21.01.2016

Bessere Heilungschancen für Diabetes Typ 1: Diabetes-Forscher fordert Kombinationstherapien

Diabetes vom Typ 1, bei dem das eigene Immunsystem die insulinproduzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse zerstört, ist bis heute nicht heilbar. An der Autoimmunerkrankung sind etwa 30.000 Kinder und Jugendliche bis 19 Jahre in Deutschland erkrankt, die sich dauerhaft Insulin mit Spritzen oder Pumpen zuführen müssen. Nun ist in den vergangenen Jahren unter Wissenschaftlern eine Debatte entfacht, ob nicht die Kombination von verschiedenen Wirkstoffen eine Heilung ermöglichen könnte. Experten der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) sehen in der Kombinationstherapie einen erfolgversprechenden Ansatz.

Der neue Forschungsansatz orientiert sich am erfolgreichen Vorgehen bei anderen unheilbaren Erkrankungen, zum Beispiel der kindlichen Leukämie. „Der Durchbruch in der Behandlung dieser bösartigen Blutkrebserkrankung kam mit der Kombinationstherapie, die heute eine 80-prozentige Heilungsrate ermöglicht“, meint Professor Dr. med. Sigurd Lenzen vom Institut für Klinische Biochemie der Medizinischen Hochschule Hannover. Analog zu diesem Erfolgsmodell erwartet heute unter anderem die amerikanische Diabetesgesellschaft einen Durchbruch in der Behandlung des Diabetes Typ 1 von der Kombination verschiedener Wirkstoffe. „Die Lösung des Problems liegt womöglich in der Anwendung von zwei unterschiedlich wirkenden therapeutischen Antikörpern und gegebenenfalls zusätzlichen Wirkstoffen“, meint auch DDG-Experte Lenzen.

Die Hannoveraner Wissenschaftler haben bereits in Rattenversuchen, die kürzlich in der Fachzeitschrift DIABETES veröffentlicht wurden, erfolgreich nachgewiesen, dass eine Kombinationstherapie die Diabetes-Typ-1-Erkrankung heilen kann. Dies gelang in Experimenten mit der sogenannten IDDM-Ratte, einem Tiermodell, das dem menschlichen, an Diabetes Typ 1 erkrankten Organismus am stärksten ähnelt. „Dieses Rattenmodell ist auf den Menschen gut übertragbar und besitzt eine hohe Aussagekraft“, so Lenzen. In den Versuchen wurde eine Gruppe der Ratten, die einen Typ-1-Diabetes entwickelten, kurz nach Beginn der Erkrankung für die Dauer von fünf aufeinanderfolgenden Tagen mit einer Kombination aus den Antikörpern Anti-TNF-Alpha und Anti-TCR behandelt.

Ergebnis der Kombinationstherapie: Bei allen behandelten Ratten, die zu Therapiebeginn einen Blutzuckerspiegel unter 15 mmol/L (Millimol/Liter) hatten, kehrten die Werte wieder in den Normalbereich zurück. „Dieser Effekt hielt über die gesamte Beobachtungsdauer von sechzig Tagen stabil an“, berichtet Lenzen. Darüber hinaus wurde die Zerstörung der insulinproduzierenden Betazellen gestoppt, wie Untersuchungen der Bauchspeicheldrüse nach zwei Monaten ergaben. „Das diabetische Immunzellinfiltrat im Pankreas war verschwunden, und es setzte sogar eine Regeneration der Betazellen ein“, so Lenzen. „Im Ergebnis war die Betazellmasse der mit der Kombinationstherapie behandelten Ratten wieder fast so normal wie bei der gesunden Vergleichsgruppe.“

Wie die Versuche ebenfalls zeigten, ist eine erfolgreiche Behandlung aber nur bei frühem Therapiebeginn möglich. „Die Kombinationstherapie muss einsetzen, bevor der Blutzuckerspiegel über 15 mmol/Liter steigt“, betont Lenzen. Nur, wenn die verbliebene Betazellreserve in der Bauchspeicheldrüse noch mindestens zwanzig bis dreißig Prozent beträgt, kann der Organismus wieder eine eigenständige Insulinversorgung herstellen.

„Die Ergebnisse sind vielversprechend“, meint DDG-Präsident Professor Dr. med. Baptist Gallwitz. „Sie sollten jetzt in längerfristigen Tierversuchen überprüft werden.“ Bestätigt sich die Wirksamkeit der Kombinationstherapie, wäre es lohnenswert, diese in Hinblick auf eine Anwendung am Menschen zu testen

Die PM als PDF zum Download finden Sie hier.