Die Deutsche Diabetes Gesellschaft und diabetesDE trauern um einen außergewöhnlichen Diabetologen

 

 

Die Nachricht vom plötzlichen Tod Professor Matthaeis hat uns – die Mitglieder des DDG Vorstandes, Kollegen und Freunde – sehr erschüttert und traurig gemacht. Professor Matthaei war viele Jahre lang ein aktives Mitglied unserer Fachgesellschaft, ein langjähriges Vorstandsmitglied und von 2011 bis 2013 Präsident unserer Gesellschaft. In seiner ihm unverwechselbaren Art war er überaus engagiert und frühzeitig dabei, alle Details für „seinen“ Kongress, den Diabetes Kongress 2017, vorzubereiten. Viel vom Programm, selbst die Musik zur Eröffnungsveranstaltung hatte er schon ausgewählt. Umso unfassbarer ist sein viel zu früher Tod. Wir verlieren mit ihm eine herausragende Persönlichkeit der Diabetologie und einen guten Freund, der eine große menschliche und fachliche Lücke hinterlässt.

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Jeder, der Herrn Professor Matthaei kannte, weiß, dass er ein Mensch war, der immer ausgleichend wirkte, unterschiedliche Interesse verbinden konnte, verbindlich war und trotzdem sehr zielstrebig wichtige Anliegen für die Diabetologie umsetzen konnte. Selbst in hitzigen Diskussionen traf er nach sorgsamem Zuhören eine ausgewogene, wohl überlegte und klare Entscheidung, die allen Beteiligten gerecht wurde. Seine wertschätzende Art in der Begegnung und im Umgang mit anderen Menschen wird Patienten, Kollegen und Mitarbeitern in Erinnerung bleiben.

Für die DDG war er ein ausgezeichneter Präsident, denn er hatte die Gabe, die einzelnen Bereiche – Klinik, universitäre Forschung und Praxis – gleichermaßen zu „verkörpern“ und konnte Menschen und auch unterschiedliche Ansichten und Meinungen zusammenbringen. In die Zeit seiner Präsidentschaft fielen viele wichtige Entwicklungen und Entscheidungen: Das Etablieren des neues Zertifikats „Klinik für Diabetespatienten geeignet (DDG)“ war beispielsweise für den Klinikchef eine Angelegenheit, für die er sich besonders engagierte. Er machte sich stark für die Profilierung des Diabetes Kongress, verstand ihn als breite Basis aller in der Diabetologie Aktiven und war stets darauf bedacht, neben Klinik und Praxis auch die Wissenschaftlichkeit des Faches sichtbar zu machen. Ihm war es ein Anliegen, die Ergebnisse der deutschsprachigen diabetologischen Forschung auch international zu vertreten, begrüßte die Präsenz der deutschen Kollegen auf internationalen Kongressen wie dem EASD und ADA, war selbst gefragter Experte auf Veranstaltungen in aller Welt, zuletzt auf einem internationalen Expertentreffen in Toronto, wo ihn sein allzu früher Tod ereilte.

Bei all dem war er jedem, dem er begegnete, in besonderer Weise zugewandt und er stellte stets den Menschen in den Mittelpunkt. Er rang für und mit Kollegen, Patienten, mit seinen Freunden und Mitstreitern um das beste Ergebnis, das er durch seine Hartnäckigkeit und Klarheit in der Sache oft erreichte und dabei trotzdem völlig uneitel blieb. Stephan Matthaei war ein Teamplayer wie man sich keinen besseren vorstellen kann und trieb seine Anliegen und Ziele immer wie ein wahrer „Sportsmann“ voran, der er mit großer Leidenschaft war, wann immer ihm sein Beruf Zeit dafür ließ.

Nach seinem Studium der Humanmedizin an den Universitäten Freiburg und Hamburg promovierte und habilitierte Professor Matthaei im Fachbereich Innere Medizin und erlangte die Schwerpunktbezeichnung Diabetologe DDG und Gastroenterologe. Danach war er als Oberarzt an der Medizinischen Klinik und Poliklinik des Universitätsklinikums Tübingen tätig. Seit 2003 war Professor Matthaei Chefarzt des Diabetes-Zentrums des Christlichen Krankenhauses Quakenbrück. Seine klinischen Schwerpunkte waren Ursache, Diagnostik und Therapieansätze diabetischer Folgeerkrankungen.

Ganz besonders verdient hat er sichum die Behandlungsleitlinien des Typ-2-Diabetes und deren Weiterentwicklung gemacht. Auch die Therapie von Insulinresistenz, Übergewicht und diabetischem Fußsyndrom sowie strukturierte Schulungen von Diabetespatienten gehörten zu seinem Tätigkeitsfeld. Seine wissenschaftlichen Arbeiten wurden mit dem Ferdinand-Bertram-Preis der Deutschen Diabetes Gesellschaft sowie mit dem Dr. Martini-Preis der Universität Hamburg gewürdigt. Er war Mitglied in zahlreichen nationalen und internationalen wissenschaftlichen Gesellschaften. Auch diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe hat Professor Matthaei viel zu verdanken: Seine Weitsicht und sein Rat werden beim weiteren strategischen Aufbau und Ausbau der Organisation fehlen.

Wir betrauern den Verlust eines offenen, großzügigen und liebenswerten Menschen, der uns an vielen, vielen Stellen fehlen wird und den wir nicht vergessen werden. So schmerzlich der Verlust für uns ist, ungleich größer ist er für seine Frau und seine drei Kindern. Ihnen gilt unser tief empfundenes Mitgefühl.