Diabetes und Geriatrie – Was hat sich getan, was muss sich noch tun?
Veranstaltungen
Auf der Jahrestagung der DDG finden seit 2004, bei der Herbsttagung für praktische Diabetologie der DDG finden seit Begin vor vier Jahren regelmäßig Symposien zum Thema „Diabetes im Alter“ statt.
Das Interesse der Kongressteilnehmer ist groß, die Säle sind in der Regel voll. Dies unterstreicht die große Bedeutung der altersmedizinischen Besonderheiten bei der Diabetesbehandlung.
Auch bei den Jahresveranstaltungen der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie und Gerontologie (DGGG) und der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) ist der Themenkreis „Diabetes im Alter“ seit fünf Jahren regelmäßig vertreten. Diese Entwicklung ist sehr positiv, da es somit zu keinem Wettstreit um die „richtige Kompetenz“ in der Behandlung dieser Menschen kommt.
Das Themengebiet interessiert auch andere Gesellschaften: Bei der Internistentagung der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) wurde das Thema zweimalig als „State oft the Art“-Vortrag vorgestellt, auch Kardiologen, Andrologen und andere Fachdisziplinen beginnen ein Interesse an den Besonderheiten des Älteren mit Diabetes zu zeigen.
Projekte
Die 'Fortbildung Diabetes in der Altenpflege (FoDiAl)' wird an verschiedenen Weiterbildungsstätten der Altenhilfe bundesweit als 2-tägiges Programm angeboten. Inzwischen wurden mehr als 270 Referenten ausgebildet. Etwa 1000 Teilnehmer aus der Altenpflege haben an FoDiAl teilgenommen und sind jetzt befähigt, pflegebedürftige Ältere mit Diabetes besser zu versorgen. FoDiAl wurde nach ProfiCert zertifiziert und ist durch die AG DuG akkreditiert. Informationen zu FoDiAl sind im Internet unter www.fodial.de erhältlich.
Ergänzend zu diesem Programm wurde eine weiterführende Ausbildung zur „Diabetes-Pflege-Fachkraft (DPFK)“ entwickelt und akkreditiert. Dieses Kurrikulum befasst sich vorrangig mit dem Bereich „Qualitätsmanagement“ in der Behandlung Älterer. FoDiAl und DPFK bilden eine Grundlage für die gewünschte Verbesserung der Situation in den Pflegeheimen – möglicherweise werden sich so bald „Diabetes-geeignete“ Pflegeheime und Pflegedienste identifizieren lassen.
Die „strukturierte geriatrische Diabetiker-Schulung (SGS)“ wurde in einer multizentrischen Evaluationsstudie als RCT erfolgreich evaluiert und publiziert. Mehr als 50 Trainer wurden ausgebildet, fast alle Diabetologen Deutschlands wurden zwischenzeitlich durch diese Trainer in der Durchführung instruiert und haben bereits mehr als 10.000 Ältere im Umgang mit ihrer Diabetes-Erkrankung schulen können. Für diese altersgerechte Schulung wurden geeignete Schulungsmaterialen erstellt, die im Handel erhältlich sind. Unter www.diabetes-im-alter.de sowie www.sgs-diabetes.de befinden sich weitere Informationen.
Scheinbar sind Ältere mit Diabetes leider als Zielgruppe der Kostenträger nicht von großer Bedeutung, da die Krankenkassen bisher noch kein Interesse an einer Aufnahme von SGS in das DMP Typ 2 Diabetes gezeigt haben.
Ein weiteres Projekt befasst sich mit der Prävention des Diabetes im Alter; in Kooperation mit der AG Prävention werden hier Instrumente des Screenings an die Besonderheiten älterer Menschen angepasst sowie geeignete Maßnahmen zur Prävention entwickelt. So wird gerade die Eignung des FINDRISK-Bogens bei über 65-jährigen erprobt.
Eine Studie zur Insulinbehandlung in stationärer und ambulanter Altenpflege zeigte die Vielfalt der Vorgehensweisen in den verschiedenen Settings. Der relativ hohe Anteil langwirksamer Insulin-Analoga würde bei einer durch den GBA gewünschten Umstellung von Patienten, die mit langwirksamen Insulin-Analoga derzeit behandelt werden, eine erhebliche Belastung für Ärzte, Pflegekräfte und betroffene Patienten bedeuten.
Laufende Studien befassen sich unter anderem mit dem Zusammenhang von geriatrischen Syndromen und Diabetestherapie sowie Messverfahren zur Voraussage der Insulin-Selbstinjektionsfähigkeit.
Auf Grund einer zunehmenden Anzahl von Anfragen, betreffend z.B. Ernährungsprobleme im Pflegeheim oder Anerkennung von Trainingsmodulen hat die AG Richtlinien erstellt, nach denen solche „altengerechten“ Vorgehensweisen überprüft und ggf. durch die AG anerkannt werden können.
Vernetzung der Akteure
Diabetesbehandlung ist immer auch Teamarbeit. Die verschiedenen Berufsgruppen wie Arzt, Diabetesberater oder –Assistent, Pflege, Podologe, Schuhmacher etc. arbeiten seit langem zusammen. Auch in der Behandlung Älterer spielt das multidisziplinäre Team eine große Rolle: Seit jeher arbeiten in der Geriatrie Ärzte eng verzahnt mit z.B. Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Sozialarbeitern, Logopäden und der aktivierenden Pflege zusammen.
Der Ältere mit Typ 2 Diabetes benötigt eine Verschmelzung aus diesen Netzwerken.
Erst durch dieses erweiterte Behandlungsteam kann ein älterer Mensch mit Diabetes z.B. bei einem Krankenhausaufenthalt wegen einer Lungenentzündung nicht nur mit der Behandlungskompetenz des Diabetes-Teams rechnen, sondern durch begleitende Maßnahmen wie Krankengymnastik, Ergotherapie oder Sozialdienst und Pflegeüberleitung damit rechnen, dass er nach Krankenhausbehandlung auch möglichst wieder befähigt ist, sein möglichst selbständiges Leben weiterzuführen.
Viel zu oft erlebt man sonst heute noch den Fall: Patient zwar von der Lungenentzündung geheilt entlassen, aber als kompletter Pflegefall – ab ins Pflegeheim!
Sehr schwierig ist dabei die fehlende Abbildung dieser Patienten im Entgeltsystem der Krankenhäuser. Immer mehr immer ältere Patienten gelangen in Krankenhäuser – und sollen nach dem Willen der Gesundheitspolitik immer schneller wieder entlassen werden. Die notwendigen Ressourcen (vor allem im Personalbereich) werden im DRG-System nur ungenügend abgebildet. Wie viel sind ältere Menschen mit Diabetes wert?
Nicht nur Kostenträger, auch Ärzte der medizinischen Dienste, die nach Aktenlage die Krankenhausbehandlung dieser Menschen beurteilen, und vor allem politisch Verantwortliche sind aufgefordert, sich an diesen Netzwerken konstruktiv zu beteiligen.
Dr. med. Dr. Univ. Rom Andrej Zeyfang
Vorsitzender der AG Diabetes und Geriatrie der DDG
Bethesda Krankenhaus Stuttgart
Hohenheimerstrasse 21
70184 Stuttgart
AGAPLESION gAG
E-Mail: andrej.zeyfang@bethesda-stuttgart.de
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