Tätigkeitsbericht 2003
Gründung
Die Gruppe Diabetes und Migranten wurde im Mai 2003 vom Vorstand offiziell als Arbeitsgemeinschaft der DDG anerkannt. Die DDG mit ihrem Präsidenten Professor Landgraf hat damit das Ziel der AG, die Verbesserung der Versorgung von Migranten mit Diabetes, zu einem erklärten Ziel der DDG gemacht. Die AG ist (noch) eine zahlenmäßig kleine Gruppe (ca. 50 Mitglieder). Ihre Selbstdarstellung findet sich in „Diabetologie Informationen“ Nr. 5, 2003.
Zielgruppe sind ca. 600.000 Migranten mit Diabetes, die nicht wegen ihres Migrationshintergrundes eines besonderen Augenmerks bedürfen, sondern wegen der bei ihnen überdurchschnittlich häufig anzutreffenden sozialen Handicaps wie ungenügende Schulbildung, Analphabetismus, mangelnde Informiertheit und ungenügende Sprachkenntnisse. Die Deutsche Diabetologie kann selbstverständlich nicht die aus unterschiedlichen Gründen mangelhafte Integration dieser Bevölkerungsgruppe herbeiführen, aber sie kann auch nicht untätig bleiben angesichts drohender Folgeschäden und –Kosten. Die Güte der diabetologischen Betreuung von Migranten ist eine wissenschaftliche und medizinische Herausforderung und ein Indikator für die soziale Sensibilität (auch gegenüber deutschen Patienten der Unterschicht) der DDG, für die kreative Phantasie ihrer Vertreter in Klinik und Praxis.
Die ausschließlich positiven Reaktionen auf die Gründung der AG müssen daher in verstärkter Mitarbeit Ausdruck finden, damit die an sie gerichteten Erwartungen in Zukunft noch besser erfüllt werden können.
Aktivitäten vor Ort
Die meisten Mitglieder sind im Alltag täglich mit den Versorgungsproblemen von Migranten konfrontiert. Es haben sich bereits unterschiedliche Gruppen, Konzepte und Projekte herausgebildet, die es zu vernetzen und öffentlich zu machen gilt. Die AG trägt Erfahrungen zusammen, fördert Kooperationen, erarbeitet neue Konzepte und will vorhandenes Material und vorliegende Schulungskonzepte (z.B. MEDIAS in türkischer Sprache) nutzen und kritisch bewerten. Vor Ort ist immer wieder der therapeutische Nihilismus, das Vorurteil, Migranten seien „aus kulturellen Gründen nicht schulbar“ zu widerlegen. Diese Arbeit findet z.B. statt im „Deutsch-türkischen Freundeskreis“, Bensheim, im „Kölner Arbeitskreis Migranten mit Diabetes“ (Prof. Mies, Payam Ardjomand, Antonius-Hospital), durch Kooperation mit Arbeiterwohlfahrt und Diakonie in Berlin, Vorträge und Diskussionen in Qualitätszirkeln und den Regionalgruppen der DDG (Hamburg) oder bei islamischen Gemeinden (Egon Manhold, Delmenhorst). Nicht alle Aktivitäten sind uns bekannt, die Aufzählung ist daher unvollständig.
Mitarbeit in der DDG
Seit Dresden 2002 ist die AG bei allen DDG-Jahrestagungen vertreten. Für den Kongress in Hannover ist am 22.5.04 ein Symposium „Diabetes und Migranten“ unter Vorsitz von Professor Nauck vorbereitet worden (11.30 – 13.00 Uhr). Bei der 12. Jahrestagung der „AG strukturierte Diabetesbehandlung“ in Fulda, im März 2003 wurde vom Sprecher der AG Diabetes und Migranten, die Unterversorgung der Migranten mit Diabetes als größtes strukturelles Qualitätsdefizit herausgestellt.Es wurde vorgeschlagen, spezielle Items zur Identifikation dieser Patientengruppe in zukünftige Qualitätssicherungs-Maßnahmen aufzunehmen: Muttersprache, Herkunftsland, deutsches Sprachverständnis, Analphabetismus, Zahlenverständnis und Beherrschung der Grundrechenarten. Kontakte bestehen und sollen ausgebaut werden zu anderen Ausschüssen und Arbeitsgemeinschaften der DDG, z.B.: „Ausschuss Soziales“, „AG Diabetes und Schwangerschaft“, „AG strukturierte Diabetes-Therapie“, „AG Diabetes und Herz“ und vor allem „AG Psychologie und Verhaltensmedizin“, bei deren Jahrestagung 2001 zum Thema Diabetes und Migranten die „Bad Neuenahrer Erklärung“ verabschiedet wurde und die Gründungsmitglieder von Diabetes und Migranten zusammenfanden.
Überregionale Aktivitäten
Die (Fach-)Medien haben das Anliegen der AG aufgegriffen und für Verbreitung von Informationen beigetragen. Diabetes News, Subcutan, Diabetes Profi, Der Kassenarzt, regionale Ärzteblätter und Lokalzeitungen haben Berichte und Interviews veröffentlicht.
Zum 8. Bundeskongress „Armut und Gesundheit“ in Berlin im Dezember 2002 war ein Vertreter der AG zum Vortrag eingeladen worden. Die Beiträge sind herausgegeben von Thea Borde und Matthias David im Mabuse Verlag erschienen („Gut versorgt? – Migrantinnen und Migranten im Gesundheits- und Sozialwesen“).
Die Gruppe Schaffner, Demirtas, Yildrim, Eleonorenklinik Winterkasten wurde beim Kirchheim-Forum in Wiesbaden im November 2003 für ihre Arbeit ausgezeichnet: „Qualitätsverbesserung durch neue Strategien der Diabetes-Einstellung und Schulung bei türkischen Migranten“. Ein wichtiges Ergebnis ihrer Analyse ist, „dass die bloße Übersetzung der bereits vorhanden deutschen Schulungsprogramme dieser Patientengruppe nicht gerecht wird.“ Dafür seien überwiegend Bildungsdefizite und nicht kulturelle Faktoren verantwortlich.
Die AG hat im Sommer 2003 eine „Erhebung zur Schulungssituation bei Migranten mit Diabetes mellitus“ durch Expertenbefragung per Fragebogen angestellt. Die Ergebnisse wurden im Rahmen einer Konsensusfindung nach dem Delphi-Verfahren ausgewertet und beim Kirchheim-Forum in Wiesbaden im November 2003 zur Diskussion gestellt. Ein spezielles Schulungsprogramm für Migranten wird von 93 % für wichtig gehalten, die sprachliche Verständigung sei das Hauptproblem. Mehrheitliche Übereinstimmung besteht über die Bedeutung der unterschiedlichen Ess- und Lebensgewohnheiten, des Führens eines Tagebuchs, der BE.-Berechnung, der Vermittlung der vermeidbaren Folgeschäden. Dem ungenügenden Wissen und damit fehlenden Krankheitsverständnis sei auch durch Information innerhalb der jeweiligen Migrantengruppe, durch Einschaltung der in Deutschland verbreiteten ausländischen Medien, Einbeziehung der Moscheen und Ausländer-Beiräte zu begegnen. Die Ergebnisse sind unter www.diabetes-world.net nachzulesen.
Besondere Bedeutung wird von der AG der Ausbildung von Diabetes-Beratern zugemessen. Im Weiterbildungs-Curriculum in Rheine ist mit Erika Helfrich-Brandt ein Mitglied der AG mit diesem Thema präsent. Die AG tritt dafür ein, den Komplex „Diabetes und Migranten“ in allen Weiterbildungseinrichtungen zum Thema der Ausbildung zu machen und ist bereit, dafür Referenten zu vermitteln.
In Bochum hat Afra El Scheich ein Netzwerk fremdsprachiger Diabetesberaterinnen initiiert sowie eine in ständiger Erweiterung befindliche Liste von Schulungsmaterialien und fremdsprachigen Medien erstellt.
Die AG wirbt bei Kongressen und Veranstaltungen mit einem Flyer für ihr Anliegen und für Mitarbeit, der Interessierten zur Verfügung gestellt wird.
In Berlin läuft ein von der EU gefördertes und von „Gesundheit Berlin e.V.“ getragenes Projekt „Gemeinde Dolmetscher“ an, an dem sich Mitglieder der AG beteiligen.
Die AG hat im Januar 2003 in einem Offenen Brief an die Entscheidungsträger für das DMP Diabetes Typ 2 die adäquate Berücksichtigung von Migranten, möglichst niedrige Zugangsschwellen für das DMP sowie eine angemessene Honorierung des aufwendigen Beratungsbedarfs für diese Patientengruppe gefordert.
Andrea Demirtas, Bensheim erstellt zur Zeit in Zusammenarbeit mit dem Kirchheim Verlag eine bebilderte Broschüre für türkische Patienten mit Typ 2 – Diabetes, die das Krankheitsbewußtsein und die Motivation zu einer Schulung fördern soll. Es ist die Bildergeschichte einer Patientin. Mit markanten Graphiken und Symbolen sollen besondere Situationen und typische Probleme nonverbal verdeutlicht werden. Eine spätere Weiterübersetzung in andere Fremdsprachen ist geplant.
Die AG Diabetes und Migranten lädt ein zur Mitarbeit!
Dr. Bernd Kalvelage, Sprecher
Krieterstraße 30, 21109 Hamburg
Tel.: 040/ 7541337
Fax: 040/31182885
e-mail: DiabundMigran@AOL.com
| Weiterempfehlen |



www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de


