Tätigkeitsbericht 1999
Unter dem Druck der klinischen Entwicklung einer Morbiditäts- und Mortalitätsverdichtung in der klinischen Diabetologie zu vor allem kardiovaskulären ischämischen Erkrankungen hatte die Deutsche Diabetes Gesellschaft 1997 der Gründung einer AG "Diabetes und Herz" zugestimmt, die das bis dahin institutionell nicht bearbeitete Thema aufgreifen und koordinieren sollte. Bereits bei der Gründung und den darauffolgenden zwei Symposien mit den entsprechenden Mitgliederversammlungen wurde als explizite Absicht formuliert, daß diese Aktivität nur in offener Gemeinsamkeit mit der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie erfolgversprechend zu gestalten ist. Prof. Tschöpe als Sprecher der AG "Diabetes und Herz" hat dieses Mandat wahrgenommen und zusammen mit Prof. Motz als Vertreter der DKG eine komplementäre Arbeitsgruppe in der DKG aufgebaut. Die Gründung dieser AG "Herz und Metabolisches Syndrom" wurde dann bei der Herbsttagung nach Zustimmung des Vorstandes der DGK 1998 in Leipzig offiziell vollzogen. Vorgesehen sind jeweils zwei Sprecher, die durch die beiden Fachgesellschaften paritätisch besetzt werden sollen. Das Gründungsstatut/ Satzung wahrt dabei jeweils strikt die Regularien der jeweiligen Fachgeselischaft. Mitglieder der jeweiligen Bruder-AG werden zu den Veranstaltungen der AG's gegenseitig eingeladen. Mitglieder der einen AG sind automatisch geborene Mitglieder in der komplementären AG, sofern sie der zuständigen Fachgesellschaft zugehören.
Die Veranstaltungen anläßlich der Jahrestagungen sollen aufeinander abgestimmt werden. Die Veröffentlichung aktueller Studien in beiden Themen (UKPDS, DIGAMI, ECLA, EPISTENT) war Grundlage dieser Entscheidung. Dies wurde erstmals 1999 umgesetzt: Frühjahrstagung DGK: "Die interventionelle Behandlung des koronarkranken Diabetikers" Jahrestagung DDG: "Die metabolische Behandlung des koronarkranken Diabetikers". Beide Veranstaltungen waren gut besucht und gaben einen Abriß über die klinisch relevanten Entwicklungen. Die AG "Diabetes und Herz" hat damit nunmehr drei wissenschaftliche Symposien gestaltet (Diabetes und KHK, Lübeck 1997; Endothelschutz, Leipzig 1998 und Stoffwechseltherapie bei KHK, s.o., Frankfurt, 1999), deren guter Besuch die thematische Richtigkeit der AG nachhaltig bestätigt hat. Für das laufende Jahr wird sich die Frühjahrstagung der DGK dem Thema "Myokardinfarkt bei Diabetes mellitus" widmen. Dabei wird Gelegenheit sein, mit Herrn Prof. Malmberg die DIGAMI Daten, insbesondere aber auch die Folgeaktivitäten zu diskutieren. Bei der Jahrestagung der DDG wird es auf Grund der zeitlichen Knappheit in diesem Jahr zu einer wissenschaftlichen Standortbestimmung der Aktivitäten der AG kommen, bei der Ihre aktive Mitarbeit und Diskussionsbeiträge dringend erwünscht sind. Das Programm wird gesondert angekündigt.
Es war beabsichtigt, die Expertise der AG's, insbesondere auch der wissenschaftlichen Aussprache in den Erstellungsprozeß von Therapiestandards und Leitlinien durch die DDG miteinzubringen. Dem ist durch die Berufung von Herrn Prof. Petzold und Prof. Tschöpe durch den Koordinator des Themenbereiches "Makroangiopathie, Herz und Hypertonie" Hern Prof. Standl Rechnung getragen worden. Neben der Beteiligung an der Aussprache über die jeweils vorgelegten Arbeitsstatements aus dem Institut von Herrn Prof.Lauterbach, ist dies auch in ausführlichen schriftlichen Statements geschehen. Der erste Entwurf zum Themenbereich "Hypertonie" ist zwischenzeitlich in "Diabetes und Stoffwechsel" zur Diskussion gestellt worden. Es wurde auf der letzten Mitgliederversammlung ausdrücklich die z.T. auch berufspolitisch herausragende Wichtigkeit dieses Leitlinienprozesses hervorgehoben. Es wurde die Meinung formuliert, dass sich alle AG Mitglieder breit an der Diskussion der Vorlagen beteiligen sollten. Eine diesbezügliche Aktivität ist in der DGK noch nicht vergleichbar fortgeschritten. Herr Prof. Motz hat eine orientierende Sitzung beider AG's in Karlsburg für dieses Jahr vorgeschlagen.
Zwischenzeitlich sind die Arbeiten zur Formulierung eines standardisierten Datensatzes für kardiologisch-angiologische Studien unter Federführung von Herrn Priv.Doz.Jacob gut vorangekommen. Diese Aktivität leitet sich ab von den derzeit unter Aspekten der Versorgungsforschung entstehenden Register, insbesondere in interventionellen Bereichen. So wurde eine entsprechende Aktivität im Rahmen des Community Medicine Projektes vom Herz- und Diabeteszentrum Mecklenburg-Vorpommern auf der Gründungsversammlung der AG Herz- und Metabolisches Syndrom 1998 vorgetragen. Ein gestufter Vorschlag (obligatfakultativ-optimal), der sich auf epidemiologische Studienevidenz gründet, wurde zwischenzeitlich den Mitgliedern der AG mit der Bitte um Kommentierung und Rücksendung zugesandt. Es ist beabsichtigt, das abgestimmte Dokument dieses Jahr in München zu diskutieren, als offizielle Meinungsbildung beider AG's zu verabschieden und noch in diesem Jahr zeitnah zu publizieren. Im Erfolgsfalle wäre so eine Entsprechung zu den Aktivitäten der AHA (z.B. Executive Summary zur Präventionskonferenz V, Circulation 1/2000) denkbar.
Hinzuweisen bleibt auf die Gründung der Stiftung "Der herzkranke Diabetiker" in der Deutschen Diabetes Stiftung auf Initiative des Sprechers der AG. Mit dieser Aktivität soll eine Brücke zwischen betroffenen Patienten, versorgenden ärzten und Forschern geschlagen werden. Prof. Petzoldt und Prof. Tschöpe gehören u.a. als Vertreter der AG's dem wissenschaftlichen Beirat bzw. dem Kuratorium an. So soll einerseits mehr öffentliches Bewusstsein für das gemeinsame Problem des gefäßkranken Diabetikers in der vaskulären und Stoffwechsel-Medizin geschaffen werden, andererseits aber durch gezielte Anreize die Forschung an dieser so relevanten und interessanten Nahtstelle zwischen den Bereichen gefördert werden. In diesem Sinne verdient der Förderpreis 2000 der Stiftung, der mit 20.000.- DM dotiert ist, besondere Aufmerksamkeit.
Eine Reihe weiterer Aktivitäten ist angedacht, über die nächstens berichtet werden kann. In jedem Fall spiegelt die internationale Entwicklung zum Thema die Richtigkeit des Gründungskonzeptes der Arbeitsgruppen. Neben LANCET Sonderheft und einer ESC gesponserten Veranstaltung im European Heart House Ende, findet sich das Thema nunmehr im Core Curriculum des American College of Cardiology. Damit wird der epidemiologischen Bedeutung ischämischer Herzerkrankungen beim Diabetiker, ihrer schlechten Prognose im natürlichen Erkrankungsverlauf sowie dem überproportional schlechten Ansprechen auf tertiär revaskularisierende Maßnahmen entsprochen. Diese Erkenntnisse treffen sich mit den deutschen Erfahrungen, wobei allerdings als neue Erkenntnis die Häufigkeit metabolischer Störungen bei Patienten mit primär kardiologischen Leitdiagnosen gelten darf.
Für die Diabetologie hat Prof. Standl mit seiner herausragenden Vorlesung "The Diabetic Sweetheart- from Ailing to Failing" anlässlich seiner Ehrung mit dem Camillo- Golgi Preis bei der EASD dieses Jahr in Brüssel den Anspruch und die Expertise zum Thema "Diabetes und Herz" exzellent formuliert. Ihm gebührt hierfür besonderer Dank und Anerkennung.
Prof. Dr. Diethelm Tschöpe
(l. Sprecher der AG)
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