Grußwort des Tagungspräsidenten

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
ich freue mich, Sie im Namen des Organisationskomitees, des wissenschaftlichen Programmkomitees, der Deutschen Diabetes-Gesellschaft und vor allem im Namen von diabetesDE ganz herzlich zur 44. Jahrestagung in Leipzig begrüßen zu dürfen.
Die Häufigkeit von Diabetes und seiner Komplikationen nimmt drastisch zu und so verwundert es nicht, dass der Gesundheitsbericht 2008 Deutschland als ein »Diabetesland« bezeichnet. Diabetes ist die häufigste Ursache für Neuerblindung, terminales Nierenversagen und ein wesentlicher Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall. Er berührt verschiedenste Bevölkerungsgruppen und Lebensbereiche. Umso wichtiger ist der persönliche Austausch über Entstehung, Diagnostik, Therapie und Prävention des Diabetes. Weiter zunehmende Bedeutung erlangt die Evaluierung von Versorgungsstrukturen und spezifischer Behandlungskonzepte bei seltenen Diabetesformen, Kindern- und Jugendlichen, älteren Menschen und Patienten mit Migrations-Hintergrund.
Im Sinne des Mottos dieser Jahrestagung »Einheit und Zuversicht« wollen wir die klinischen und wissenschaftlichen Inhalte sich wechselseitig befruchtend zusammen bringen. Daher ist es ein Ziel, dass jeder etwas mit nach Hause bzw. in seinen klinischen Alltag nehmen kann. Neben der Behandlung ganz praktischer Themen und der Durchführung fallbezogener Workshops werden wir auch klinisch-wissenschaftliche Schwerpunkte setzen, z. B.:
• Grundlagen und Perspektiven der Insulinresistenz sowie -sekretion
• Entwicklungen bei der Biologie und Transplantation der Inseln
• Standards zur Therapie und Prävention von Spätkomplikationen
• Aktueller Stand der Pharmako-Therapie des Typ 2 Diabetes
• Interaktionen zwischen Diabetes, Übergewicht und Fettverteilung
Einige Highlights des Programms seien in chronologischer Folge der Tagung genannt:
Am Donnerstag wird im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung Lennart Nilsson uns eine völlig neue Sichtweise medizinischer Phänomene durch seine einzigartigen mikroskopischen Fotografien nahebringen und der diesjährige Bertram-Preisträger, Herr Professor Spranger aus Berlin, wird uns seine Forschungskonzepte präsentieren.
Nach der Eröffnungsveranstaltung werden uns der Präsident der DDG und der Präsident von diabetesDE die neue Ausrichtung der Deutschen Diabetologie erläutern. Der Nachmittag wird geprägt sein von wissenschaftlichen freien Vorträgen und Symposien zu Themen der Niere, des Herzens, des Gestationsdiabetes, zur Epidemiologie, zur Geriatrie, sowie zu sozialen Aspekten wie Diabetesversorgung bei Migranten. Es wird praktische Tipps zum PCO-Syndrom geben und wissenschaftliche Symposien zur Immunintervention des Typ 1 Diabetes und der Bedeutung der Fettleber.
Ein Symposium wird sich auf aktuelle Fragen (»Hot Topics«) der Forschung beziehen. In diesem Falle freuen wir uns, dass Herr Professor Stoffel aus Zürich uns die neuen Entwicklungen im Rahmen der Genregulation durch kleine Botenstoffe nahebringt und ihren Stellenwert als neue Therapieziele diskutiert. Anschließend nimmt uns Herr Al-Hasani (diesjähriger Menarini-Preisträger) mit auf seine Entdeckungsreise eines neuen Diabetesgens, welches er gerade in Nature Genetics publiziert hat. Schliesslich stellt uns Herr Kollege Meier (diesjähriger Empfänger des Wilhelm-Creutzfeld-Preises) neue Entwicklungen zur Inkretinforschung vor.
Am Freitag folgen u. a. Symposien zu aktuellen Ernährungsfragen, der Lipidtherapie, der Genetik, der Adipositas-Therapie und Pharmakotherapie. Herr Professor Nauck stellt die klinische Studie der DDG vor. Zudem präsentieren sich die BMBF-Netzwerke zur Adipositas und Diabetes-Forschung. Ein zentraler Programmpunkt ist auch die Jahrestagung der FID als zentraleuropäische Diabetes-Gesellschaft. Die Paul-Langerhans-Vorlesung durch Herrn Professor Bretzel wird am Freitagvormittag sein. Er diskutiert neueste Entwicklungen zur Inselzelltransplantation und grundlegende Strategien zur Verbesserung des Überlebens der Beta-Zellen. Zudem freuen wir uns ganz besonders, dass Herr Professor Halban aus Genf, u. a. ehemaliger Präsident der EASD, uns zuvor in die Grundlagen und neuen »Entwicklungen« der Beta-Zell-Forschung einführt.
Der Samstag ist ebenfalls wichtigen klinischen Themen gewidmet – es entgeht Ihnen viel, wenn Sie diesen Tag nicht nutzen: Retinopathie, diabetisches Fußsyndrom, neue Technologien und eine Standortbestimmung der Diabetestherapie bei makrovaskulären Komplikationen runden die Jahrestagung ab. Zudem finden an diesem Tag wiederum die wichtige Pflichtfortbildung für Diabetesberater/ innen DDG – diabetesDE sowie der Postgraduierten Kurs zu diagnostisch und therapeutisch entscheidenden Statements aus den Leitlinien der DDG statt. Weitere »Highlights« am Samstag werden zwei Special Guest Lectures sein: Herr Professor Hattersly aus Oxford wird uns die klinische Relevanz der Genetik anhand der neonatalen Diabetesformen nahebringen. Herr Professor Brüning aus Köln skizziert uns die neusten klinisch und präventiv enorm relevanten Zusammenhänge zur zentralnervösen Regulation des Energiestoffwechsels und des Körpergewichts.
Die Verleihungen weiterer Förderpreise der Deutschen Diabetes-Gesellschaft werden erstmalig bei den verschiedenen wissenschaftlichen Sessions der freien Vorträge erfolgen, womit die Preisträger auch die Gelegenheit erhalten, ein kurzes Referat zu ihren Forschungsarbeiten zu halten. Bitte verpassen Sie diese nicht! Denn hier zeigt sich der wissenschaftlich aktive Nachwuchs der Deutschen Diabetologie! Noch besser können Sie den Nachwuchs der Diabetes-Forschung aber kennenlernen, wenn Sie am Freitag von 12.30 bis 14.30 Uhr die Posterpräsentationen nicht verpassen und diese Möglichkeit nutzen, in einen intensiven Meinungsaustausch und Diskussion mit den wissenschaftlich aktiven Wegbereitern unseres Gebietes zu kommen. Zudem sollten Sie die Industrieausstellung und entsprechenden Industrie-Symposien rege besuchen, denn hier zeigen sich ebenfalls häufig noch Entwicklungen in der Diabetologie sowie Tipps und Tricks bei der klinischen Umsetzung.
Das Motto dieser Jahrestagung »Einheit und Zuversicht« ist aber auch dem 20. Jahrestag der friedlichen Revolution von 1989 mit ihrem Zentrum in Leipzig gewidmet. Die Geschichte des 9. Oktober 1989 darf nicht nur in den Geschichtsbüchern stehen, sondern muss auch in die Herzen aller Menschen dringen. Dies ist im Sinne des Wegbereiters der Leipziger Friedensgebete, Herrn Pfarrer Führer. Wir freuen uns, dass Herr Führer mit einer Rede zu diesem Thema das Benefizkonzert zugunsten der Deutschen Diabetes-Stiftung in der Nikolaikirche am Donnerstagabend wesentlich mitprägt. Das insgesamt vielfältige Rahmenprogramm versucht aber nicht nur diesem Thema zu gedenken, sondern auch dem 600. Jahrestag der Universität.
Wir hoffen, dass Sie nicht nur durch das Rahmenprogramm, sondern auch durch die Klinik und Wissenschaft hoffentlich wieder viele alte Bekannte sowie Freunde treffen und neue Kolleginnen und Kollegen persönlich kennenlernen. Der persönliche Austausch und die zwischenmenschlichen Erfahrungen sind durch keine neuen Medien zu ersetzen.
Wir wünschen Ihnen in diesem Sinne eine in jeder Hinsicht wertvolle Veranstaltung!
Ihre
Prof. Dr. med. Dirk Müller-Wieland
PD Dr. Martin Merkel
André Burchard
Frau Senay Bakar


