AG Prävention des Typ 2 Diabetes
Obwohl in den letzten Jahrzehnten in der Therapie des Diabetes durch verbesserte Behandlungsmethoden viel erreicht wurde, stehen wir nach wie vor – bedingt durch die Zunahme der Zahl von Patienten mit Typ-2-Diabetes – vor einem schwerwiegenden medizinischen, sozialen und ökonomischen Problem.
5 alarmierende Faktoren erfordern, jetzt zu handeln:
1. Die Prävalenz des Typ-2-Diabetes steigt in Deutschland drastisch.
2. Risikofaktoren für die Entwicklung des Typ-2-Diabetes haben substanziell zugenommen.
3. Immer mehr jüngere Menschen bekommen einen Typ-2-Diabetes.
4. Je länger die Erkrankung besteht und je später sie erkannt wird, desto wahrscheinlicher sind schwerwiegende kardiovaskuläre Komplikationen.
5. Die Behandlung der Erkrankung, insbesondere ihrer Komplikationen, ist ausgesprochen kostenintensiv.
In Anbetracht des fehlenden kurativen Ansatzes in der Behandlung des Diabetes kann zur Eindämmung der Diabetesepidemie sowie zur Verhinderung der schwerwiegenden vaskulären Komplikationen nur eine Primärprävention des Diabetes erfolgreich sein.
Mehrere große internationale Studien belegen mit hoher Evidenz, dass die Prävention des Diabetes mellitus durch Lebensstilveränderung bei Risikopersonen sowie einer frühen medikamentösen Intervention möglich und erfolgreich durchführbar ist.
Allerdings stellt sich dabei die Frage der Übertragbarkeit der hoffnungsvollen Studienergebnisse im konkreten klinischen Alltag.
Um diese Frage zu untersuchen, gründete sich die „AG Prävention des Typ-2-Diabetes“ (http://www.diabetesprevention.de
) der Deutschen-Diabetes-Gesellschaft.
Ziele der AG sind:
1. Schaffung eines Problembewusstseins in der Allgemeinbevölkerung und bei ärztlichen und nicht-ärztlichen Leistungserbringern
2. Etablierung und Evaluierung eines Programms zur Primärprävention des Typ-2-Diabetes im Hinblick auf ein Nationalen Diabetespräventionsprogramm
3. Etablierung eines Netzwerks Diabetesprävention in Deutschland
Die AG will Bestrebungen zur Diabetesprävention in Deutschland bündeln, um ein nationales Programm zur Diabetesprävention zu etablieren und zu implementieren. Erklärter Wunsch der Gründungsmitglieder ist es dabei, alle Beteiligten, die an der Diabetesprävention interessiert sind sowie Betroffene in diesen Prozess mit einzubinden.
Am 23.11.03 fand in Dresden die 1. Arbeitstagung der AG Prävention des Typ-2-Diabetes statt. Die Teilnehmer kamen aus unterschiedlichen medizinischen und gesellschaftlichen Bereichen und diskutierten und besprachen die aktuelle wissenschaftliche Studienlage zur Primärprävention des Typ-2-Diabetes in Hinsicht auf Lebensstil- und Pharmakoprävention sowie die politische Situation zur Umsetzung entsprechender Programme. Von den Teilnehmern wurden in Arbeitsgruppen die Umsetzung eines Nationalen Diabetespräventionsprogramms sowie konkrete Evaluierungsprojekte beraten.
Basierend auf den Ergebnissen der oben genannten Studien formulierte die Arbeitsgemeinschaft auf diesem Treffen einen Programmentwurf zur Prävention des Typ-2-Diabetes:
1. Risikoerkennung
2. Schulung und
3. langfristige, qualitätskontrollierte präventive Intervention bei gesunden Risikoträgern
Das Programmkonzept ist von der Arbeitsgruppe 4 Diabetes von „gesundheitsziele.de“ des Bundesministeriums für Gesundheit zur Evaluierung und Umsetzung bestimmt worden.
Ergebnis des Arbeitstreffens ist weiterhin die Verabschiedung eines Fahrplans Diabetesprävention zum Nationalen Diabetespräventionsprogramm der Arbeitsgemeinschaft Prävention des Diabetes mellitus Typ 2 der Deutschen Diabetes Gesellschaft mit Beschreibung der einzelnen Schritte, die zur Realisierung eines Nationalen Programms zur Primärprävention des Typ-2-Diabetes realisiert werden müssen. Die Teilnehmer des Arbeitsreffens beschlossen, ein Netzwerk zur Diabetesprävention zu etablieren. Ein Diskussionsforum, um weitere Ideen auszutauschen, soll etabliert werden.
Konkretes Ziel dabei war, ein Projekt zur Evaluation des Risikofragebogens nach Lindström in Deutschland als eine multizentrische Studie ins Leben zu rufen.
Auf der Mitgliederversammlung der AG Prävention des Typ-2-Diabetes der DDG während des diesjährigen Kongresses in Hannover wurde dieses Projekt zur Evaluation des Typ-2-Diabetes-Risikofragebogens in Deutschland beraten. Vorbereitend hatte der Vorstand der AG einen Förderantrag beim Industrieforum Diabetes für diese Evaluationsstudie „FINDRISK“ gestellt. Gesucht werden für die Studie Zentren, die oGTT`s durchführen und Daten über eine Patientenklientel retrospektiv über 5-8 Jahre haben. Gemeinsam mit dem Kooperationspartner Deutsche Diabetes Stiftung wurde die Durchführung und Infrastruktur der Studie besprochen. Während dieses Treffens wurde ebenfalls das Logo der AG beschlossen. Abschließend konnte eine Resolution zum Nationalen Diabetespräventionsprogramm mit der Forderung an das Bundesministerium für Gesundheit und Soziales sowie die Leistungsträger verabschiedet werden. Es wird gefordert, dieses aussichtsreiche flächendeckende Präventionskonzept – auch finanziell – zu unterstützen, da ein derartiges Konzept aus eigenen Ressourcen nicht durchführbar ist.
Im Nachgang zu der AG-Mitgliederversammlung in Hannover erklärte das Industrieforum Diabetes am 23.06.2004 die Bereitschaft, die FINDRISK-Studie mit fast 200.000 EUR zu fördern. Am 22.09.2004 wurde ein entsprechender Antrag bei der Ethikkommission in Dresden positiv beschieden. Gemeinsam mit dem Kooperationspartner Deutsche Diabetes Stiftung wird die Studie durchgeführt.
Die 2. Arbeitstagung der Arbeitsgemeinschaft Prävention des Typ-2-Diabetes fand am 05./06.11.2004 in Dresden statt. Dabei wurde besprochen, wie verschiedene Studien von Seiten der Ag durchgeführt und begleitet werden können, wie Partner in Deutschland gefunden werden und wie das genutzt werden kann, um ein Netzwerk „Diabetesprävention“ zu etablieren.
Nach dem Beschluss eines Nationalen Diabetes-Programms Deutschland gemeinsam mit Akteuren aus der Diabetologie und Gesundheitspolitik am 07.10.2004 in Berlin, die in der Prävention eine entscheidende Säule des Nationalen Diabetes-Programms sehen sowie den ermutigenden Ergebnissen mehrerer internationaler Studien (DPS, DPP, STOP-NIDDM, DA QUING, XENDOS), die mit hoher Evidenz belegen, dass die Prävention des Diabetes mellitus möglich und erfolgreich durchführbar ist, ist es an der Zeit, Programme zur Primärprävention des Diabetes mellitus zu etablieren und vor allem zu implementieren. Die 2. Arbeitstagung der Arbeitsgemeinschaft Prävention des Typ-2-Diabetes beschäftigte sich deshalb mit 2 Schwerpunkten, um substanziell in der Umsetzung voranzukommen. Diese sind wie folgt:
1. Entwicklung von Vorschlägen für die Qualitätskontrolle bevölkerungsweit angelegter Präventionsprogramme, deren Zertifizierung und Leitlinienentwicklung
2. Praktische Etablierung von Netzwerkverknüpfungen zwischen bestehenden Projekten und Akteuren – Diskussion an Beispielprojekten
Vertreter von Präventionsinitiativen und Präventionsprojekten aus ganz Deutschland kamen zu Wort. Weiterhin sammelt die AG Angaben zu Projekten mit Hilfe des Erhebungsbogens „Maßnahmen und Projekte im Bereich der Prävention des Diabetes mellitus Typ 2 und des Metabolischen Syndroms“ , die dann auch im Internet vorgestellt werden. Mit diesem Bogen sollen bestehende oder geplante Präventionsprojekte erfasst werden, um den Fahrplan zum Nationalen Programm mit Leben zu erfüllen. Weiterhin soll dieser Schritt helfen, gemeinsam einzelne oder auch gemeinsame Aktivitäten zu koordinieren. Je mehr man voneinander weiß, um so besser können eigene Aktivitäten durchgeführt und platziert werden. Einen Teil der Informationen wollen wir auch im Internet anderen zugänglich machen.
Dort hat die AG im letzten Jahr eine Internetplattform mit Diskussionsforum etabliert, welche ausgebaut werden soll.
Es sind viele Partner dazu nötig, die sich in diesen Prozess einbringen müssen. Wichtig ist die politische Vorarbeit, gefordert sind auch wissenschaftliche - und Standesorganisationen. Von entscheidender Bedeutung wird auch die Nahrungsmittel- und Pharmaindustrie als Partner sein.
Oberstes Ziel ist es, das Bewusstsein in der gesamten Bevölkerung zu ernährungs- und verhaltensbedingten Gesundheitsrisiken zu schärfen sowie Lebensbedingungen zu schaffen, die ein gesundheitsförderndes Verhalten erleichtern. Die Maßnahmen sind somit nicht spezifisch diabetesorientiert, sondern stehen im Zusammenhang mit Aufklärung und Motivation zu einer gesunden, bewegungsintensiven Lebensweise. Bei erfolgreicher Umsetzung eines nationalen Programms wird dabei nicht nur die Prävention des Diabetes erfolgreich umgesetzt werden können, sondern gleichzeitig die Prävention des Metabolischen Syndroms und besonders seiner kardiovaskulären Komplikationen möglich sein.
Ansprechpartner:
Arbeitsgemeinschaft Prävention des Diabetes mellitus Typ 2 der Deutschen Diabetes Gesellschaft:
Dr. Peter Schwarz
Bereich Endokrinopathien und Klinische Stoffwechselkrankheiten
Medizinische Fakultät Carl-Gustav Carus
TU Dresden
Fetscherstraße 74
01307 Dresden
Tel: (++49) 0351-458-2715, -3173
Fax: (++49) 0351-458-8703
E-Mail: agderddg@diabetesprevention.de
Prof. J. Schulze
Dr. P. Schwarz
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