2006
Ziel der Arbeitsgemeinschaft Prävention ist die Entwicklung und Begleitung der Implementierung von Maßnahmen zur primären Prävention des Typ 2 Diabetes in Deutschland. Um diesem Ziel nahe zu kommen, wurde eine Kooperation mit der Projektgruppe Prävention des Nationalen Aktionsforums Diabetes mellitus (NAFDM) eingegangen. Das zeichnete sich durch eine gemeinsame Arbeitstagung der Projektgruppe Prävention des NAFDM mit der AG P2 der DDG im November 2005 in München aus. Bis zum heutigen Zeitpunkt arbeiten beide Gruppen eng zusammen. Durch diese Zusammenarbeit können Synergieeffekte aus der wissenschaftlichen Gesellschaft und den politischen Arbeitsgruppen sowie in Kooperation mit Kassen effektiv ausgenutzt werden. Beide Gruppen richten sich in ihrer Arbeit an verschiedenen Projekten aus, die einzeln jeweils Bausteine auf dem Weg zur erfolgreichen Implementierung von primären Präventionsmaßnahmen zur Diabetes-Prävention in Deutschland darstellen. Gemeinsame Projekte waren und sind:
- die Evaluation des Risiko-Fragebogens FINDRISK in der deutschen Bevölkerung
- die Erstellung eines Leitfadens zur Diabetes-Prävention für Deutschland
- Kooperationen mit verschiedenen politischen sowie Standes- Interessenvertretern im Gesundheitssektor in Deutschland
- Erarbeitung eines Curriculums für Präventionsmanager
- Erstellen von Informationsmaterialien für (Hoch-)Risikopersonen
- Erarbeiten einer Projektdatenbank zur Darstellung von Projekte im Diabetes-präventiven Sektor
- Kooperation mit der EU-Kommission beim Erstellen eines Projektantrages für das Projekt IMAGE und Kooperation mit den politischen und gesundheitspolitischen Bestrebungen der Arbeitsgruppe Gesundheitsziele Diabetes in Sachsen.
Zu 1. Evaluation des FINDRISK Risiko-Fragebogens:
Die Projektgruppe Prävention NAFDM hat mit den Kooperationspartnern der AG P2 sowie der Deutschen Diabetes-Stiftung (DDS) ein 3-schrittiges Konzept entwickelt, wie ein nationales Präventionsprogramm implementiert werden könnte. Dieses Konzept wurde von Gesundheitsziele.de aufgenommen und als Vorlage für ein nationales Präventionsprogramm zur Prävention des Typ 2 Diabetes ausgewählt. Das 3-schrittige Konzept besteht in einem ersten Schritt aus effektiven Maßnahmen zum Sreening, um Risikopersonen mit einem erhöhten Diabetes-Risiko zu finden, zweitens der zeitlich begrenzten Intervention mit dem Ziel eine Motivation für Lebensstil-Änderung aufzubauen und drittens kontinuierlichen Maßnahmen, um eine Motivation zur Lebensstil-Änderung zu erhalten und zu verstärken und eine Umsetzung der Lebensstil-Änderung effektiv zu begleiten.
Entscheidend dabei ist der erste Schritt, die Erkennung von Risiko-Personen. Die Projektgruppe Prävention stellte sich deswegen der Frage, den in Finnland entwickelten und erfolgreich evaluierten Risiko-Fragebogen auch für Deutschland zu evaluieren. Dazu wurde in Kooperation mit der Technischen Universität Dresden und der AG P2 dort ein Forschungsprojekt umgesetzt, welches von der DDS finanziell unterstützt wurde. Dieses Projekt war auf zwei Jahre angelegt und ist im August 2006 abgeschlossen worden. Ergebnisse dieses Projektes zeigen, dass der Risiko-Fragebogen FINDRSK excellent geeignet ist, um in der deutschen Bevölkerung nach Risiko-Personen für Typ 2 Diabetes zu suchen. Entscheidendes Argument für den Fragebogen ist, dass er ohne Laboruntersuchung auskommt und von daher bundesweit dezentral in unterschiedlichen Medien eingesetzt werden kann. Er eignet sich damit ideal für eine bundesweite Kampagne, um auf erhöhtes Diabetes-Risiko aufmerksam zu machen. Der Fragebogen besteht aus 8 Fragen. Die Antworten auf diese 8 Fragen ergeben Punkte. Die Punkte zusammen ergeben einen Score, wobei mit jedem steigenden Scorepunkt das prädiktive Diabetes-Risiko, in den nächsten 10 Jahren an einem Diabetes zu erkranken, steigt. Diese Korrelation mit dem Diabetes-Risiko ist in Deutschland gleichartig für Männer und Frauen nachzuweisen. Gleichzeitig korreliert der Score auch mit klinischen Surrogatparametern für ein erhöhtes Diabetes-Risiko nahezu ideal. Beispielsweise genannt seien hier die Insulinresistenz und der HbA1c sowie ebenfalls Blutdruck und auch Lipidwerte. Somit kann die Projektgruppe Prävention auf die erfolgreiche Durchführung und Begleitung dieses wichtigen Evaluationsprojektes zurückblicken. Damit ist ein entscheidender Baustein zur erfolgreichen Umsetzung und Implementation von Präventionsmaßnahmen in Deutschland sichergestellt.
Zu 2.: Entwicklung eines Leitfadens zu Diabetes-Prävention
In der wissenschaftlichen sowie politischen Diskussion um die Umsetzung von Präventionsmaßnahmen zur Diabetes-Prävention in Deutschland stellten sich auf Seiten der beteiligten Berufsgruppen immer wieder folgende Fragen:
- Was soll konkret während der Interventionsmaßnahmen durchgeführt werden?
- Was sind jeweils die Ziele solcher Interventionsmaßnahmen?
- Wie kann anhand medizinsicher Parameter ein Erfolg gemessen werden?
- Welches sind die Evaluationskriterien solcher Interventionsmaßnahmen?
Aus diesem Grund entschied sich die Projektgruppe Prävention des NAFDM für die Erstellung eines Leitfadens zur Diabetes-Prävention, der Antworten auf diese Fragen geben sollte. Um dieses Ziel umzusetzen, wurde gemeinsam mit der AG P2 im November 2005 eine Tagung durchgeführt, bei der eine Erstversion eines solchen Leitfadens diskutiert wurde. Diese Erstversion wurde von Beteiligten der Projektgruppe Prävention des NAFDM auf Grundlage der wissenschaftlichen Evidenz zur Diabetes-Prävention erstellt. Während der Arbeitstagung wurden der Leitfaden, seine Verbreitung und Entwicklungsmöglichkeiten intensiv diskutiert. Als Ergebnis der Tagung wurden etwa 70 Vorschläge zur Verbesserung des Leitfadens von den etwa 80 Beteiligten protokollarisch aufgenommen und in eine zweite Version des Leitfadens eingearbeitet. Diese wurde 8 Wochen nach der Arbeitstagung an alle Beteiligte und verschiedene Meinungsbildner im Diabetes-Sektor in Deutschland verschickt. Von diesen konnten nochmals etwa 30 Vorschläge zur Verbesserung des Leitfadens aufgenommen werden. Alle diese Vorschläge wurden in eine 3. und endgültige Version des Leitfadens eingearbeitet, die dann von den Beteiligten noch mal konsentuiert verabschiedet wurde. Im Mai 2006 war die Endversion mit dem Titel „Leitfaden Prävention Diabetes mellitus Typ 2“ fertig gestellt, und es wurden 10.000 Exemplare gedruckt. Diese wurden auf der Jahrestagung der Deutschen Diabetes-Geslleschaft (DDG) im Mai 2006 in Leipzig verteilt und mit einer sehr guten Resonanz aufgenommen. Im Anschluss daran wurde der Leitfaden in verschiedenen wissenschaftlichen Journalen sowie auch populärwissenschaftlichen Journalen vorgestellt, was zu einer schnellen bundesweiten Verbreitung führte. Wir sind im Moment in der Situation, dass – bis auf wenige Restexemplare – die komplette 1.Auflage dieses Leitfadens verteilt ist und wir eine 2. überarbeitete Auflage des Leitfadens vorbereiten. In diese 2. Version werden verschiedene Aspekte einer konstruktiven Resonanz auf den Leitfaden einfließen, um ihn praxistauglicher und stringenter zu machen.
Zu 3.: Kooperation mit anderen Berufsorganisationen
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Projektgruppe Prävention ist der Ausbau von Kooperationen zu anderen Beteiligten am Prozess der Implementation von Präventionsmaßnahmen. Neben den Krankenkassen spielen die Apotheker dort eine entscheidende Rolle. Aus diesem Grund wurde frühzeitig mit dem Bundesvorstand der Apothekerkammern Kontakt aufgenommen. Diese haben sich in der Vergangenheit auch schon aktiv an der Arbeit der AG P2 beteiligt. Insbesondere wurde die Rolle des Apothekers während der Implementation von präventiven Maßnahmen diskutiert. Die Diskussion ging dabei frühzeitig in die Richtung, dass der Apotheker selbst voraussichtlich nicht Präventionsmanager werden sollte oder auch werden will, die Apotheke aber eine entscheidende Funktion im Screening auf Personen mit erhöhten Diabetes-Risiko hat. Diese Funktion ergibt sich durch die bestechende Infrastruktur von fast 22000 Apotheken in Deutschland und der Tatsache, dass viele auch gesunde Personen in die Apotheke gehen, bevor sie zum Arzt gehen. Die Diskussion mit der ABDA gestaltet sich auch ausgesprochen konstruktiv und endet in einem Entwurf einer gemeinsamen Positionserklärung, die im Rahmen der Fachlichen Steuerungseinheit des NAFDM und der ABDA derzeit diskutiert wird.
Zu 4.: Erarbeitung eines Curriculums für Präventionsmanager
Ein entscheidender Punkt bei der Implementation von präventiven Interventionsmaßnahmen in die Leistungsebene ist die Notwendigkeit, dass gut ausgebildete Interventionsmanager, bei uns Präventionsmanager genannt, zur Verfügung stehen. Deshalb erkannte die Projektgruppe Prävention sehr schnell, dass ein entsprechendes Curriculum die Voraussetzung für die erfolgreiche Ausbildung darstellt.
Im Juni 2006 wurde daher eine „AG Curriculum Präventionsmanager“ ins Leben gerufen, die sich in München am Flughafen zum ersten Mal traf. Mitglieder der Arbeitsgruppen sind die Berufsgesellschaften, die, basierend auf dem Leitfaden der Krankenkassen, die Personen vertreten, die Qualifikationen haben, Interventionsmaßnahmen wie Schulungen oder auch fortschreitende Interventionen durchzuführen. In dem ersten Arbeitstreffen wurden die verschiedenen Interessenslagen und verschiedenen Notwendigkeiten der Kompetenz des Präventionsmanagers diskutiert. In einem 2. Treffen im September in Dresden wurden konkrete Vorschläge erarbeitet, wie das Ausbildungscurriculum gestaltet werden könnte. Dabei wurden unterschiedliche Versionen vorgestellt und in einer konstruktiven intensiven Diskussion einigte man sich auf ein einheitliches Vorgehen. In einem 3. Treffen im November 2006 in Frankfurt konnte dieses Vorgehen spezifiziert werden, es wurden Ausbildungsinhalte, Stundenzahl und Lernziele festgelegt. Dieser Vorschlag, der im Moment mit konkreten Ausbildungsinhalten von den einzelnen Mitgliedern der AG unterlegt wird, wurde im Konsens angenommen. Am 19. Januar 2007 wird es dazu eine finale Diskussion der Inhalte geben im Rahmen einer kleinen Arbeitsgruppe und am 09. März 2007 soll das fertige Curriculum verabschiedet sein. Die Idee, die dahinter steckt, ist, dass Personen mit Qualifikation, die im Leitfaden der Krankenkassen genannt sind, sich weiterbilden können zu einem Präventionsmanager. Diese Ausbildung umfasst derzeit in der im Konsens erarbeitenden Version 4 Wochenenden, insgesamt etwa 100 Ausbildungsstunden incl. Supervision und das Erarbeiten einer Hausarbeit. Die Hausarbeit hat dabei das Ziel, dass der Einzelpräventionsmanager sein Setting vor Ort, in dem er die Risikopersonen finden und bei den Risikopersonen intervenieren will, beschreibt. Die Erarbeitung dieses Curriculums hat bundesweit aber auch EU-weit mittlerweile Beachtung erfunden, so dass im Rahmen des europäischen Projektes IMAGE ein ebenfalls europäisches Curriculum für den Präventionsmanager erarbeitet werden soll. Die Vorlage dafür ist das in Deutschland im Rahmen des nationalen Aktionsforums Diabetes mellitus entwickelte Konzept.
Zu 5.: Erstellen einer Broschüre für (Hoch-) Risikopersonen
Ein weiterer entscheidender Baustein in der Implementierung von Präventionsprogrammen ist die Information der beteiligten Personen. Aus diesem Grund erarbeitet die Projektgruppe Prävention auch an dem Erstellen einer Broschüre für (Hoch-) Risikopersonen zur Prävention des Diabetes mellitus. Hintergrund dazu war, dass, wenn in einem flächendeckenden bundesweiten Screening mittels des FINDRSK-Risiko-Fragebogens Personen mit einem erhöhten Risiko gefunden werden, nur einzelne von diesen sofort sich z.B. bei einem Präventionsmanager melden. Bei vielen Personen erhöht sich in erster Linie der Informationsbedarf über Diabetes-Risiko und welche Interventionsmaßnahmen existieren. Das war die Rationale, für die Projektgruppe Prävention eine Risikopersonenbroschüre zu stellen mit dem Ziel, dort Informationen über Diabetes-Risiko zu geben, Motivation zu einer Lebensstil-Änderung aufzubauen und Wege aufzuzeigen, wie eine Lebensstil-Änderung mit einem diabetespräventiven Charakter umgesetzt werden kann. Die Broschüre befindet sich derzeit in einem 3. Review, eine 1. Version wurde im Juli 2006 von Mitgliedern der Projektgruppe erarbeitet und wurde in einen ersten Review-Prozess gegeben. Aus diesem Prozess kamen kritische Anmerkungen zu Inhalten und Umfang der Broschüre zurück. Das wurde eingearbeitet in einen 2. Review-Prozess gegeben, an dem nochmals Verbesserungsvorschläge entstanden sind und eingearbeitet wurden. Die letzte Version dieser Risikopersonenbroschüre wird derzeit nochmals von Mitgliedern der Projektgruppe Prävention erarbeitet. Ziel ist es, dass die Broschüre Ende des Jahres bzw. Anfang 2007 in gedruckter Form vorliegt. Die Broschüre soll anschließend über Apotheken und im Gesundheitsprozess beteiligte Partner beurteilt werden. In erster Linie ist dabei daran gedacht, dass Personen, die ein erhöhtes Diabetes-Risiko haben, sich mit Hilfe dieser Broschüre informieren können, welche Möglichkeiten sie zur Intervention in ihrem privaten Bereich, aber auch unter Anleitung eines Präventionsmanagers haben.
Zu 6.: Projektdatenbank
Ein großes Problem im Bereich Diabetes-Prävention, Versorgung und Forschung ist, dass bereits viele lokale oder regionale Initiativen und Programme existieren, die jedoch über ihren direkten Wirkungskreis hinaus kaum bekannt sind. Daher hat sich das NAFDM – ganz im Sinne seiner Kernaufgabe, bestehende Angebote zu vernetzen – zum Ziel gesetzt, eine Bestandsaufnahme aller geplanten, bereits laufenden, aber auch schon abgeschlossenen Aktivitäten in diesen Bereichen vorzunehmen. Diese Bestandsaufnahme soll neben der Bekanntmachung von Angeboten für Interessierte und / oder Betroffene auch die Möglichkeit des Erfahrungsaustauschs für die Anbieter (Experten) untereinander bieten und potentielle günstige Synergieeffekte und Anknüpfungspunkte für den Aufbau von Netzwerken ermöglichen. Unter Federführung der Projektgruppe Prävention des NAFDM wurde daher in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Diabetes-Zentrum Düsseldorf (DDZ) eine Projektdatenbank entwickelt, in die über einen auf der Homepage des NAFDM online geschalteten Fragebogen Projekte eingespeist werden. Die dort eingegeben Projekte sollen in Zukunft auch auf einer Deutschlandkarte grafisch dargestellt werden und somit einen Überblick über Ballungsräume, aber auch „weiße Flecken“ auf der Landkarte vermitteln.
Zu 7.: EU-Projekt IMAGE
Die Mitglieder der Projektgruppe Prävention haben frühzeitig in ihrer Arbeit nach Kontakten zu Partnern auf europäischer Ebene gesucht. In dem Zusammenhang wurde auf Initiative der Projektgruppe Prävention des NAFDM im Mai 2006 in Kooperation mit 26 Partnern in Deutschland und anderen EU-Ländern ein Antrag bei der Public-Health-Behörde der europäischen Kommission gestellt. Ziel dieses Antrages war es, auf europäischer Ebene
- : eine europäische Leitlinie zur Prävention des Diabetes zu erstellen
- : ein europäisches Curriculum für Präventionsmanager zu erstellen
- : eine europäische Strategie für Qualitätsmanagement und Qualitätskontrolle der genannten Interventionsmaßnahmen zu etablieren und
- : ein europäisches E-Health-Portal zu etablieren zur Ausbildung von Präventionsmanagern sowie Strategien zur nationalen Zertifizierung
Dieses Projekt wurde von der Public-Health-Behörde der Europäischen Kommission positiv beschieden und mit umfangreicher Förderung bedacht. Am 29. November 2006 sind die ersten Verhandlungen mit der EU-Kommission über den Vertragsabschluss, so dass voraussichtlich man davon ausgehen kann, dass im Januar/Februar 2007 dieses Projekt startet.
Kooperation mit der AG Gesundheitsziele in Sachsen
Genauso wie die Arbeitsgemeinschaft Partner auf europäischer Ebene bei Krankenkassen oder auch anderen Berufsgesellschaften gesucht hat, waren natürlich politische Kooperationspartner auf Landesebene entscheidend. Hierzu gibt es in Sachsen die AG Gesundheitsziele Diabetes, die ganz aktiv daran arbeitet, in Sachsen Präventionsprogramme zur Prävention des Typ 2 Diabetes zu implementieren. Ziel der AG Gesundheitsziele Diabetes in Sachsen ist im Auftrag von Staatsministerin, Frau Orosz, die erfolgreiche Umsetzung primärer Präventionsmaßnahmen zur Diabetes-Prävention in die Leistungsebene in Kooperation mit Krankenkassen. Diese Arbeitsgruppe wurde im Februar 2006 gegründet und von vornherein in Kooperation mit dem Nationalen Aktionsforum Diabetes mellitus gestaltet. Ergebnis der intensiven Arbeit in Sachsen ist es nunmehr, dass unter Zusage der AOK in Sachsen ab Februar 2007 das 3schrittige Konzept zur Diabetes-Prävention umgesetzt wird. Im Moment wird von der AOK Sachsen davon ausgegangen, dass im Jahr 2007 etwa 6000 bis 10000 Versicherte, basierend auf diesem Konzept, interveniert werden. Damit ist in Sachsen als erstem Bundesland sichergestellt, dass die Arbeit der Projektgruppe Prävention des Nationalen Aktionsforums Diabetes mellitus unter realen Bedingungen in die Leistungsebene, finanziert durch die Krankenkassen in Sachsen, umgesetzt wird. Das ist in erster Linie auch ein Erfolg der Projektgruppe, die über die letzten 2 Jahre intensiv auf die Realisierung dieser Programme hingearbeitet hat. Begleitend wird die Implementation dieser Konzepte in Sachsen evaluiert, so dass mit einem Zeithorizont von 1 bis 1,5 Jahren Ergebnisse vorliegen, wie erfolgreich die Umsetzung von Maßnahmen zur primären Prävention des Typ 2 Diabetes realisierbar ist.
2007
Die im Jahr 2006 begonnenen Projekte zur Implementierung des Nationalen Präventionsplans wurden im Jahr 2007 fortgeführt und sollen im Folgenden kurz unter entsprechenden Schlagworten dargestellt werden.
- Vernetzung fördern und Transparenz schaffen
Vorbereitung und Durchführung der AG P2 Tagung in Berlin am 19./20.1. 2007
Im Januar 2007 fand in Berlin die 4. Tagung der AG P2 in Kooperation mit der Projektgruppe Prävention des NAFDM und der Deutschen Diabetes-Stiftung statt. An 2 Tagen kamen rund 100 Experten aus dem Bereich Diabetes-Prävention, aber auch aus angrenzenden Fachgebieten zusammen, um laufende und abgeschlossene Projekte vorzustellen und die weitere Vorgehensweise zu diskutieren (Programm und Vorträge unter www.nafdm.de => Veranstaltungen => Archiv). Die Fortführung dieses interdisziplinären, über die Grenzen der Diabetologie hinausreichenden Dialogs ist aufgrund der Komplexität des Themas für die weitere Arbeit der AG P2 von enormer Bedeutung.
Optimierung der Projektdatenbank unter www.nafdm.de
Derzeit gibt es keine Datenbank, welche Auskunft über geplante, laufende oder bereits abgeschlossene Projekte zum Thema Diabetes mellitus liefert. Daher wurde auf Initiative der Projektgruppe Prävention ein Online-Fragebogen entwickelt. Alle dort eingegebenen Projekte werden sowohl in einer tabellarischen Übersicht als auch grafisch auf einer Deutschlandkarte abgebildet. Ziel dieser Projektdatenbank ist es Transparenz über die bereits vorhandenen Initiativen und Aktivitäten zu schaffen („weiße Flecken auf der Landkarte“), den Erfahrungsaustausch und Synergieeffekte zu fördern, aber auch mittelfristig ein Instrument für die Qualitätssicherung zu schaffen, in dem – auch für den Interessierten Laien - eine Unterscheidung in zertifizierte (z.B. durch das NAFDM Gütesiegel, aber auch durch andere anerkannte Institutionen) und nicht-zertifizierte Angebote getroffen wird.
Kooperation mit der Bertelsmann-Stiftung (Projekt anschub.de)
Im Februar 2007 fanden erste Gespräche mit der der Bertelsmann-Stiftung bzgl. einer Kooperation im Rahmen des Projekts anschub.de statt. anschub.de hat zum Ziel vor allem in der Zielgruppe der Kinder und Jugendliche ein Bewusstsein für gesunde Lebensführung zu schaffen und damit präventiv falschen Ernährungsgewohnheiten und Bewegungsmangel entgegenzuwirken. Die Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen ist auch beim Thema Diabetes relevant, da – aufgrund der Übergewichtsproblematik - es bereits Fälle von 12-Jährigen Kindern gibt, bei denen ein Typ 2 Diabetes diagnostiziert wurde. Die Art und Weise der weiteren Zusammenarbeit soll in den nächsten Monaten konkretisiert werden. - Strukturbildende Maßnahmen zur Qualitätssicherung
Curriculum Präventionsmanager
Die auf Initiative der Projektgruppe Prävention des NAFDM gegründete „Arbeitsgemeinschaft Curriculum Präventionsmanager“ traf sich im März 2007 zum vierten Mal, um die endgültige Version des Curriculums für Präventionsmanager zu verabschieden und den Start der Pilotphase festzulegen. Durch die Schaffung dieser Fortbildungsqualifikation für Fachleute aus dem Bereich Ernährung und Bewegung (für zulassungsberechtigte Qualifikationen siehe Leitfaden der Spitzenverbände der Krankenkassen, Stand Februar 2006) soll ein bundesweiter, qualitativ hochwertiger Standard für die Anbieter von Diabetes-Präventionsmaßnahmen geschaffen und die Strukturen für eine Vernetzung der Angebote aus dem Bereich Ernährung und Bewegung verbessert werden. Durch die im Curriculum verpflichtend festgelegte, begleitende Evaluation der von den zukünftigen Präventionsmanagern angebotenen Maßnahmen besteht aber auch die Chance, die Vielfalt des bereits bestehenden Angebots zu erfassen und damit ein größeres Repertoire (zielgruppenspezifisch, Setting-spezifisch etc.) an evaluierten Maßnahmen zur Verfügung stellen zu können.
Die Erarbeitung dieses Curriculums hat bundesweit aber auch EU-weit mittlerweile Beachtung erfunden, so dass im Rahmen des europäischen Projektes IMAGE (siehe unten) ebenfalls ein europäisches Curriculum für den Präventionsmanager erarbeitet werden soll. Die Vorlage dafür ist das in Deutschland im Rahmen des NAFDM entwickelte Konzept.
Für die Umsetzung des Curriculums sind im Jahr 2007 zunächst Pilotprojekte in Sachsen und Nordrhein-Westfalen geplant. Diese Pilotausbildungsgänge sollen begleitend evaluiert und entsprechende Modifikationen vorgenommen werden, bevor eine flächendeckende Implementierung auf Bundesebene Anfang 2008 angestrebt wird.
In enger Zusammenarbeit mit dem NAFDM und der Deutschen Diabetes-Stiftung (DDS) wurde weiter an der Erstellung eines Nationalen Präventions-Management-Konzepts Diabetes (Arbeitstitel: Projekt Gesundheit 2010) gearbeitet, welches eine qualitativ hochwertige, aber auch finanzierbare Intervention zur Prävention auf nationaler Ebene gewährleisten kann, indem Strukturen zur Qualitätssicherung, Supervision und Zertifizierung geschaffen werden. Unter federführender Beteiligung von Dr. Ellis Huber wurde dazu ein Konzeptpapier erstellt.
FINDRISK und Sachsen-Modell
Die Evaluation der deutschen Version des finnischen Risiko-Fragebogens FINDRISC, durchgeführt von der TU Dresden, finanziell unterstützt von der Deutschen Diabetes-Stiftung (DDS), wurde abgeschlossen. Die Ergebnisse belegen, dass auch der deutsche FINDRISK als Awareness- und Screening-Tool sehr gut geeignet ist, um Personen mit einem erhöhten Diabetes-Risiko zu finden. Daher wurde auch damit begonnen, den FINDRISK über diverse Publikationen einer größeren Öffentlichkeit bekannt zu machen (z.B. Apotheken Umschau, Focus, Diabetiker Ratgeber, Senioren Ratgeber, www.diabetes-risiko.de).
Aufbauend auf die Identifikation von Risikopersonen mittels FINDRISK wurde in Sachsen ein Pilotprojekt initiiert, welches die (langfristig angelegte) Intervention zur Lebensstil-Änderung auch in der Leistungsebene etablieren soll. Auf Anfrage der sächsischen Gesundheitsministerin Helma Orosz entwickelte Dr. Peter Schwarz in Dresden ein Interventionsangebot, welches von Präventionsmanagern erbracht und vollständig über die Kassen finanziert wird. Dieses in Deutschland einzigartige Modellprojekt hat im Juni 2007 offiziell begonnen und wird nun begleitend evaluiert. Wenn erste Evaluationsergebnisse vorliegen, können weitere Piloten sowie die bundesweite Umsetzung dieses Konzepts angegangen werden.
Ausschuss gesundheitsziele.de
Die bisher erarbeiteten Interventions-Bausteine zur Prävention des Typ 2 Diabetes sowie die zugrundeliegende nationale Präventionsstrategie wurden vor dem Ausschuss gesundheitsziele.de vorgestellt. Auf Empfehlung von Dr. Reinhard Hess Gemeinsamer Bundesausschuss) soll dieses Konzept nun einer Begutachtung durch den Medizinischen Dienst der Sozialversicherer (MDS) erfolgen. Bei positiver Begutachtung wird das Konzept dann dem Gemeinsamen Bundesausschuss vorgelegt werden, wodurch die Bedeutung der Diabetes-Prävention in der Gesundheitspolitik deutlich betont und unterstützt werden könnte. - Internationalen Austausch fördern
Das IMAGE-Projekt (Development and Implementation of a European Guideline and Training Standards for Diabetes Prevention) wurde von der Public-Health-Behörde der Europäischen Kommission positiv beschieden und mit umfangreicher Förderung bedacht. Am 29. November 2006 waren die ersten Verhandlungen mit der EU-Kommission über den Vertragsabschluss. Danach folgte eine intensive Überarbeitung und Konkretisierung des Projektablaufs. Im Mai erfolgte nun die Unterzeichnung des Grant Agreements durch Dr. Peter Schwarz (TU Dresden, Vorstandsmitglied der AG P2) und die Europäische Kommission, so dass das Projekt offiziell am 1. Juni 2007 beginnen konnte.
Wir wollen hier noch mal hervorheben, dass die Inhalte dieses Projektes komplett auf der engen Kooperationsarbeit der AG P2 mit der Projektgruppe Prävention des NAFDM beruhen, so dass die Inhalte wie der Leitfaden zur Diabetes-Prävention und das Curriculum für Präventionsmanager, welche in Deutschland erarbeitet wurden, damit europäische Relevanz erlangen.
| Weiterempfehlen |



www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de


