ausschuss SOZIALES beraten und bearbeitet:
1. Diabetes und Diskriminierung
2. Arbeitsmedizinische Aspekte beim Diabetes mellitus
3. Migrantinnen und Migranten mit Diabetes
4. Diabetes und Versicherungen
5. Personalia
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Die Diskriminierung bei Diabetikern blieb das bestimmende Thema einer jeden Sitzung. Die Diskriminierungen beziehen sich auf alle gesellschaftlichen Bereiche, so auf das Berufs- und Arbeitsleben, das Versicherungswesen, aber auch insbesondere auf die Dienstleistungen in Ämtern und Behörden.
Dies war auch Inhalt einer Stellungnahme zu einer Anfrage des Europarates in Strassburg, die über den Präsidenten der DDG an den Ausschuss weitergeleitet wurde. Ziel dieser Stellungnahme war es, dem Ministerrat als "Gesetzgeber" der Europäischen Union Vorschläge zur Prävention von Benachteiligungen ("Disabilities" und "Handicaps") bei chronischen Erkrankungen, hier bei Diabetes mellitus zu machen. Zunächst wurden die krankheitsbedingten Schwierigkeiten und Benachteiligungen, die Menschen mit Diabetes mellitus erleben können, im sozialen und beruflichen Umfeld aufgezeigt. Die Vorschläge zur Prävention von Benachteiligungen wurden zu folgenden Breichen erarbeitet: - Aktivitäten des täglichen Lebens - Leben zu Hause - Familienleben - Leben in der Gesellschaft - Schule und Weiterbildung - Freizeit, Kultur und Sport - Transport und Mobilität - öffentliches Leben, Unterbringung und Wohnen - Zugang zur Gesundheitsversorgung - Zugang zu Gebäuden und Transportmitteln - Arbeitsleben. Die für den Europarat in Strassburg vom Ausschuss Soziales erarbeitete Stellungnahme soll als Fernziel die Prävention von Benachteiligungen bei chronischen Erkrankungen durch geeignete Gesetzgebungsaktivitäten auf europäischer Ebene haben. Es wird noch weiter darüber zu berichten sein.
Die Hauptschwierigkeit besteht nach wie vor in der offenen oder versteckten Diskriminierung von chronisch Kranken, in diesem Fall von Diabetikern. Zahlreiche berichtete Beispiele von allen Ausschussmitgliedern zeigen, dass dabei eine offene Benachteiligung, z. B. bei der Berufswahl, selten direkt erkennbar ist, da diese in der Regel auch gesetzeswidrig ist. Häufiger kommt es zu einer versteckten Diskriminierung, die oft in einer benachteiligenden Auslegung von gesetzlichen Regeln oder Vorschriften besteht. Natürlich hat ein Arbeitgeber, eine Behörde oder auch die Gesellschaft ein berechtigtes Interesse an einer Risikoreduktion für die Menschen in ihrem Verantwortungsbereich. Aber es muss hier mit gleichem Maß gemessen werden. Wird eine Risikoerhöhung in einer gesellschaftlichen Gruppierung toleriert, ein evtl. geringeres Risiko bei Menschen mit Diabetes aber durch Gesetze oder Vorschriften von der Gesellschaft nicht akzeptiert, so handelt es sich auch hierbei um eine relevante, aber schwer zu erkennende Benachteiligung bzw. Diskriminierung durch die Gesellschaft. Es ist also zu fragen, welche Risiken die Gesellschaft toleriert oder welche sie sich leisten will. Hier ist Aufklärung gefragt. Darüber hinaus sollte für Menschen mit Diabetes das Soziale Netz mit seinen zahlreichen Möglichkeiten und Institutionen vereinfacht und damit transparent und effektiv werden. Dies würde ebenfalls zu einer spürbaren Verbesserung der gegenwärtigen Situation beitragen.
Diese Aspekte sind der Schwerpunkt der Arbeit des Ausschuss SOZIALES und ziehen sich als roter Faden durch alle Themenbereiche, die bearbeitet wurden.
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Arbeitsmedizinische Probleme rückten zunehmend in den Vordergrund. Dabei wurden und werden verschiedene praxisrelevante Themen bearbeitet: So wird in Kürze eine Empfehlungen zur Auswahl von Sicherheitsschuhen für Diabetiker in Zusammenarbeit mit Diabetologen, Arbeitsmedizinern und Orthopädieschuhmachern erstellt. Mittelfristig soll eine Empfehlung zur Beurteilung beruflicher Möglichkeiten von Personen mit Diabetes in der Form einer Berufsgenossenschaftlichen Information (BGI) erarbeitet werden. Diese soll berufliche Benachteiligungen auch durch die verbindlich vorgeschriebene Einbeziehung der Empfehlung von Diabetologen in die arbeitsmedizinischen Beurteilung verhindern helfen.
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Die bessere Versorgung und der Abbau von diskriminierenden Verfahrensweisen bei Migrantinnen und Migranten mit Diabetes war ein weiteres Thema, das praxisnah bearbeitet wird. So wurde und wird, zunächst für die Region Köln, ein Gesundheitswegweiser für Migrantinnen und Migranten mit Diabetes erstellt. Darin werden für Diabetes-relevante Fachbereiche muttersprachliche Therapeuten aufgeführt. Der Wegweiser wird kurzfristig erstellt und kann als Vorlage für ähnliche Projekte in anderen Regionen genutzt werden.
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Ein neuer Anlauf soll genommen werden zur Vereinbarung von günstigen Konditionen für Menschen mit Diabetes mit Anbietern von Versicherungen. Daneben hat und wird die Umgestaltung des Sozialversicherungssystems in Deutschland erhebliche Veränderungen und damit vor allem Mehrkosten für die Versicherten mit sich bringen. Auch hier wird es darum gehen, Härten und Diskriminierung zu vermeiden
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Im Jahr 2001 ist nach langjähriger Tätigkeit im Ausschuss SOZIALES Herr Becherer, Hannover, ausgeschieden. Herrn Becherer sei ganz herzlich für seine engagierte und kompetente Unterstützung der Ausschussarbeit gedankt. Sein Nachfolger und Berater des Ausschusses in juristischen Fragen ist Herr Torsten Möhwald, ebenfalls aus Hannover.
Neu aufgenommen in den Ausschuss SOZIALES wurden Herr Dr. Christoph Kazda, Internist und Diabetologe aus Oberursel als Vertreter des BDKJ und Herr Wolfgang Schütt, Dipl.-Sozialpädagoge und Diabetesberater DDG aus Eckernförde, als Vertreter des VDBD.
Auf Vorschlag von Herrn Dr. Finck und nach Zustimmung durch den Präsidenten und den Vorstand der Gesellschaft hat Herr Dr. Rinnert, Arbeitsmediziner, Internist und Diabetologe aus Köln, im November 2001 den Vorsitz des Ausschuss SOZIALES von Herrn Dr. Finck übernommen. Herr Dr. Rinnert bedankte sich bei allen Verantwortlichen für das große entgegengebrachte Vertrauen. Die Ausschussmitglieder dankten Herrn Dr. Finck für die langjährige Leitung des Ausschuss SOZIALES, der diese mit außergewöhnlichem Einsatz seiner verfügbaren Zeit und Kräfte und mit hervorragender Fachkompetenz ausgefüllt hat und dabei dem Ausschuss und seiner Arbeit zu großer Anerkennung und Erfolg verhalf.
Dr. med. Kurt Rinnert
Vorsitzender des Ausschusses
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